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Hier am Praunheimer Wehr ist das Angelrevier von Wieland Grimm.

80 Zentimeter große Meerforelle

Sensationeller Fang in der Nidda

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Für Experten ist es eine Sensation: In der Nidda in Praunheim hat ein junger Angler eine Meerforelle aus dem Fluss gefischt. Sie gehört zu den Flussbewohnern, die vor sechs Jahren im Erlenbach ausgesetzt wurden – und jetzt zum Laichen an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren.

Es ist ein wahrlich dicker, schwimmender Brocken den Wieland Grimm am Praunheimer Wehr aus der Nidda gefischt hat. 80 Zentimeter misst die Meerforelle – und ist damit ein wahres Prachtexemplar. Und zusammen mit den immer wieder auftauchenden Laichgruben für Nidda-Experten ein eindeutiger Beweis. Dafür, dass die vor sechs Jahren begonnene Ansiedlung der Lachsfische, zu denen die Meerforelle gehört, erfolgreich war und die ersten Exemplare zurückgekehrt sind. Für Grimm war es bereits der zweite Fang in diesem Jahr. Im Januar fing der junge Mann eine Meerforelle im Main. Die Schwimmrichtung der Fische ist damit klar. Sie kommen aus dem Main und kämpfen sich in der Nidda stromaufwärts zu dem Ort, an dem sie ausgesetzt wurden und aufgewachsen sind. Um dort abzulaichen. Aus diesem Grund warf Grimm die Fische auch wieder zurück in den Fluss.

Für den Gewässerökologen Gottfried Lehr, der das Meerforellen-Projekt von Beginn an betreut und begleitet, ist der Fang des Fisches „eine echte Sensation“. Und zugleich eine Bestätigung, dass die Verantwortlichen des Projektes „alles richtig gemacht“ haben. Im Oktober 2009 setzten Angler der Interessengemeinschaft (IG) Nidda und der Notgemeinschaft Usa die ersten Meerforellen im Erlenbach und der Usa aus. Zwischen acht und zehn Zentimeter groß waren die Fische damals, über den Winter legten sie rund sieben Zentimeter zu und traten ihre Reise in Richtung Nordsee an. Immer mit der Strömung. Denn die Meerforelle ist ein Wanderfisch, nach den ersten zwei oder drei Lebensjahren beginnt sie ihre lange Reise, dabei legt sie bis zu 40 Kilometer am Tag zurück. Durch den Main schwimmt sie in den Rhein bis in die Nordsee.

„Das Projekt soll die Meerforellen und in diesem Zug auch andere Fische in der Nidda wieder heimisch werden lassen. Nach der Begradigung des Flusses schwammen darin lediglich acht verschiedene Arten. Mittlerweile sind es über 30“, definiert Lehr die Ziele. Erreicht werden könne dies nur mit der Durchlässigkeit vom Main bis in den Erlenbach und die Usa. Dieses Ziel kann in der Nidda aber nur in enger Zusammenarbeit mit der Stadtentwässerung Frankfurt erreicht werden – weil sechs Wehre den Fischen ihren Aufstieg erschweren. Das Wehr in Höchst wurde bereits umgebaut, für Sossenheim gibt es Planungen und in Rödelheim werden die Fische umgeleitet. Die Wehre in Eschersheim, Praunheim und Hausen werden seit drei Jahren zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst – abgesenkt, um den Fischen den Auf- und Abstieg zu ermöglichen.

Doch an diese Daten halten sich die Meerforellen und anderen Fische freilich nicht. So war der von Wieland Grimm gefangene Fisch etwas früh dran – vergeblich versuchte dieser weiter stromaufwärts zu schwimmen. Am nicht abgesenkten Praunheimer Wehr. Bei diesem Versuch wurde er von Grimm gleich zweimal gefangen, in einem Abstand von fünf Tagen. Erkannt hatte der Angler, dass es sich um ein und dieselbe Meerforelle handelt an der Markierung an der Fettflosse. So werden alle im Rahmen des Projektes ausgesetzten Forellen gekennzeichnet. Als er den Fisch zum zweiten Mal am Haken hatte, trug er ihn am Wehr vorbei und setzte ihn wieder in die Nidda. So konnte die Meerforelle ungehindert ihren Weg stromaufwärts fortsetzen.

Rund 100 000 Euro wurden bereits in die Wiederansiedlung der Meerforellen in der Nidda investiert – dabei handelt es sich um ein echtes Gemeinschaftsprojekt verschiedener Vereine, Firmen und Behörden. Bad Vilbel und Frankfurt bezahlten die Gutachten, der Wetteraukreis, die Firma Hassia und die Gerty-Strohm-Stiftung finanzierten die Fische. Allein die kosteten mehr als 20 000 Euro. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Bürogemeinschaft für fisch- und gewässerökologische Studien. Die Kosten trägt die Obere Naturschutzbehörde. „Diese Zusammenarbeit zeigt doch, dass die Nidda und ihre Nebenflüsse allen am Herzen liegen und immer mehr in den Fokus rücken“, freut sich Lehr über diese Entwicklung. Als er das Bild der gefangenen Meerforelle bei Facebook postete, zählte er am nächsten Morgen über 13 000 Klicks.

Für Marco Weller, Vorsitzender der IG Nidda und selber Angler, zählt, dass seine Kollegen „vom Fischfreund zum Gewässerschützer werden“. Immer häufiger gebe es solche Angler wie Wieland Grimm, die den Fisch wieder in den Fluss werfen, zudem engagierten sich immer mehr Anglervereine, wenn es um den Schutz und die Natürlichkeit der Nidda gehe. „Früher ist man ins Exotarium des Zoos gegangen, um Fische zu sehen, jetzt hat man das Exotarium quasi vor der eigenen Haustür“, sagt er.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter .

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