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Prof. Volker Mosbrugger (re.) und Stellvertreter Prof. Andreas Mulch.

Mehr Platz für Wissenschaftler

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zieht im Juli ins Arthur-von-Weinberg-Haus ein

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Das war die Höhe: Nach dem Festakt zur Eröffnung des Arthur-von-Weinberg-Hauses, dem ersten fertiggestellten Erweiterungsbau der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, wollten 80 Gäste nach dem Sekt nur Eines – das Gebäude sehen und die Sternwarte auf dem Dach erklimmen.

Einen Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump und dessen Abstreiten einer globalen Erderwärmung kann sich Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) nicht verkneifen. Beim Festakt in einem der neuen Hörsäle im 1908 entstandenen Gebäude (vormals die Alte Physik der Uni) an der Robert-Mayer-Straße sagt er: „Wissenschaftliche Kommunikation, faktenbasiertes Arbeiten ist eine herausragende Aufgabe unserer Zeit.“ Dies leiste das Senckenberg Naturforschungsinstitut. Dessen Chef, Prof. Volker Mosbrugger, und Beate Heraeus, Präsidentin der 1817 gegründeten Institution, nicken auf kiwigrünen Stühlen.

Der Festakt gestern Vormittag markierte einen Meilenstein: Knapp 117 Millionen Euro kostet der bislang größte Umbau, das Land zahlt davon 71 Millionen. Das Institut wächst auch dank des Dachausbaus von 15 000 auf 25 000 Quadratmeter. Architekt Peter Kulka hat Fliesenböden, Stuckdecken und Säulen hinter Gipskarton und unter PVC-Böden freigelegt. 22 Millionen Sammlungsobjekte, darunter in Alkohol eingelegte Präparate sowie Felle, Insekten, Skelette oder tonnenschwere Steine werden im Juli in Spezialarchive geräumt; so schützen Klimaanlagen, Mehrfach-Belüftungen und Schleusen vor Schädlingsbefall. Das Haus ist nun zu 100 Prozent barrierefrei. Wissenschaftler können in fast 20 Laboren die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Artenvielfalt erforschen.

Prof. Wolfgang Grünbein, Präsident des Physikalischen Vereins, der im von-Weinberg-Haus die Sternwarte betreibt, lobte die Kooperation mit Senckenberg und betonte: „Hier wurde die Quantenphysik bewiesen!“ Die Sternwarte wird im Herbst wieder eröffnet.

Mit der Umbenennung in Arthur-von-Weinberg-Haus würdigt Senckenberg den Frankfurter Industriellen, Wissenschaftler und Mäzen. Der 1860 Geborene baute die familieneigenen Cassella-Farbwerke zum weltweit größten Hersteller synthetischer Farbstoffe aus, stiftete dem Naturmuseum unter anderem 1911 die bis heute extrem seltene „Edmontosaurus-Trockenmumien“, die damals wie heute Höhepunkte der Ausstellung im Museum sind. 1930 wurde er Ehrenpräsident der Senckenberg Gesellschaft. Doch wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgten ihn die Nationalsozialisten. Er starb 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Auch das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (SBiK-F) in der Georg-Voigt-Straße trägt seit gestern einen neuen Namen: Maria-Sibylla-Merian-Haus. Die Alte Pharmazie der Uni (Kramer-Haus) soll im März 2018 fertig saniert sein – sie gehört auch zur Erweiterung des Senckenberg.

Die anno 1647 in Frankfurt geborene Merian hat sich mit herausragenden naturkundlichen Zeichnungen und Beobachtungen einen Namen gemacht „und gilt inzwischen als Mitbegründerin der Naturforschung“, so Prof. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des SBiK-F.

Beide Namensgeber wurden in Büsten verewigt: von Weinberg in schwarzem, Merian in weißem Marmor. „Beide Namen stehen für Menschen, die Herausragendes für die Wissenschaft geleistet haben. Die Umbenennung der Gebäude zeigt, in welcher großen Tradition Senckenberg seine Forschung fortführt und dass es gleichzeitig seine Verbundenheit zur Stadt Frankfurt behält“, betonte Rhein.

Beeindruckt war Stephan Treuleben von Gans: Der Münchner ist ein Nachfahre von Leo Gans. Der Onkel von Arthur von Weinberg war 1907 Vorsitzender des Physikalischen Vereins. „Ich überlege, Mitglied von Senckenberg zu werden“. So beginnt Mäzenatentum.

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