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Motivationscoach Klaudia Spandl-Töpfer hat sich für 2019 auch ein Ziel gesetzt: Sie will mehr lachen.

Interview mit Klaudia Spandl-Töpfer

Motivations-Coach über die Bedeutung von Silvester

Silvester hat für viele Menschen durchaus eine Bedeutung. Die meisten „rutschen“ nach Bleigießen und Raketengeböller mit sogenannten guten Vorsätzen ins neue Jahr hinein. Warum sie das tun und ob diese für ihre Vorhaben nützlich sind – darüber sprach Redakteurin Ute Vetter mit Motivations-Coach Klaudia Spandl-Töpfer.

Frau Spandl-Töpfer, warum nehmen sich die Menschen an Silvester gute Vorsätze vor? Was ist überhaupt ein guter Vorsatz?

KLAUDIA SPANDL-TÖPFER: Mit dem Jahresritual Silvester sind symbolisch Ende und Anfang eines Lebensabschnitts verknüpft. Ein guter Umgang mit einem Ende generell ist der Rückblick, also die Wertschätzung für das, was gut war und das Erkennen von Verbesserungen. Daraus ergeben sich Vorsätze.

Etwa der, mit dem Rauchen aufzuhören?

Ja. Aber selbst wenn man ahnt, dass man mit dem Rauchen nicht wirklich aufhören will, nimmt man es sich vor, weil das Aussprechen eines Vorsatzes Freude auslöst und mit Glückserwartung verbunden ist. Menschen lächeln meist, wenn sie von ihren Vorsätzen erzählen, selbst wenn Skepsis besteht. Und da sind alle Menschen ähnlich!

Was steckt als Motiv hinter einem guten Vorsatz?SPANDL-TÖPFER: Dass man mit etwas unzufrieden ist. Oft will man dem Umfeld auch zeigen, dass man bemüht ist, etwas zu ändern, sagt also: Ich nehme es mir vor!

Was ist, wenn man scheitert?

SPANDL-TÖPFER: Auch wenn viele Vorsätze scheitern, so stärken Vorhaben per se erst einmal das Selbstwertgefühl. Es ist mit Energie und Glücksgefühl verbunden, dass man sein Leben selbst bestimmen will und dies mit dem Vorsatz jetzt angeht.

Was sind die verbreitetsten Wünsche? Immer dasselbe: Nicht mehr Rauchen, Abnehmen, mehr Sport treiben? Ein besserer Mensch werden?

SPANDL-TÖPFER: Ich erlebe zunehmend, dass Gesundheit immer zentraler wird. Ich habe ja beruflich mit Menschen zu tun, die nicht mehr alles hinnehmen wollen, sondern etwas anpacken wollen, nämlich die eigene Gesundheit. Und damit meine ich physische und psychische Gesundheit.

Was sind neuere Vorsätze und Wünsche?

SPANDL-TÖPFER: Zunehmend die Gesundheitsvorsorge. Und die finanzielle Vorsorge fürs Alter. Die Rente soll reichen, damit man den verdienten Ruhestand fit und ohne Geldsorgen genießen kann. Und ein wieder sehr wichtig gewordenes Anliegen ist Familie. Immer mehr Menschen ist nicht mehr die Karriere alleine, sondern eine gute Balance zwischen Privatleben und Job bedeutend. Dazu gehört auch, mehr Zeit ohne Handy oder Computer zu verbringen. Das sind ebenfalls eher neuartige Vorsätze.

Zeugen gute Vorsätze von Selbstvorwürfen? Oder gehört das einfach zusammen?

SPANDL-TÖPFER: Wer sich selbstkritisch reflektieren kann, ist offen für Veränderung. Viele Menschen sind das jedoch nicht, sondern streng mit sich selbst, verharren in Selbstvorwürfen und tun sich damit selbst nichts Gutes.

Was kann man dagegen tun?

SPANDL-TÖPFER: Sich wertschätzen, auf sich stolz sein, vor allem auch auf kleinere Erfolge! Und sich nicht scheuen, auch mal sich selbst zu loben. Vielen fällt Eigenlob schwer, sie haben Angst, als arrogant oder selbstgefällig gesehen zu werden. Aber genau das ist der erste Schritt. Wer das übt, addiert positive Erfolge, hat mehr Mut und Zuversicht, um überzeugter einen Veränderungswunsch anzupacken.

Frauen gelten generell als empathischer als Männer – sind sie auch selbstkritischer als Männer?

SPANDL-TÖPFER: Ich denke schon, dass Frauen kritischer und wertender mit sich sind. Aber Männer haben auch Selbstzweifel. Ich habe viel mit Männern gearbeitet und meine Erfahrung ist, dass sie sich nicht so lange selbst quälen wie Frauen. Sie gehen pragmatischer mit dem Scheitern um, erleben die Gefühle des Scheiterns aber sehr wohl auch. Bei Gefühlen sind alle Menschen gleich!

Ist es sehr schwer, eingefahrene Verhaltensweisen zu ändern?

SPANDL-TÖPFER: Für sehr Gewohnheitsbedürftige ist Veränderung purer Stress. Mit fest eingefahrenen Verhaltensweisen haben wir aber auch Sekundärgewinne, etwa Vertrautheit, Sicherheit, Wohlgefühl. Dies muss man beachten bei Veränderungsvorhaben.

Bedeutet Veränderung auch Stress?

SPANDL-TÖPFER: Veränderung bereitet dem Körper Stress. Man braucht dann nämlich eine andere Lösung für gewohnte Situationen. Nehmen wir das Rauchen. Mit der Entscheidung, rauchfrei zu leben, muss ich Alternativen finden. Was mache ich in einer Situation, in der ich früher immer geraucht habe, wenn ich rauchfrei bin? Wichtig ist aber auch: Stress ist nicht immer schlecht, sondern führt bei Erfolgen auch zu Glücksgefühl.

Also geht es auch um Funktionen?

SPANDL-TÖPFER: Ja, Verhaltensweisen haben eine Funktion. Es geht immer um Gefühle: Welche will ich vermeiden, welche will ich mir erzeugen.

Warum scheitern viele bei der Umsetzung des guten Vorsatzes?

SPANDL-TÖPFER: Weil die Vorstellung des Neuen unsicher oder unbequem ist. Ich muss raus aus meiner Wohlfühlzone. Und dafür brauche ich wirklich eine ganz feste Entschlossenheit. Wenn die da ist, gehe ich es an!

Nehmen sich manche Menschen generell zu viel vor?

SPANDL-TÖPFER: Vielleicht ja. Oft ist es aber auch so, dass wir uns etwas vornehmen, was mit anderen verbunden ist, und dann kann ich nur scheitern. Wer etwa seine Partnerschaft besser leben will, der kann das eben nur zu 50 Prozent gestalten. Besser wäre das Vorhaben „ich will eine gute Beziehung führen“. Leider wäre die Realität dann, dass der oder die Andere nicht mitmacht.

Gibt es Methoden, sich den Impuls abzugewöhnen, dauernd zur Zigarette oder in die Chipstüte zu greifen?

SPANDL-TÖPFER: Ja, sich damit beschäftigen, was man stattdessen machen oder haben will. Sich mit der Zukunftsvision beschäftigen statt mit dem Loslassen. Die neue Vorstellung mit Gegenständen verknüpfen wie etwa Postkarten oder Steinen und diese im Alltag so zu platzieren, dass sie lange Zeit auch unbewusst wirken.

Was hilft noch?

SPANDL-TÖPFER: Andere einbeziehen, also Partner oder Freunde. Gegenseitige Motivation und Unterstützung führt garantiert eher zum Erfolg. Und kleinere Ziele anstreben: zwei Zigaretten weniger pro Tag, zwei Kilogramm weniger Gewicht. Das kann Erfolgserlebnisse schaffen. Das motiviert, es zu tun und es schaffen zu wollen!

Wie schlimm ist es, zu scheitern?

SPANDL-TÖPFER: Scheitern gehört zu Vorsätzen dazu. Wenn ich mir jedes Jahr das Gleiche vornehme und viele Male scheitere, dann ist das Gute daran, dass ich mich mit einem Vorhaben beschäftige und diesem – wenn auch in kleinen Schritten – näher komme. Und eines Tages mache ich es!

Was ist eine innere Haltung?

SPANDL-TÖPFER: Hier ist die Unterscheidung zwischen Verhalten und Haltung wichtig. Verhalten ist exakt und nachprüfbar, etwa „Ich will jeden Montag ins Fitnessstudio gehen“. Eine innere Haltung ist eine klare Entscheidung für das Gesamtziel, etwa „Ich halte meinen Körper fit“. Letzteres Vorhaben führt eher zum Ziel.

Aber die Außenwirkung ist doch vielen Menschen extrem wichtig. Warum ist das so?

SPANDL-TÖPFER: Menschen brauchen Menschen und von diesen auch Zuspruch, Wertschätzung oder Anerkennung, damit sie sich bestätigt fühlen oder einen Sinn erleben, in dem was sie tun. Andere sind unsicher und brauchen von außen eine Rückmeldung, suchen durch Anerkennung ihren Wert, werden von der Außensicht abhängig.

Können Menschen lernen, sich selbst zu lieben, ohne egomanisch zu sein?

SPANDL-TÖPFER: Aber natürlich! Sich selbst lieben ist das Wichtigste im Leben. Wenn ich mich selbst nicht liebe, brauche ich ständig die Bestätigung von Anderen. Dann bin ich abhängig, ob andere mich lieben und mögen. Andersrum macht es freier und glücklicher: ich liebe mich und andere dürfen mich auch lieben/mögen. Aber mein Wohlbefinden ist dann von Anderen nicht abhängig.

Was raten Sie konkret jenen, die Ihren Vorsatz – etwa 5 Kilo abnehmen – erreichen wollen und es seit Jahren nicht schaffen? Brauchen die einen Coach?

SPANDL-TÖPFER: Mit einer professionellen Unterstützung könnte es leichter gelingen. Aber man kann dies auch gut alleine erreichen. Ich empfehle, so zu tun, als hätte man sein Ziel bereits erreicht und darüber zu sprechen – ruhig auch in Selbstgesprächen. Hilfreich ist, sich nicht mit den Kilos, dem Essen und der Waage zu beschäftigen, sondern mit dem, wo ich hin will.

Gibt es Übungen?

SPANDL-TÖPFER: Wenn ich das klar habe, kann ich einen Motivationssatz entwickeln, der Laune macht. Man sollte Worte vermeiden, die keine Lust machen, wie „ich will abnehmen“. Sprechen sie das mal laut aus und beachten dabei Ihren Gesichtsausdruck! Viel besser ist ein Satz vom Ziel, positiv formuliert. Etwa „Ich, mit cooler Ausstrahlung!“ oder „Ich kümmere mich gut um mich!“. Das sind gute Haltungszielsätze.

Haben Sie einen guten Vorsatz für sich selbst fürs neue Jahr?

SPANDL-TÖPFER: Ja. Mindestens einmal täglich zu lachen! Fröhlichkeit schafft Leichtigkeit und diese wiederum mehr Gelassenheit.

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