Die Trucker der Barmherzigkeit: Klaus-Dieter Then (mit Mütze) fährt seinen 30. Hilfstransport. Am Dienstag geht er wieder auf Tour. FOTO: Reuß
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Die Trucker der Barmherzigkeit: Klaus-Dieter Then (mit Mütze) fährt seinen 30. Hilfstransport. Am Dienstag geht er wieder auf Tour.

Griesheim: Wie Frankfurt hilft

Seit drei Jahrzehnten rollt die Hilfe

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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GRIESHEIM Mariä Himmelfahrt schickt wieder Transporter nach Rumänien - Reisesegen für die Fahrer

Zwei Jahre standen die Räder still: Auch 2019 und 2020 hatte die katholische Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt ihre traditionellen Hilfstransporte nach Rumänien geplant, wurde aber von Corona ausgebremst. Jetzt will Klaus-Dieter Then, der Organisator, wieder auf Achse - am Dienstag um 6 Uhr soll es losgehen; Norbert Walter begleitet ihn diesmal im voll beladenen Sprinter auf der 1650 Kilometer langen Fahrt nach Toplita, am Rande der Karpaten. Die Reise dauert - wenn alles gut geht - etwa 48 Stunden.

Then und Walter transportieren Hilfsgüter, die von ehrenamtliche Helferinnen und Helfern aus der Katholischen Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt verpackt wurden. Wegen der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatte es Überlegungen gegeben, ob mit den gesammelten Spenden dort geholfen werden soll. Entschieden wurde, dass für die Flutopfer eine besondere Hilfs- und Spendenaktion stattfindet, weil die damaligen Spender gezielt für die Bedürfnisse in Rumänien gespendet haben.

Die Lage hat sich verbessert

Die Hilfe, die aus der Gemeinde Mariä Himmelfahrt in den vergangenen Jahren schon geleistet worden ist, hat sichtbare Spuren hinterlassen: Die Infrastruktur in Rumänien hat sich verbessert. Deshalb hat man, in Rücksprache mit den Verantwortlichen in Rumänien, festgelegt, was jetzt noch dort gebraucht wird. In den Kisten befinden sich neben Textilien vor allem Medikamente, medizinisches Gerät, etwa Blutzuckermessgeräte, sowie medizinische Hilfsmittel. Außerdem wurden auch Pflegebedarfsartikel für Langzeitkranke und Pflegebedürftige eingepackt, etwa Inkontinenzwindeln, Einlagen, Rollstühle, Krücken oder Gehstöcke.

Jeder Karton wird überprüft

Am Montag wird der Transporter von ehrenamtlichen Helfern beladen. Auch in diesem Jahr wird Lademeister Michael Steils aufs Detail achten: Eine gesicherte Ladung ist wichtig. Das, was schon im vorigen Jahr auf die Reise gehen sollte, war damals notgedrungen eingelagert worden. Der Inhalt dieser rund 80 Kartons wurde jetzt noch einmal überprüft; Inhalt und Gewicht - danach fragt der Zoll - sind bereits vermerkt. Hinzu kommen nun noch einige Rollstühle und weitere medizinische Hilfsmittel.

Am Dienstagfrüh geht es dann los. Das erste Mal schlafen wollen die Fahrer, die sich abwechseln, in Budapest. Nach dem EU-Beitritt Ungarns und Rumäniens geht die Abfertigung an den Grenzen schneller als früher - das weiß Hans-Dieter Then aus eigener Erfahrung am Besten: Es ist sein 30. Hilfstransport. Die Hilfe wird ohne Zuschüsse, rein aus Spendengeldern, finanziert. Von den eingegangenen Geldspenden werden in Toplita Lebensmittel für die Familien gekauft, denen es besonders schlecht geht. Diese Lebensmittel werden von der katholischen und der evangelisch-reformierten Gemeinde in Toplita verteilt. Ein Teil der Spenden geht auch an die griechisch-katholische Kirchengemeinde dort. Ein weiterer Teil der Spendengelder wird für die Deckung der Transportkosten verwendet.

In Rumänien fehlt es oft immer noch an lebensnotwendigen Dingen - die Arbeitslosigkeit ist hoch, viele Menschen müssen ohne staatliche Zuschüsse auskommen oder von einer Rente leben, die etwa 36 Euro beträgt - im Monat. Die Preise für Lebensmittel bewegen sich allerdings fast auf deutschem Niveau.

Im Jahr 2004 wurde in Toplita eine Armen-Apotheke eingerichtet, wo Menschen sich - unter Kontrolle einer Ärztin - Medikamente abholen können, die sie sonst nicht bekommen können. Diese Armen-Apotheke wird aus Griesheim mit gespendeten Medikamenten beliefert. In den vielen Jahren der Hilfstransporte haben sich Partnerschaften der Gemeinden entwickelt, und es sind viele private Freundschaften entstanden. Es gibt immer wieder Besuche von rumänischen Gruppen in Griesheim, so etwa auch 2012 zur Einweihungsfeier des "Hauses im Haus" in der Kirche St. Hedwig. Im Gegenzug gibt es auch immer wieder Besuchsfahrten von Griesheim nach Toplita. Am Sonntag, 15. August, dem Patronatsfest der Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt, werden im Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt die Osterkerzen für die katholische und die griechisch-katholische Gemeinde in Toplita von Pfarrer Rolf Glaser gesegnet; die beiden ehrenamtlichen Fahrer bekommen den Reisesegen. holger Vonhof

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