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Etwas skeptisch schaut eine Seniorin den humanoiden Roboter ?Pepper? während einer Informationsveranstaltung im Alten- und Pflegeheim an.

Wissenschaft

Trotz Kulleraugen stoßen "menschelnde" Maschinen auf Skepsis

Mit ihren Kulleraugen und runden Köpfen entsprechen die Roboter „Pepper“ und „Peppa“ ganz dem Kindchenschema. Doch sind sie auch geeignet, um alte Menschen zu unterhalten? Beim Praxistest fremdelten die Senioren.

Als Gisela Thoma ihren Rollstuhl an „Peppa“ heranfährt, ist sie sofort auf Augenhöhe mit dem Roboter. Runde Kulleraugen blinken auf und die beinahe kindliche Roboterstimme erklingt: „Ich bin Peppa. Ich bin ein humanoider Roboter.“ Thoma, die in einem Frankfurter Altenzentrum lebt, blickt neugierig, aber nicht unbedingt überwältigt in das kugelrunde weiße Robotergesicht. Studenten einer Frankfurter Hochschule haben die „menschelnden“ Roboter „Peppa“ und „Pepper“ an diesem Mittwoch mitgebracht – im Rahmen eines Studienprojekts sollen sie testen, wie Roboter in der Altenpflege eingesetzt werden können. Nun soll festgestellt werden, ob Roboter den Senioren Spaß machen können.

Gisela Thoma runzelt die Stirn nach der ersten Begegnung mit dem Roboter. „Ich weiß nicht so genau, ob die Spaß machen – ich glaube, eher nicht“, sagt sie. Die Präsentation der beiden Roboter will sie sich trotzdem nicht entgehen lassen.

In mehreren Arbeitsgruppen haben sich die Studenten schon überlegt, wie Roboter bei Gedächtnistraining und Unterhaltung, bei gymnastischen Übungen oder auch in Alltagssituationen eingesetzt werden können. Nun ist das Feedback der Zielgruppe gefragt. „Im Laufe des Semesters soll dann ein Unterhaltungsprogramm erstellt werden“, sagt der Informatikstudent Karem Türkogollari, der das Projekt der Wissenschaftlerin Barbara Klein betreut. Etwa zwei Stunden soll es umfassen – schon allein, damit in der Praxis keine Routine und Langeweile aufkommt.

Ängste nehmen

„Von sich aus machen die nichts“, versucht der junge Mann mit dem Hipster-Bart Ängste vor künstlicher Intelligenz zu zerstreuen, die wie in einem Hollywood-Drama Kontrolle über die Menschen erlangen könnte. „Alles, was der Roboter macht, muss man vorher programmieren.“

Bei dem 81 Jahre alten Helmut Brieger haben die Roboter eine erfolgreiche Charmeoffensive gestartet. Die Geräte, die Mimik, Geschlecht und Alter erkennen und interpretieren können, sollten Briegers Alter schätzen. „Schau mich genauer an“, fordert der Roboter, ehe er zu dem schmeichelhaften, aber nicht ganz zutreffenden Ergebnis kommt: „55 Jahre.“ Brieger ist fasziniert. „Dabei habe ich noch nicht mal ein Handy!“, gibt er sich als Technikmuffel zu erkennen.

Doch so unterhaltsam der 81-Jährige den Roboter auch empfindet, zieht er klare Grenzen: „Ich will selber entscheiden, ob ein Roboter mein Freund ist. Auf keinen Fall darf der einfach so in mein Zimmer kommen – und einen Menschen ersetzt der sowieso nicht.“ Eine Heimbewohnerin findet den Gedanken „gruselig“, dass ein Roboter womöglich eines Tages Pflegearbeiten übernehmen könnte. Ihrer Nachbarin steht die Skepsis ins Gesicht geschrieben, als sie die Roboter aus den Augenwinkeln beobachtet. Sie presst die Lippen fest zusammen, schüttelt leicht den Kopf. Da kann auch der Kulleraugen-Blick der etwa 1,20 Meter großen Roboter nichts ausrichten.

Gimmick oder doch mehr?

„Ein netter Gimmick“, meint eine Mitarbeiterin des Altenzentrums über eine kleine Gymnastik-Vorführung, die mit einem lobenden „Gut gemacht“ endet. „Aber Altenpflege braucht ein hohes Maß an Empathie.“ Da reiche ein allgemeines Lob nicht aus, es müsse auch mal Mut gemacht oder das noch Erreichbare anerkannt werden. Einer ihrer Kollegen kann sich einen Roboter hingegen durchaus als „Vorturner“ in einer Gymnastik-Gruppe vorstellen – dann allerdings gemeinsam mit einem Menschen, der Teilnehmern Hilfestellung gibt oder Haltungen korrigiert.

Doch ohne Mensch, so versichert Wissenschaftlerin Klein, laufe beim Robotereinsatz ohnehin nichts. „Es ist immer jemand dabei.“ Das hören vor allem diejenigen gerne, die fürchten, Robotereinsatz könne möglicherweise zu Entlassungen führen. Die Vorschläge und Wünsche der Senioren sind jedenfalls auf den Alltag ausgerichtet, auf Dinge, für die die Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen eher keine Zeit haben. Sie würde gerne Memory spielen, sagt eine Bewohnerin, und ein älterer Mann fragt: „Kann mir der Roboter auch die Tageszeitung vorlesen?“

Und wie ist die Akzeptanz von Robotern in der Altenpflege allgemein? „Bei humanoiden Robotern sind wir hier in Deutschland eher zurückhaltend“, meint Janine Seitz vom Frankfurter Zukunftsinstitut, die im vergangenen Jahr im Rahmen der Zukunftsstudie den „Roboter Report“ verfasst hat. „Hierzulande kommen ethische Debatten ins Spiel, die in Japan, wo solche Roboter etwa bei der Unterhaltung von Senioren schon zum Einsatz kommen, so nicht geführt werden.“

Studien belegten allerdings eine steigende Akzeptanz von Robotern, auch bei über 65-Jährigen, so Seitz. Dabei werde jedoch auch bei denjenigen, die Roboter-Einsatz generell begrüßen, im eigenen Fall der menschliche Betreuer bevorzugt. „Ein Roboter kann natürlich unterstützen in der Pflege, er kann auch einen Menschen unterhalten“, sagte Seitz. „Aber er ersetzt nicht die menschliche Interaktion, das Mitfühlen und Mutmachen. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll.“

von EVA KRAFCZYK

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