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„Frankfurter Bank“ (v. r.): Uwe Becker, Jan Schneider, Daniela Birkenfeld, Petra Roth, Bettina Wiesmann, Sara Steinhardt, Boris Rhein.

CDU-Vorsitz

So haben die Frankfurter Delegierten die Wahl der neuen Parteichefin erlebt

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    Thomas J. Schmidt
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1001 Delegierte haben gestern in Hamburg über die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Parteivorsitzende entschieden. Mit dabei: zehn Delegierte aus Frankfurt.

Eins dürfte sicher sein: Der ein oder andere Frankfurter Delegierte hätte lieber Friedrich Merz als neuen Parteivorsitzenden der CDU gesehen. Der passt ja auch irgendwie besser zum Finanzplatz Frankfurt. Und doch: Am Freitag, punkt 17 Uhr, überwiegt in Hamburg die Freude. „Dieser Prozess zeugt von einer starken innerparteilichen Demokratie“, lobt Jan Schneider, Vorsitzender des Kreisverbands der CDU, das Verfahren. „Es gab eine faire Debatte, und auch, wenn die Stimmung zeitweise etwas mehr für Merz war: Wir haben jetzt eine gute Vorsitzende“, betont Schneider. Einer der ersten Auftritte der damals frisch gewählten Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sei in Frankfurt beim Oberbürgermeisterwahlkampf gewesen, erinnert Schneider.

„Großartige Rede“

Zufrieden mit dem Ergebnis zeigt sich auch Bürgermeister Uwe Becker: „Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine großartige Rede gehalten und die Partei mitgenommen“, berichtet er. Er habe keine Zweifel, dass es der neuen Parteivorsitzenden gelingen werde, das Profil der CDU zu schärfen und gleichzeitig die unterschiedlichen Flügel zu integrieren. Becker lobte wie Schneider das Verfahren, „das die CDU gewählt hat, um zu dieser Entscheidung zu kommen“. Jens Spahn und Friedrich Merz hätten sich zudem als faire Verlierer präsentiert, die sich weiterhin für die CDU einsetzen wollen.

Spannende Wahl

Der eine mehr, der andere weniger, wie Sara Steinhardt vom Ortsbeirat 1 (Innenstadt) kritisiert. „Ich bin etwas enttäuscht von Friedrich Merz, weil er sich nicht dazu hinreißen ließ, konkrete Zusagen für eine weitere Parteiarbeit zu machen. Wäre schade, wenn er jetzt wieder weg wäre.“ Spannend sei die Wahl gewesen, schildert Steinhardt, auch weil Jens Spahn im ersten Wahlgang mehr Stimmen erhalten hatte, als erwartet. „Wir haben uns alle gefragt, für wen die Spahn-Wähler wohl abstimmen werden“, schildert sie.

Wer ihre Stimme erhalten hat, will Steinhardt nicht verraten, es sei schon heiß her gegangen kurz vor dem Parteitag. „Wir Delegierten sind in den letzten Tagen und zum Teil auch heute noch von Mitgliedern angerufen worden, die wissen wollten, wie wir abstimmen, und uns beeinflussen wollten. Ich habe ein breites Meinungsbild gesehen.“

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Doch die zehn Frankfurter Delegierten wissen nicht voneinander, wie sie abgestimmt haben. Ob bei ihnen gleichfalls „AKK“ oder vielleicht Merz Parteivorsitzender geworden wäre? „Ich habe keine Vorgaben gemacht, wie abzustimmen sein soll“, sagt Kreisvorsitzender Schneider. „Und ich habe auch nicht nachgefragt, wen die einzelnen Delegierten wählen.“

Insgesamt haben 1001 Delegierte gestern über die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitzende der CDU entschieden, möglicherweise auch schon über die nächste Kanzlerkandidatin. Zehn der Delegierten kamen aus Frankfurt: Jan Schneider, Uwe Becker, Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann, Wissenschaftsminister Boris Rhein, Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth und Landtagsabgeordneter Michael Boddenberg, außerdem Bundestagsabgeordneter Matthias Zimmer, Ex-Bundesminister Heinz Riesenhuber, Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld und Sara Steinhardt.

Tränenreicher Abschied

Doch nicht nur die Wahl der neuen, auch der Abschied der alten Parteichefin bewegte die Frankfurter Christdemokraten: „Es war schon sehr ergreifend“, sagt Ann-Kristin Müller, Kreisgeschäftsführerin der Frankfurter CDU. Obgleich selbst nicht stimmberechtigt, hatte Müller die Frankfurter Delegierten nach Hamburg begleitet, sah die Tränen, die Angela Merkel bei ihrer Abschiedsrede in die Augen traten. „Wir haben lange applaudiert“, erzählt sie. Es sei eine tolle und ergreifende Stimmung gewesen.

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