Etwas ratlos wirkt die Geste: Günter Veith vermisst diverse Ausstattungsdetails in der ansonsten prächtig sanierten Kirche Sankt Leonhard. Veith ist langjähriges Mitglied im Ortsausschuss von Sankt Leonhard.
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Etwas ratlos wirkt die Geste: Günter Veith vermisst diverse Ausstattungsdetails in der ansonsten prächtig sanierten Kirche Sankt Leonhard. Veith ist langjähriges Mitglied im Ortsausschuss von Sankt Leonhard.

Altstadt: Acht Jahre restauriert

Die Sehnsucht nach den Kirchenschätzen

  • vonGernot Gottwals
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Sankt Leonhard ist zwar prächtig saniert, doch es fehlen noch einige Ausstattungsdetails.

Gut ein Jahr ist es jetzt her, dass die Kirche Sankt Leonhard nach der acht Jahre dauernden Restaurierung pünktlich zu ihrem 800. Geburtstag eingeweiht wurde. Während die Bauarbeiten in der nördlichen Vorhalle weiter andauern, erstrahlt der Rest des Sakralbaus inzwischen weitgehend in neuem Glanz. Kenner und Freunde von Sankt Leonhard wissen und beklagen jedoch, dass noch einige Kunstschätze fehlen.

"Wir haben uns alle wirklich sehr über die Wiedereröffnung gefreut, doch die große Euphorie scheint etwas verflogen", erklärt Günter Veith, früheres langjähriges Mitglied im Ortsausschuss von Sankt Leonhard. "Und wenn man genauer hinschaut, dann entdeckt man doch noch einige Leerstellen." Veith verweist auf den Marienaltar, neben dem früher eine Kopie des Bildes "Abendmahl" von Hans Holbein dem Älteren hing, oder auf den Altar der Heiliggrabkapelle. Darunter befand sich eine liegende Figur des entschlafenen Christus, jetzt ist die Stelle zugemauert.

Leonhardbild und Wappen fehlen noch

Hell, aber auch nüchtern wirkt zudem der Leonhardschor: "Hier hing das große Leonhardsbild, das der Großherzog Karl Theodor von Dalberg 1813 stiftete", stellt Veith fest. Darunter fehlt das Wappen des Großherzogtums Frankfurts, an der gegenüberliegenden Seite die Grabfigur eines schlafenden Jüngers. Wobei Veith auch schon mal an die Glasvitrine in der Mitte des Leonhardschors erinnert, in der an Weihnachten die barocke neapolitanische Krippe aufgebaut wird: "Die Dressurleiterin Liselott Linsenhoff hat die Figuren wieder zusammengeführt, deshalb sollte sie auf Dauer bei uns stehen und nicht im Dommuseum", unterstreicht er.

Die Liste ließe sich noch um einige Objekte erweitern: Die Bilder des Kreuzweges von Reinhold Ewald, das alte Ewige Licht, das früher unter dem Zelebrationsaltar hing, das Kruzifix an der Westwand der Kirche, die Beichtstühle sowie einige Möbel und liturgische Geräte aus der Sakristei. Auch macht zeitweise noch den Eindruck Orgel einer Baustelle hinter dem Prospekt.

Bereits im Frühjahr leitete der Ortsausschuss eine Liste der Schätze zur Klärung an das Dommuseum weiter. "Es ist auch unschön, dass der Marien- und Kreuzaltar wegen dem Staub durch die Bauarbeiten immer noch zugeklappt bleiben müssen", findet Veith. Vor allem aber fragt er sich: "Wann geht es endlich in der nördlichen Vorhalle weiter?".

Dazu befindet man sich in der Abstimmung mit den Denkmalbehörden über eine statische Ertüchtigung, wobei es nach Einschätzung der Experten schon zur Bauzeit um 1520 um Fragen der Baustatik ging. "Das statische Konzept befindet sich aktuell in der Prüfung, belastbare Aussagen zur Planung, Ausführung und Abschluss wird es erst Anfang 2021 geben", erklärt Wiebke Reimann, Sprecherin im Kirchendezernat.

Sie räumt ein, die Corona-Krise habe einige Kräfte gebunden, zeitweise habe man andere Prioritäten setzen müssen. Trotzdem gingen die Arbeiten weiter voran, wie Kollegin Laura Wagner betont: "Die Orgel wird in diesen Wochen intoniert, auch der Sandsteinfußboden wurde gereinigt." Man betrachte die Kirche als Gesamtkunstwerk und entscheide abgestimmt auf die restlichen ausstehenden Maßnahmen im Kirchsaal und der Vorhalle, wann die Beichtstühle und andere Kirchenschätze ihren alten oder auch einen neuen Platz finden können.

Gewölbereinigung, dann das Ewige Licht

Die Leiterin des Dommuseums Bettina Schmitt erklärt, das Ewige Licht könne aufgehängt werden, sobald im Anschluss an die Orgelarbeiten das Gewölbe gereinigt sei. Der liegende Christus und zwei Grabwächterfiguren sollen in der Heiliggrabkapelle wieder aufgestellt werden. Das Kruzifix und das Leonhardsbild werden noch restauriert, das Wappen ist staubsicher eingelagert. Zu den Schätzen, die noch einen Platz suchen, gehören das Holbeinbild und die Bilder des Kreuzweges von Reinhold Ewald, über die wegen der Größe und Massivität noch kein Konsens herrsche.

"Ich würde auch die Barockkrippe gerne in der Kirche sehen", räumt Schmitt ein. Doch müsse auch für dieses hochempfindliche Kunstwerk ein Konzept zur Sicherung, Beleuchtung, Klimatisierung. Luftfeuchtigkeit und dem Transport und Aufbau der Figuren in der Vitrine erstellt werden: Diese Aufgaben, die früher teilweise von engagierten Krippenfreunden übernommen wurden, dürften nun nur noch an Restauratoren vergeben werden.

Die Katholische Stadtkirche Frankfurt teilt mit, dass auch die Öffnungszeiten erweitert werden sollen. "Ich sehe mich nicht in der Position, die Stadt zu kritisieren, da wir nicht Eigentümer, sondern Nutznießer der Sankt Leonhardskirche sind", erklärt dazu der Stadtdekan Johannes zu Eltz. "Ich appelliere an die Geduld aller Beteiligten, kann aber auch die besondere Leidenschaft verstehen, mit der sich langjährige Gemeindeglieder um diese Kirche sorgen." Gernot Gottwals

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