Philipp Keller (44) führt die Geschäfte des Familienbetriebs Lorey bereits in siebter Generation. Fotos/Repros: Christes
+
Philipp Keller (44) führt die Geschäfte des Familienbetriebs Lorey bereits in siebter Generation. Fotos/Repros: Christes

Frankfurter Unternehmen Lorey

Seit 220 Jahren eine Institution

  • vonAlexandra Flieth
    schließen

Das bekannte Frankfurter Unternehmen Lorey feiert sein 220-jähriges Bestehen. Inhaber Philipp Keller führt den Familienbetrieb bereits in der siebten Generation. Trotz des Internets registriert er, dass der Fachhandel von den Kunden wiederentdeckt wird.

1796 war für Frankfurt ein turbulentes Jahr. Französische Truppen besetzten nach 1792 erneut die Stadt am Main. Es kommt zu zahlreichen Schusswechseln, Teile der Altstadt geraten in Brand. Es ist das Jahr, in dem Johann Christoph Braun (1770–1836) am 31. August 1796 seine Spenglerwerkstatt in der Borngasse in der Altstadt bei den Ämtern der Stadt eintragen lässt. Er legte damit den Grundstein für das Frankfurter Unternehmen Lorey.

220 Jahre später leitet Inhaber Philipp Keller (44) die Geschicke der Firma, die bereits in der siebten Generation in Familienbesitz ist. Seit 1912 hat der Betrieb seinen Sitz in der Schillerstraße 16 / Große Eschenheimer Straße 29. In dem mehrstöckigen Fachgeschäft gibt es unter anderem hochwertige Haushalts- und Tischwaren, Textilien, Markenporzellan, Glas und Bestecke. Das Sortiment ist sehr vielfältig, Lorey hat sich auf gehobene Tisch- und Kochkultur spezialisiert.

„Wir haben unsere Nischen gegen alle widrigen Umstände verteidigt. Trotz des Internets. Das wird honoriert“, sagt Keller. Es habe sich alles wieder normalisiert. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kunden gerne die Dinge in die Hand nehmen möchten und das persönliche Gespräch mit den Verkäufern schätzen.“ Guter Service sei sehr wichtig. „Wir versuchen, die Kundenwünsche zu erfüllen. Doch wenn etwa ein Porzellanservice schon seit 20 Jahren aus dem Programm genommen ist und jemand hierfür Ersatzteile sucht, dann stoßen auch wir manchmal an die Grenzen des Möglichen.“

Bereits der Gründer Johann Christoph Braun fertigte in seiner Spenglerwerkstatt hochwertige Haushaltswaren und Vogelkäfige an. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten Vogelkäfige zum Sortiment des Geschäfts, wie die alten Verkaufskataloge aus dieser Zeit dokumentieren.

Aufbewahrt werden die Unterlagen in der Familien- und Geschäfts-Chronik, die Philipp Kellers Großvater Karl in zwei großen Alben angelegt hat. Darin befinden sich alte Dokumente, Postkarten, Briefe, Seiten von alten Verkaufskatalogen und Fotografien. Letztere dokumentieren die verschiedenen Geschäftsräume, in denen der Betrieb in der Vergangenheit untergebracht war. Vor der Eröffnung in der Schillerstraße hatte die Firma Lorey ihr Hauptgeschäft an der Zeil.

Außerdem enthält die Chronik auch mehrere Abbildungen von Gemälden, auf denen die Vorfahren Kellers porträtiert sind. Darunter ist auch das Konterfei von Johann-Balthasar Lorey (1766–1837), dem Stammvater der Frankfurter Linie Lorey. „Ob und inwieweit er in das Geschäft eingebunden war, das lässt sich heute nicht mehr so ohne weiteres nachvollziehen“, schildert Philipp Keller. Selbst er habe das Gemälde nur als Fotografie, aber noch nie im Original gesehen.

Fest steht aber, dass einer der Söhne von Johann-Balthasar Lorey den von Johann Christoph Braun gegründeten Spenglerbetrieb nach dessen Tod fortführte. Sein Name war Johann-Georg Lorey, seit 1837 selbst als Spenglermeister tätig. Als neuer Inhaber ließ er das Geschäft in „J.G. Lorey“ umfirmieren und vergrößerte das Angebot. Die dritte Generation des Unternehmens führt dessen Sohn fort, der in Anlehnung an seinen Großvater Johann-Balthasar Lorey (1842–1902) genannt wird. Er hat keine männlichen Nachkommen, dafür aber drei Töchter. Als er verstirbt, wird das Geschäft zunächst von seiner Gattin Katharina geleitet.

Und hier kommt der Name Keller erstmals ins Spiel: Arnold Keller (1873–1953) schaute sich Anfang des 20. Jahrhunderts, damals noch als Vertreter der Nürnberger Spielzeug- und Metallwaren-Firma Bing, bei einem Besuch in Frankfurt das Geschäft der Loreys an. Er lernte Tochter Johanna kennen, heiratete sie 1905 und kaufte den Betrieb, der nunmehr „J.G. Lorey Sohn Nachfolger“ hieß. Neben den Vogelkäfigen waren zu dieser Zeit auch die Grude-Herde ein Verkaufsschlager des Hauses, die bis in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. 1911 erwarb Arnold Keller das heutige Stammhaus.

Zwei Weltkriege später stand Karl Keller (1908–2010), der in fünfter Generation den Betrieb weiterführte, vor den Trümmern des Stammhauses – und baute es wieder auf. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, die Geschäfte blühten. Karl Keller vergrößerte das Unternehmen, kaufte auch weitere Firmen wie „J.M. Behaghel & Sohn“ aus Frankfurt, das damals älteste Porzellangeschäft Europas, auf. Er eröffnete zudem Filialen unter anderem in Wiesbaden und ein Küchencenter in Dreieich-Sprendlingen.

Philipp Kellers Vater Jochen übernahm den Betrieb 1975. Er ließ 1995 das Stammhaus umfangreich sanieren. 1998 stieg sein Sohn Philipp, der heutige Inhaber, mit ins Geschäft ein. Aus unterschiedlichen Gründen wurden die noch bestehenden Filialen nach und nach bis 2010 geschlossen.

Philipp Keller sieht die Zukunft im klassischen Einzelhandel und konzentriert sich auf das Lorey-Stammhaus mit seinen 2 300 Quadratmetern Verkaufsfläche. Zwischen 2010 und 2012 lässt er das Stammhaus sanieren.

Vogelkäfige oder Grude-Herde gibt es schon lange nicht mehr im Sortiment, das aktuell rund 30 000 Artikel zählt. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Keller. „Fachgeschäfte sind wieder geschätzt.“ Doch auch er muss mit der Zeit gehen, bietet der Kundschaft seit 2014 zudem die Möglichkeit des Online-Einkaufs an.

In der obersten Etage des fünfstöckigen Stammhauses hat Philipp Keller sein Büro. Regelmäßig läuft er durch den Laden, tauscht sich mit seinen Angestellten aus. Rund 50 Mitarbeiter sind dort tätig. Die persönliche Atmosphäre, die das Familienunternehmen ausmacht, ist überall zu spüren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare