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Reiner Ohmer (von links), Günther Kraus und Dirk Herbig stellen das Präventionsprogramm vor.

Schutz für ältere Menschen

Senioren-Sicherheitsbeauftragte kämpfen gegen Betrüger und Scham

Ganz gezielt versuchen Betrüger, die Gutgläubigkeit vor allem älterer Menschen auszunutzen. Senioren besser gegen diese Gefahr zu wappnen, ist in Frankfurt auch die Aufgabe der neuen Senioren-Sicherheitsbeauftragten.

Noch nie hat Karin Stephan etwas im Internet oder bei einem Versandhaus bestellt. Und trotzdem stand am 3. Juni dieses Jahres der Postbote mit vier Paketen vor der Tür. Sachen, die sie angeblich gekauft habe – auf den Rechnungen stand ihr Name. Wie man die Pakete zurückschickt und einen Retourenschein ausfüllt, wusste sie nicht. „Ich hatte Angst, ich müsste das alles bezahlen.“

Bezahlen musste sie am Ende nichts, die Firmen nahmen die nicht bestellte Ware zurück. Eine Nachbarin half ihr, die geöffneten Pakete zurückzusenden. In der Postagentur an der Triebstraße sprach sie den Betreiber, Günter Kraus, auf den Fall an. „Ich riet ihr, Anzeige zu erstatten, und wir gingen zusammen zur Polizei. Denn offenbar hatte jemand ihre persönlichen Daten missbraucht, um viele Sachen zu bestellen“, sagt Kraus. Ein Rat, den nicht er nicht nur als Inhaber der Postagentur gab: Günter Kraus ist einer von 17 neuen Senioren-Sicherheitsbeauftragten des Frankfurter Präventionsrats.

Die Ehrenamtlichen sind außer in Bergen-Enkheim auch in Fechenheim, am Frankfurter Berg, in Griesheim, Nied, Nieder-Eschbach, Niederrad, Preungesheim, Unterliederbach und Zeilsheim zu finden. Bei dem Pilotprojekt arbeiten Präventionsrat, Polizei und Bürgerinstitut zusammen. Die Senioren-Sicherheitsbeauftragten seien eine wichtige Ergänzung der polizeilichen und städtischen Maßnahmen zum Schutz vor Kriminalität gegen ältere Menschen, sagt Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). Für Polizeipräsident Gerhard Bereswill sind sie „ein wichtiges Bindeglied zwischen der Polizei und den älteren Menschen“.

In erster Linie sollen sie Ansprechpartner für die Senioren im Stadtteil sein, erklärt Dirk Herwig von der Geschäftsstelle des Präventionsrats. „Sie sollen auch jene Senioren im Stadtteil erreichen, die nicht so mobil sind. Sie sollen sie beraten und mit ihnen zur Polizei gehen, wenn etwas vorgefallen ist“, sagt Herwig. Denn oft schämten sie sich, ergänzt Kraus aus Erfahrung. So wie jener Bergen-Enkheimer, der trotz Warnung auf ein gefälschtes Preisausschreiben hereinfiel: „Er sagte nur: Um Gottes Willen, wenn meine Frau davon erfährt!“

Karin Stephan sei noch glimpflich davongekommen, sagt Reiner Ohmer, Leiter des 18. Polizeireviers im Florianweg 8. Das Betrüger etwas im Internet bestellen und es unter falschem Namen an eine falsche Adresse liefern lassen, komme immer wieder vor. Wenn der Paketbote komme, fingen sie die Lieferung vor der Haustür ab – was bei Karin Stephan offenbar fehlschlug. „So wollen sie vermeiden, die Ware bezahlen zu müssen.“

Doch viel gefährlicher seien drei andere Tricks, sagt Ohmer. Etwa der sogenannte „Enkeltrick“. „Die Täter suchen anhand der Vornamen ältere Menschen aus dem Telefonbuch und rufen sie an. Sie sind psychologisch geschult und schaffen es, dass ihr Gegenüber glaubt, ein Verwandter – etwa ein Enkel – rufe an.“ Sie gaukelten eine Notlage und ergaunerten so oft große Beträge. Miteinander verwandt sind der Zettel- und der Wasserglas-Trick. „Dabei klingelt jemand und fragt nach einem Zettel, um dem Nachbarn eine Nachricht zu hinterlassen oder bittet um ein Glas Wasser.“ So abgelenkt merkt der Hausbewohner nicht, dass eine zweite Person hereinkommt und Geld, Schmuck und ähnliches stiehlt.

„Da steht eine hochschwangere Frau vor der Tür und bittet um ein Glas Wasser. Es gibt wenige Senioren, die ihr das verwehren würden“, sagt auch Heinz Alexander, Senioren-Sicherheitsbeauftragter von Unterliederbach, ergänzt aber: „Etwas mehr Misstrauen wäre meist angebracht.“ Alexander kennt noch weitere Tricks von Ganoven, etwa dass vermeintlich die Staatsanwaltschaft oder die Polizei anruft und die Senioren auffordert, zur Abwendung einer Anklage Geld zu bezahlen. Mit moderner Technik schaffen es die Betrüger dabei sogar, dass auf dem Display tatsächliche Telefonnummern der Institutionen erscheinen.

Heinz Alexander warnt auch vor falschen Ablesern: „Die Gauner sehen die Zettel an den Türen und wissen, wann der Ableser erwartet wird. Dann sind sie einfach eine halbe Stunde vor ihm da, und keiner schöpft Verdacht.“ Er rät Älteren, Verwandte hinzuzuholen – oder auch ihn als Senioren-Sicherheitsbeauftragten um Hilfe zu bitten. Gibt sich jemand an der Tür als Polizist aus, solle man sich stets über 110 rückversichern: „Echte Polizisten verstehen das, und falsche verschwinden sofort.“

Zwar gebe es bereits viel Aufklärung für Senioren, etwa mit beim Bürgerinstitut abrufbaren Informationsveranstaltungen, Infoabenden der Polizei oder vom Präventionsrat organisierten Stadtrundfahrten mit anschließender Info-Veranstaltung der Polizei. „Aber es gibt viele Menschen, die wir damit nicht erreichen“, sagt Herwig. Die Senioren-Sicherheitsbeauftragten hingehen seien im Stadtteil bereits bekannt, hätten schon Kontakt zu Seniorentreffs und -pflegenheimen.

So wie Günther Kraus, dessen Geschäft samt Postagentur auch für Senioren eine wichtige Anlaufstelle ist. „Wenn jemand einen höheren Betrag abheben will, fragen wir auch mal nach. Um sicherzugehen, dass sie auf keinen Trick hereingefallen sind.“ Gelegentlich hole er auch Pakete bei Senioren zu Hause ab, halte so Kontakt zu Menschen, die man sonst nicht erreiche. „Nur wer die Tricks und Kniffe der Betrüger kennt, ist gut gewappnet und kann sich schützen“, betont Kraus. Deshalb gehört zu seinen Aufgaben auch, Präventionsveranstaltungen der Polizei, etwa in Seniorenclubs oder bei Vereinen, zu organisieren.

Neben dem Senioren-Schutzbeauftragten Günter Kraus hat Bergen-Enkheim ab dem 1. Oktober eine weitere Neuerung. Dann übernimmt Polizeihauptkommissar Jörg Köster seine Aufgabe als „Schutzmann vor Ort“. Auch er ist Ansprechpartner für die Bürger und Verbindungsperson für diese zur Polizei.

Der Senioren-Sicherheitsbeauftragte Günter Kraus ist entweder im Geschäft, Triebstraße 33, erreichbar, im Internet unter oder telefonisch unter (0 61 09) 3 28 52. Wer Kontakt zu einem der anderen Senioren-Sicherheitsbeauftragten aufnehmen möchte, wendet sich an den Präventionsrat unter Telefon (0 69) 21 24 03 53 oder unter im Internet.

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