Nordend

Das setzt dem Nordend-König die Krone auf

Kaum jemand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auf so vielfältige Weise für das Nordend engagiert wie Jörg Harraschain (72). Für seinen Einsatz erhält der ehemalige Ortsvorsteher des Stadtteils nun die Bürgermedaille.

Von Ben Kilb

Das Nordend wäre nicht das Nordend ohne Jörg Harraschain: nicht so bunt, nicht so kulturell und vielleicht auch nicht so friedlich. Jörg Harraschain war immer zur Stelle, wenn sich etwas ändern musste im Stadtteil. Der ehemalige Vorsteher vom Ortsbeirat 3 hat Stadtteilfeste ins Leben gerufen und organisiert, Straßen begrünt, Künstler vernetzt und als Konfliktvermittler gewirkt.

Für seinen unermüdlichen Einsatz im Stadtteil erhält Harraschain heute Abend im Römer die Frankfurter Bürgermedaille. Seit dem Jahr 2001 wird der Ehrenpreis jährlich an bis zu fünf Bürger vergeben, die sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl in Frankfurt verdient gemacht haben.

In Jörg Harraschains Fall ist das Attribut „herausragend“ fast untertrieben. Er hat im Jahr 1983 das Rotlintstraßenfest gegründet und 20 Jahre lang mitorganisiert. Auch das Nachbarschaftsfest in der Schwarzburgstraße war eine Idee Harraschains. Dem Hansdampf des Stadtteils ging es jedoch nicht nur darum, die Menschen im Nordend zusammenzubringen.

Harraschain ist es auch zu verdanken, dass im hochverdichteten und vielbefahrenen Nordend immer wieder kleine grüne Oasen entstehen: Er hat dafür gesorgt, dass am Friedberger Platz 30 Bäume gepflanzt wurden, einen hat er selbst gespendet. Am Matthias-Beltz-Platz, dem ehemaligen Kleinen Friedberger Platz, ließ er im vergangenen Jahr mit Mitstreitern sechs Hochbeete anlegen.

Mit seiner im Jahr 2004 gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Kunst im Nordend“ ließ Harraschain im Jahr 2007 die Aktion „Blumen statt Steine“ steigen. 100 Sonnenblumen wurden dabei auf der Friedberger Landstraße gepflanzt. Drei Jahre später war Harraschain mitverantwortlich dafür, dass die Stadt am Kleinen Friedberger Platz Bitumen und Steinplatten entfernte und stattdessen Mutterboden verteilt, auf dem 1000 Stiefmütterchen gepflanzt wurden. Auch an Kunst und Kultur ist Harraschain gelegen. Er veranstaltete im Günthersburgpark, im Oeder Weg und am Merianplatz Freilichtausstellungen, die aktuelle und historische Aufnahmen des Nordends zeigen. Gemeinsam mit Holger Ehling hat Harraschain zudem ein Buch über den Stadtteil geschrieben.

Nicht zuletzt wird der von vielen als „König des Nordends“ bezeichnete Mann für sein jahrelanges, politisches Wirken im Stadtteil geehrt. Harraschain saß mit Unterbrechungen 20 Jahre lang für die Grünen im Ortsbeirat 3, sechs davon als Ortsvorsteher. Von 1989 bis 1993 hatte er das Amt des Stadtbezirksvorstehers inne, vor vier Jahren hat er es erneut übernommen.

Als Stadtteil-Konfliktvermittler, der Harraschain seit 2008 ist, setzte er sich zudem für das friedliche Miteinander im Nordend ein. Dass ihm auch das Wohl der Menschen an anderen Orten am Herzen liegt, zeigte der ehemalige Politiker und Lehrer, als er Spenden für Tsunami und Hurricane-Opfer, für Flüchtlinge und für Ärzte ohne Grenzen sammelte.

Bei allem Einsatz Harraschains wird oft vergessen, dass der Mann mit dem unermüdlichen Bürgersinn gar kein Kind der hessischen Weltstadt ist. Er stammt zwar aus Frankfurt, allerdings von jenem an der Oder. Harraschain glaubt, er wäre ein anderer Mensch, wäre er am Main geboren worden.

„Woher mein Antrieb kommt, kann ich selbst nur vermuten. Da ich aus der DDR stamme, dann im Vogelsberg lebte und irgendwann dann in Frankfurt am Main, hatte ich zeitlebens mit verschiedenen Milieus zu tun. Mein Interesse für Mitmenschen und Geschichte rührt wohl daher“, schätzt der designierte Träger der Frankfurter Bürgermedaille.

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