Der Stadtelternbeirat in Frankfurt fordert, die Rückkehr weiterer Jahrgänge in die Schulen vor den Osterferien auszusetzen.
+
Der Stadtelternbeirat in Frankfurt fordert, die Rückkehr weiterer Jahrgänge in die Schulen vor den Osterferien auszusetzen.

Corona und Unterricht

„Sehr große Bedenken“: Frankfurter Stadtelternbeirat will Schulen nicht weiter öffnen

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
    schließen

Von Montag an sollen auch ältere Schüler teilweise wieder in die Klassen kommen. Eltern fordern Kultusminister Lorz auf, die Rückkehr auszusetzen.

Frankfurt -Der Stadtelternbeirat hat angesichts der wieder steigenden Zahl von Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Frankfurt den hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) aufgefordert, die Rückkehr weiterer Jahrgänge in die Schulen vor den Osterferien auszusetzen. "Solange nicht wenigstens flächendeckende Schnelltests für Schüler mit entsprechenden Testkonzepten bereitstehen, sehen wir bei sehr vielen Eltern große Bedenken gegen eine Rückkehr weiterer Jahrgänge in die Schulen", teilte die Vorsitzende des Stadtelternbeirates Julia Frank mit. Der nächste Öffnungsschritt sei noch "nicht vertretbar".

Derzeit werden nur die Klassen 1 bis 6 wechselweise zu Hause und in der Schule unterrichtet. Ab Klasse 7 gilt Distanzunterricht. Ausnahme sind die Abschlussklassen. Sie werden in Präsenz unterrichtet. Der aktuelle Plan der Landesregierung sieht jedoch vor, dass von Montag an die Schüler ab Klasse 7 mit einem Präsenztag pro Woche in den Wechselunterricht einsteigen sollen. Voraussetzung: Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt unter 100. Diese lag gestern bei 93,3. Doch in Frankfurt wurde die magische Grenze bereits am Dienstag wieder überschritten. Gestern lag dieser Wert bei 105,7.

Andere Kommunen ziehen die Notbremse

Auch in anderen Städten und Kreisen im Land steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder täglich. Deshalb haben schon jetzt einige Kommunen die Notbremse gezogen. Der Landkreis und die Stadt Offenbach, die Stadt Hanau, der Main-Kinzig-Kreis, der Kreis Groß-Gerau, der Kreis Fulda und der Lahn-Dill-Kreis haben eine weitere Öffnung der Schulen gestoppt. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz weit über 100. Sorge bereitet den Kreisen und Städten, die Ausbreitung der britischen Virus-Mutation, mit der sich vermehrt die jüngeren Generationen anstecken.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat am Dienstag im hessischen Landtag den Beschluss, die Schulen noch vor den Osterferien weiter zu öffnen, verteidigt. Ein Sprecher des Kultusministeriums äußerte sich dazu gestern schon vager. "Wir schauen uns täglich die Zahlen an und beraten", sagte er. "Wir wollen alle Öffnungsschritte nur mit Vorsicht gehen." Angesichts der schnell steigenden Zahl der Neuinfektionen werde man noch in dieser Woche neu darüber beraten, wie es weitergeht. Heute tagt das Corona-Kabinett der Landesregierung. Da wird es auch um die Schulen gehen.

Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) indes appellieren an das Land, zu beschließen, dass der geplante Einstieg in den Wechselunterricht ab Klasse 7 landesweit ausgesetzt wird. Die Voraussetzungen dafür seien noch nicht gegeben. Die Zeit vor und in den Osterferien müsse vom Land genutzt werden, um ein Testkonzept für die regelmäßige Testung aller Schüler vorzulegen sowie die Lieferung und Durchführung der Tests an Schulen zu organisieren, teilten die beiden Dezernenten mit. Sie setzen auf eine "einheitliche Regelung". Selbst die Notbremse ziehen kommt derzeit noch nicht in Frage.

Wie geht es nach Ostern weiter?

Nach Angaben einer Sprecherin des Gesundheitsdezernats bearbeitet das städtische Gesundheitsamt derzeit 16 positive Fälle an 15 Schulen. Davon hätte es in acht Schulen "weiterführende Maßnahmen" gegeben. Sprich: Es wurde getestet, Kontaktpersonen wurden ermittelt oder einzelne Lerngruppen geschlossen.

Frankfurts Elternvertreter mahnen an, dass für eine geregelte Fortführung des Distanzunterrichts die Schulen schnellstmöglich über den Stopp der Ausweitung des Schulbetriebs informiert werden müssen - besser gestern als heute. Darüber hinaus fordert der Stadtelternbeirat schon jetzt die Ausarbeitung und Kommunikation von Plänen für verschiedene Szenarien für die Zeit nach den Osterferien.

Vom 19. April an sieht die Landesregierung nämlich vor, dass die Grundschüler wieder in den "eingeschränkten Regelbetrieb" zurückkehren sollen. Das heißt, sie werden dann wieder jeden Tag in der Schule unterrichtet. Ab Klasse 5 sollen die Schüler abwechselnd zu Hause und im Klassenzimmer lernen. Alles "vorbehaltlich des Infektionsgeschehens" versteht sich.

Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr 27 849 Frankfurter mit dem Coronavirus infiziert. 626 Menschen sind daran gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare