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Seit fünf Jahren eine Kita im Container

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Sie warten dringend auf den Neubau: Ortsvorsteherin Ulrike Neißner, Elternbeirätin Tina Benz, Kinderbeauftragte Eva Maria Lang und Elternbeirätin Franziska Celik mit den Hunden Cala und Bella vor den Containern. FOTO: brigitte degelmann
Sie warten dringend auf den Neubau: Ortsvorsteherin Ulrike Neißner, Elternbeirätin Tina Benz, Kinderbeauftragte Eva Maria Lang und Elternbeirätin Franziska Celik mit den Hunden Cala und Bella vor den Containern. © degelmann

Einrichtung in Kalbach wartet dringend auf den versprochenen Neubau

„Wie lange dauert eine Übergangszeit?“ Diese Frage stellt sich nicht nur Ulrike Neißner (Grüne), Vorsteherin im Ortsbeirat 12 (Kalbach, Riedberg). Sondern sie kommt auch vielen anderen in den Sinn, wenn es um die Kita am Kalbacher Stadtpfad geht. Fünf Jahre nach ihrer Eröffnung ist die Einrichtung immer noch in Containern untergebracht. Dabei hieß es anfangs, dass die Pavillons nur eine Übergangslösung sein sollten, bis die Einrichtung in einen Neubau übersiedeln könnte.

2018 war das. Doch von einem Neubau ist weit und breit keine Spur. Nicht einmal Pläne dafür habe man bisher gesehen, ärgert sich die Kalbacher Kinderbeauftragte Eva Maria Lang. Obwohl der Ortsbeirat 12 mehrmals nachgehakt habe, warte man bislang vergeblich auf Antworten. Zuletzt teilte der Magistrat im Oktober 2021 mit, dass man „die Realisierung des Neubaus vorantreiben“ werde, ohne dabei einen konkreten Termin zu nennen. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt das zuständige Dezernat für Bildung, Immobilien und Bauen nun abermals, dass der Kita-Neubau „in Arbeit“ sei. „Für den Wirtschaftsplan 2023 des Eigenbetriebs Kita Frankfurt sind für den Neubau die notwendigen Planungsmittel angemeldet“, so ein Sprecher.

Mittel sind angemeldet

Voraussichtlich im Herbst werde man mit den Detail-Planungen beginnen. „Für die Jahre 2024 und 2025 sind zudem Mittel für den Bau der Kita angemeldet. Sobald die Planungen einen gewissen Reifegrad erreicht haben und es eine belastbare Zeitplanung für das Kita-Projekt gibt, wird dies - voraussichtlich in 2024 - vor Ort vorgestellt“, so der Sprecher.

Immerhin ein Lichtblick für die rund 85 Kita-Kinder und ihre Erzieher, die seit Jahren in den mittlerweile maroden Containern ausharren müssen. Mit Schrecken erinnern sich die Elternbeirätinnen Tina Benz und Franziska Celik an einen Freitag im Spätherbst 2020, als ein Anruf aus dem Kinderzentrum kam: In einem Raum sei ein Erzieher mit dem Fuß im Boden eingebrochen; um weitere Unfälle zu verhindern, müssten die Kinder sofort abgeholt werden. Monatelang hätten die Knirpse daraufhin in anderen Einrichtungen untergebracht werden müssen, bis die Schäden behoben gewesen seien.

Ganz zu schweigen von den weiteren Schwierigkeiten, mit denen man in den Pavillons zu kämpfen hat. Zum Beispiel wegen der schlechten Isolierung. „Im Winter ist es da drin eisig, im Sommer Sauna“, sagt Ulrike Neißner. Die Heizung funktioniere nicht richtig, die Luftqualität lasse zu wünschen übrig, im Winter dringe manchmal Wasser ein. Und der Lärmpegel sei wegen des fehlenden Schallschutzes extrem hoch, ergänzt Tina Benz. Nicht zu vergessen die Platzprobleme. Die beiden Bistro-Räume seien etwa viel zu klein, so dass die Kinder in Schichten essen müssten. Ebenfalls schwierig sei die Garderoben-Situation: Jacken, Wechselkleidung, aber auch nasse Schnee- und Matschhosen müssten in kleinen Spinden untergebracht werden.

Vertröstet und abgeblockt

Voll des Lobes sind die beiden Elternbeirätinnen jedoch über Kita-Leitung und Mitarbeiter, die sich trotz aller Schwierigkeiten liebevoll um ihre Schützlinge kümmerten. „Da drin herrscht so viel Liebe, das ist so ein tolles Team“, schwärmt Tina Benz.

Um so wichtiger sei es, dass der Neubau endlich verwirklicht werde. „Das hier ist kein Zustand“, monieren die Elternbeirätinnen und kritisieren in diesem Zusammenhang die Stadt Frankfurt . „Da wird man immer vertröstet, abgeblockt und nicht ernst genommen“, sagt Tina Benz. „Keiner denkt an die Kinder.“ Das Projekt sei auch deshalb so wichtig, weil dann dringend benötigte Krippenplätze entstehen könnten, fügt Eva Maria Lang hinzu.

Die Verzögerungen könnten damit zusammenhängen, dass in Zusammenhang mit dem Neubau ein Mehrzweckraum entstehen soll, dessen Finanzierung aber offenbar unklar ist. Kita Frankfurt jedenfalls könne nur Gebäude für Bildung, Betreuung und Erziehung, jedoch keine Mehrzweckhalle oder ähnliches errichten, heißt es aus dem Bildungsdezernat. Es werde derzeit geprüft, ob am vorgesehenen Kita-Neubau auch eine Mehrzweckhalle entstehen könne. brigitte degelmann

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