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Nils Brunschede (links) und Jannis Plastargias vor dem ?Elfer Club?, wo ihr ?Salon Fluchtentier? heute eine Lesung gibt.

„Salon Fluchtentier“

Die, die sich in Lyrik flüchten

Zum Thema „Übersetzung“ veranstaltet die Frankfurter Dichtergruppe „Salon Fluchtentier“ heute Abend eine Lesung unter dem Motto „Undercover spezial“ im Sachsenhäuser „Elfer Club“. Vier Dichter werden neben eigenen Texten auch fremde vorlesen, die sie aus anderen Sprachen übersetzt haben.

Wie gut kann man Gedichte übersetzen? Dieser Frage stellen sich die Übersetzer Dagmara Kraus, Max Czollek, Daniel Jurjew und Caroline Danneil heute Abend bei der Lyrik-Veranstaltung „Salon Fluchtentier – Undercover spezial: Übersetzung“ in Sachsenhausen. „Wir haben diesmal vier Übersetzer eingeladen, die uns fremde Gedichte aus einer anderen Sprache vorstellen werden“, erzählt Jannis Plastargias, Mitglied des „Salons Fluchtentier“.

Die Autoren der Ursprungsgedichte bleiben dabei zunächst unbekannt und werden also „Undercover“ vorgetragen. „So werden die Zuhörer nicht beeinflusst, falls es ein bekannter Autor ist, bei dem sie erwarten, dass der Text jetzt gut sein muss“, erklärt Jannis Plastargias. Bei den Undercover-Veranstaltungen des „Salons Fluchtentier“ gehe es nämlich nur um den Text – und das mittlerweile seit knapp fünf Jahren.

„Wir haben damals einfach festgestellt, dass es in Frankfurt keine jüngere Gruppe an Dichtern gibt“, erzählt Plastargias. Gemeinsam mit ein paar anderen Schriftstellern gründete er zunächst die Gruppe der „Dichtungsfans“, ein loses Kollektiv an Frankfurter Dichtern. „Im Vergleich zu Berlin oder Leipzig ist unsere Lyrik-Szene nicht so groß, deshalb wollten wir einen Gegenpol im Südwesten bilden“, sagt er.

„Vor zwei Jahren kamen dann neue Leute dazu, auch aus anderen Städten, also änderten wir das Konstrukt zu einem festen Teil an mitwirkenden Dichtern und nannten uns um in den ,Salon Fluchtentier‘“, erzählt Plastargias. Mittlerweile treffen sich bis zu 15 Mitglieder regelmäßig und besprechen Texte oder planen neue Veranstaltungen. Beim Vorlesen und Moderieren wechseln sie sich ab. „Außerdem laden wir gerne Gäste ein, die wir gerne dabeihätten oder gerade in den Medien besprochen werden“, erzählt Plastargias.

Etwa sieben Lesungen im Jahr veranstaltet der Salon in ganz Frankfurt – davon die meisten im „Undercover“-Format. Ursprünglich waren diese Lesungen noch wie ein Wettkampf mit zwei Runden aufgebaut, bei dem das Publikum über die Gedichte abstimmte. Die Dichter konnten sich währenddessen noch rechtfertigen, wieso sie dieses Gedicht ausgesucht haben. Nach einem Finale der zwei besten wurde dann der Sieger gekrönt.

„Jetzt haben wir das System etwas geändert“, sagt Plastargias. Zuerst sollen sich die Experten vorstellen und ein eigenes Gedicht vortragen. „In der zweiten Runde lesen sie dann einen fremden Text vor, den sie für das heutige Thema zum Beispiel auch übersetzt haben“, erklärt er. Anschließend folgt eine Publikums-Diskussion und zum Schluss werde ein „Gedicht des Abends“ gekürt.

Obwohl der „Elfer Club“ in Alt-Sachsenhausen sonst eher für Konzerte genutzt wird, haben die „Fluchtentiere“ ihn sofort als Leseort auserkoren. „Wir gehen bewusst in Kneipen und Clubs, um auch zu den Leuten zu kommen, die sonst nicht viel mit Lyrik zu tun haben“, erklärt Plastargias. „Heute erwarten wir etwa 25 bis 30 Gäste, aber in den Elfer Club würden bestimmt auch 60 Leute hineinpassen“, betont der Mitbegründer der „Fluchtentiere“. Die Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus ist heute zum ersten Mal als Expertin dabei und beweist, dass man Gedichte übersetzen kann. „Ich übersetze überwiegend aus dem Polnischen“, erzählt die 36-Jährige. Der Schwierigkeitsgrad hänge dabei ganz vom Gedicht ab. Bekannt wurde die Lyrikerin mit polnischen Wurzeln im Jahr 2012, als ihr Debütband „Kummerang“ erschien.

Doch wie kam die Gruppe überhaupt auf diesen speziellen Namen? „Das ist die schwierigste aller Fragen – und die wird niemand beantworten können“, sagt Plastargias lachend. Der Salon verstehe sich aber als „Gemeinschaft derer, die sich nicht sammeln lassen und sucht Möglichkeiten der Erscheinungsform Wort, bleibt dabei beweglich und vielfältig“, heißt es auf der Facebook-Seite – vielleicht ja wie wilde Tiere, die sich in die Lyrik flüchten.

Das „Undercover spezial: Übersetzung“ beginnt heute Abend um 20 Uhr im „Elfer Club“, Klappergasse 5-7. Der Einlass beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

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