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Seit 75 Jahren für die Bockenheimer da

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Von: Alexandra Flieth

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Johanna Liekmeyer (von links), Peter Stein, Lars Meißner und Hans Joachim Sartorius-Fontanive vom Nachbarschaftsverein Bockenheim, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert. FOTO: Rainer Rüffer
Johanna Liekmeyer (von links), Peter Stein, Lars Meißner und Hans Joachim Sartorius-Fontanive vom Nachbarschaftsverein Bockenheim, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert. © Rüffer

Seit den 90er Jahren konzentriert sich der Verein auf die offene Jugendarbeit

Musik machen, kreativ sein, kochen und gemeinsam essen, sich einfach nur am Kicker oder an der Spielekonsole messen oder Bildungs- und Sportangebote nutzen - im Jungentreff in der Salvador-Allende-Straße 11 in Bockenheim gibt es für Teenies und Jugendliche viele Möglichkeiten, ihre freie Zeit aktiv zu gestalten. Lars Meißner, der Leiter der Einrichtung, spricht von geschützten Räumen, in denen die Jungen im Alter von zehn bis 18 Jahren unter sich sein und sich austauschen können.

Geschützte Räume sind auch die des Mädchenbüros gleich nebenan. An diesem Vormittag werden sie um zwölf Uhr offiziell geöffnet. Es ist der letzte Tag, bevor beide Einrichtungen bis zum Schulstart in die Sommerferien gehen. Ein Mädchen sitzt bereits auf den Stufen vor der Eingangstür, als Johanna Liekmeyer, stellvertretende Leiterin des Mädchenbüros, die Tür aufschließt und sie hineinlässt. Wie ihr Kollege Lars Meißner kennt auch sie die Mädchen, die regelmäßig vorbeischauen, um die dortigen Angebote zu nutzen, zu denen ebenfalls Bildungs-, Kreativ- oder Sportprojekte zählen. Beide Einrichtungen arbeiten niedrigschwellig und offen für alle Teenies und Jugendlichen, die vorbeikommen möchten.

Träger des Jungentreffs und des Mädchenbüros ist der Verein "Nachbarschaftsheim Frankfurt am Main - Bockenheim", der in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert. Im Jahr 1947 ins Leben gerufen durch die US-amerikanische Quäkerstiftung "American Friends Services Center" als eines von vier Nachbarschaftsheimen in Hessen mit dem Ziel, damit einen Beitrag zur Förderung des nachbarschaftlichen Zusammenhalts und zur Demokratisierung der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg zu leisten, haben sich die Schwerpunkte der Vereinsarbeit in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Der Bockenheimer Verein konzentriert sich nun seit den 1990er Jahren ausschließlich auf die offene Jugendarbeit. Er arbeitet gemeinnützig und wird als Träger der freien Jugendhilfe vom Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt gefördert.

Seit 2012 befinden sich die Räume der beiden Jugendeinrichtungen im Erdgeschoss des modernen Gebäudekomplexes in der Salvador-Allende-Straße 11 zwischen Sozialrathaus und Jobcenter West. "Eigentlich sollten wir hier nur vorübergehend bleiben", erzählt Peter Stein, stellvertretender Vereinsvorsitzender. "Seit 2016 wissen wir, dass dies nun unser dauerhaftes Domizil ist", fügt er hinzu.

Lange Zeit befanden sich die Räume des Vereins am Rohmerplatz, wo auch 1947 das erste Nachbarschaftsheim eröffnete, das zunächst als Holzhaus errichtet wurde und dessen Bauteile aus Schweden kamen. Eingeweiht wurde es im Juni 1947 im Beisein des damaligen Oberbürgermeisters Walter Kolb (1902 - 1956). Ein alter Artikel der Frankfurter Neuen Presse, der Teil der Vereinsdokumentation ist, die in einem umfangreichen Ordner aufbewahrt wird, berichtet darüber. Die ersten Vereinsräume beherbergten einen Versammlungssaal, eine Schusterwerkstatt, eine Bibliothek, eine Nähstube, einen Werk- und einen Waschraum sowie das Heimleiterzimmer. Die Angebote reichten einst von Diskussionsgruppen auch in englischer Sprache sowie Näh- und Fotokursen über Malkurse für Kinder und Jugendliche sowie Essensausgaben bis zu Seniorenkränzchen.

Nachdem das Holzhaus nach einem Brand 1970 unbrauchbar geworden war, kam es zum Abriss. Mit Fertigstellung der Sozialstation am Rohmerplatz 1972 konnte der Verein dort auch wieder sein Domizil aufschlagen - zunächst beschränkt auf den großen Saal im zweiten Stockwerk, der vor allem für Senioren, aber auch für Sprachkurse genutzt wurde. Die Jugendarbeit wurde in einer Baracke in der Werrastraße 39a weitergeführt, dort starteten in den 1980er Jahren eigenständige Angebote für Mädchen und Frauen. 40 Jahre nach Gründung des Vereins wurden die Baracken in der Werrastraße nach einem Brand im Herbst 1987 abgerissen und die offene Jugendarbeit in das Nachbarschaftsheim am Rohmerplatz 15 verlegt.

1994 wurde aufgrund der fehlenden räumlichen Kapazitäten die eigenständige Mädchenarbeit zunächst aufgegeben und ein paar Jahre später mit der Etablierung des Mädchenbüros wieder angefangen, die seitdem ausgebaut wurde. Die 1990er Jahre waren aber auch dadurch geprägt, dass die Erwachsenenarbeit, die der Verein in früheren Jahrzehnten angeboten hatte, ein Ende fand.

Ein Kooperationsprojekt zwischen der Brüder-Grimm-Schule und dem Verein brachte auch Peter Stein in der ersten Hälfte der 2000er Jahre in Kontakt mit dem Nachbarschaftsheim. Damals sei er noch Schulleiter der Brüder-Grimm-Schule gewesen, erzählt er. Seit seiner Pensionierung engagiere er sich nun für die Vereinsbelange.

Und die Arbeit sei wichtiger denn je, beschreibt es der Vereinsvorsitzende Hans Joachim Sartorius-Fontanive. Dazu zähle er insbesondere, Kindern und Jugendlichen Orientierung zu geben und Werte zu vermitteln. Das Team der beiden Einrichtungen sorge dafür, dass der Jungentreff und das Mädchenbüro zu Wohlfühlorten werden. Alexandra Flieth

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