Krimiautor und Feuerwehrmann Meddi Müller vor dem brachliegenden Fachwerkhaus, das ihn zu seinem zehnten Fall inspirierte. foto: rüffer
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Krimiautor und Feuerwehrmann Meddi Müller vor dem brachliegenden Fachwerkhaus, das ihn zu seinem zehnten Fall inspirierte.

Frankfurt Krimi aus Nieder-Erlenbach

Sex and Drugs und altes Fachwerk

  • vonSabine Schramek
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Krimi-Autor schickt Mörder und Ermittler in seine direkte Nachbarschaft

Dunkles Ledercappy, dunkles T-Shirt und Hose, darüber eine olivfarbene Jacke und ein ernster Blick. "Ich lache nicht, ich schmunzle eher", sagt Matthias Müller (51), den alle nur Meddi nennen. Turmfalken flattern aufgeregt zwischen Fensternischen der evangelischen Kirche und den mit wildem Wein bewachsenen Dächern hin und her. Durch die Gitter eines Metall-Zauns wuchern Zweige, dahinter versteckt sich ein blasses Fachwerkhaus, der Putz bröckelt. Eine reale Kulisse, die sich in Müllers zehntem Krimi widerspiegelt. "Das Haus steht leer, dann gibt's auch keinen Ärger mit den Nachbarn", sagt er und grinst.

Dieser Fall ist verworren

"Fahrgemeinschaft" heißt das Buch, das gerade im Verlag "edition krimi" erschienen ist. Zum zweiten Mal ermitteln die Kommissare Shaft und Grotte in einem verworrenen Mordfall. Eine vermeintlich Obdachlose wird am Mainufer erschlagen aufgefunden. "Das hat nichts mit dem legendären Hammermörder zu tun", so Müller. Der Serienmörder Arthur Gatter hatte zwischen Februar und Mai 1990 acht Obdachlose mit einem Schlosserhammer in ganz Frankfurt erschlagen. Er hielt die Stadt und die Polizei in Atem, bis er schließlich festgenommen wurde. Der Täter erhängte sich sieben Monate später in der Gerichtspsychiatrie Gießen mit einer Mullbinde.

Die Frau, die in "Fahrgemeinschaften" im Nizza erschlagen aufgefunden wird, lebte auf dem Hof in Nieder-Erlenbach und war Tochter eines sehr reichen Bauunternehmers im Taunus.

In Müllers Krimi geht es um Geld, Drogen, organisierte Kriminalität, Erben, Krankheit, Korruption, Sex und falsche Fährten. Es stellt sich im Laufe der polizeilichen Ermittlungen heraus, dass viele als Täter in Frage kommen. Nicht nur der Bruder der Toten. Vermeintliches Idyll, die hinter seiner Fassade Ungeheuerliches verbirgt.

Ob der Frankfurt-Krimi in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft spielt, ist offen. Auch, wenn er in Vergangenheitsform erzählt wird. Er ist der Wunsch nach Unbefangenheit vor Hautfarbe und sexueller Orientierung bei der Polizei ebenso, wie das Aufzeigen des versteckten weichen Herzens des Bauunternehmers. Finanzielle Verzweiflung, die in physische Abhängigkeit von Schwerstkriminellen führt, findet spannend und unterhaltsam zugleich in friedvolles Leben einer Kommune, die jede Menge Dreck am Stecken hat.

Der schreibende Feuerwehrmann

Eigentlich ist Müller bei der Berufsfeuerwehr. Seit 26 Jahren. Auch daher kommt sein Blick hinter die Kulissen. "Die Guten gewinnen nicht immer", weiß er auch aus dem realen Leben.

Seit 2006 lebt er in Nieder-Erlenbach, ist in Berkersheim aufgewachsen und arbeitet in Bergen-Enkheim.

"Ich schreibe gern über Orte, die ich kenne", sagt Müller, der 2008 seinen ersten historischen Frankfurt Krimi veröffentlicht hat. "Es macht mir Spaß, zu schreiben. Irgendwann bin ich bei den Krimis vom Historischen in die heutige Zeit gekommen." Er hatte mit einem Partner den "Charles Verlag" gegründet, den sie vor zwei Jahren verkauft haben. Eigene Podcasts, Kurzgeschichten und Krimis sind seither seine Hobbys. Seine Stimme ist leise und ruhig. Wer ihn sieht, vermutet zunächst keine Frotzeleien oder derbe Sprüche. "Doch, die gibt es", meint er schmunzelnd. "Das gehört einfach dazu." Damit meint er die Arbeit bei der Feuerwehr und bei der Polizei. "Wer viel Schlimmes sieht und erlebt, hat auch starke Sprüche drauf. Als Art Selbst- und Seelenschutz. Das geht Chirurgen genauso." In "Fahrgemeinschaften" wird nicht an persönlichen Befindlichkeiten und Spott gespart. Ebenso wenig wie an plausiblen Zusammenhängen zwischen Dorfleben und Stadttempo. Die Turmfalken drehen auf der Suche nach Mäusen weiter ihre Runden über dem Fachwerkhof, in dem im Buch die ermordete Frau gelebt hatte. Ein Blick in den finsteren Keller lässt nichts Gutes ahnen. SABINE SCHRAMEK

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