Haben ihren Sport gefunden: Annika Mörsdorf und Sebastian Höhne vom OCR Frankfurt. Vor zwei Jahren gewannen sie in Tirol das Spartan-Race, einen zweitägigen Wettkampf mit extremen Herausforderungen. FOTO: hamersk
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Haben ihren Sport gefunden: Annika Mörsdorf und Sebastian Höhne vom OCR Frankfurt. Vor zwei Jahren waren sie in Tirol beim Spartan-Race, einem zweitägigen Wettkampf mit extremen Herausforderungen dabei.

Frankfurter Sportszene

Sich schinden, Hindernisse überwinden

  • VonBrigitte Degelmann
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Extremsportart zieht Läufer in ihren Bann - Training im Rebstockpark

Wenn Sebastian Höhne erzählt, dass er für einen Marathon schon mal sieben Stunden und 15 Minuten braucht, runzelt sein Gegenüber manchmal überrascht und auch ein wenig abschätzig die Stirn. Was er denn so lange auf der Strecke treibe, wird er dann gern gefragt. Manch ambitionierter Hobbyläufer schafft die 42,195 Kilometer nämlich in vier Stunden oder weniger.

Durch Schlamm und Wassergräben

Doch die Rennen, die Höhne bestreitet, sind mit normalen Läufen nicht zu vergleichen. Statt in möglichst gleichmäßigem Tempo dahinzutraben, hat der 39-Jährige auf seinen Strecken ganz andere Herausforderungen zu bewältigen. Mal gilt es, 2,50 Meter hohe Holzwände möglichst schnell und geschickt zu überwinden, mal 20 oder 30 Meter durch Schlamm und Wassergräben zu robben oder 30 Kilogramm schwere Sandsäcke ein Stück weit zu schleppen. Denn Höhne betreibt Obstacle Course Racing (OCR), also Extremhindernislauf über verschiedene Distanzen. Und zwar nicht allein, sondern im Verein OCR Frankfurt, der vor viereinhalb Jahren gegründet worden ist und dem mittlerweile rund 100 Erwachsene sowie 30 Kinder ab sechs Jahren angehören.

Dreimal pro Woche wird hier trainiert: einmal bei Trail-Läufen im Taunus, für die Ausdauer, und zweimal auf dem Sportgelände am Rebstockpark, wo der Verein auf einer Wiese gut ein Dutzend selbstgebauter Hindernisse aufgestellt hat. Zum Beispiel eine Holzkonstruktion mit dem bezeichnenden Namen Under-Over-Over, bei der mancher an einen Barren denken könnte. Nur dass es hier drei Holme statt zweien gibt: einer etwa in Kniehöhe, unter dem die Sportler hindurchkrabbeln, während die beiden anderen, die vielleicht 1,50 Meter hoch sind, überquert werden müssen.

Anspruchsvoller ist der "Olympus": Zwei versetzt stehende, etwa 2,50 Meter hohe Holzgestelle mit glatten, schwarzen Platten darauf, die ein wenig an steile Spitzdächer erinnern. Im oberen Viertel sind Ketten und Griffe angebracht. Was hier zu tun ist, demonstriert die Zweite Vorsitzende Annika Mörsdorf (40) mit verblüffender Schnelligkeit: Sie springt auf die erste Wand und hangelt sich geschickt an den Ketten entlang, ohne auch nur einmal den Boden zu berühren. Auch die Eskaladierwand, eine 2,30 Meter hohe, senkrecht stehende Holzwand, schockt sie nicht. Ein kurzer Anlauf, ein geschmeidiger Sprung - und schon hat Annika Mörsdorf die Hand auf der Oberkante, zieht rasch ein Bein hinterher und rollt sich mit beneidenswerter Leichtigkeit über das Hindernis.

Vielseitigkeit und Abwechslung

Seit fünf Jahren macht sie Extremhindernislauf. Irgendwann, erzählt sie, habe sie jemanden mit einem OCR-T-Shirt gesehen und sei neugierig geworden, was sich hinter diesem Kürzel verbirgt. Schnell bestritt sie ihren ersten Wettkampf - und wusste spätestens im Ziel: "Jetzt habe ich meinen Sport gefunden." Die Vielseitigkeit, die Abwechslung, all das reizt sie und die anderen Mitglieder. Und die Herausforderung, die jedes Hindernis birgt. Anfangs, sagt Sebastian Höhne, sei er beispielsweise regelmäßig am Seilklettern gescheitert. Doch er gab nicht auf, ließ sich von anderen die Technik zeigen, übte unverdrossen weiter.

Bis er das widerspenstige Seil tatsächlich bezwang und triumphierend die oben hängende Glocke anschlagen konnte. Ein Moment, der sich in sein Gedächtnis eingebrannt hat: "Das gibt einem so einen Kick."

Nicht zu vergessen die mentalen Barrieren, die die OCR-Läufer durchbrechen. Beim "Strong Viking" in Wächtersbach gebe es beispielsweise eine etwa zwölf Meter hohe Rutsche, die fast senkrecht aufragt, erzählt Höhne. Sich dort hinabzustürzen, dann fünf Meter durch die Luft katapultiert zu werden, bevor man schließlich in einem Wasserbecken landet, das kostet Überwindung. Ganz wichtig dabei: der Zusammenhalt der Vereinsmitglieder. Man feuert sich gegenseitig an, hilft sich schon mal an einer besonders schwierigen Hürde. Und kämpft sich gemeinsam über die Strecken, auch bei widrigsten Bedingungen.

Wie vor zwei Jahren in Tirol, als Annika Mörsdorf und Sebastian Höhne zusammen den "Spartan-Race" bewältigten: 2200 Höhenmeter in zwei Tagen, mit Dutzenden von schweren Hindernissen, bei Dauerregen, Wind und Kälte. Doch dann dieses unbeschreibliche Gefühl im Ziel, für das Höhne nur ein Wort einfällt: "Geil!"

Einfach mal versuchen

Nicht alle Mitglieder des OCR Frankfurt nehmen an Wettkämpfen teil. Manche beschränken sich auch auf das Training am Montag (für Kinder) oder am Mittwoch (für Erwachsene) beziehungsweise auf die Trail-Läufe am Sonntagvormittag in verschiedenen Leistungsgruppen. Die Trainingsstunden finden grundsätzlich draußen statt, bei jedem Wetter, auch im Winter. Interessenten müssen keine besonderen Voraussetzungen mitbringen, sagt die Zweite Vorsitzende Annika Mörsdorf: "Man sollte Spaß an Bewegung und am Draußen-Sein haben. Der Rest kommt schon mit der Zeit." Mittwochs gibt es Möglichkeiten für ein Probetraining. Weitere Informationen unter www.ocrfra.de, E-Mail info@ocrfra.de.

Brigitte Degelmann

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