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Die lindernde und entspannende Wirkung von Thai-Massagen ist unbestritten. Doch gibt Männer, die anderes suchen.

Wellness-Wirrwarr

Wie sich seriöse Thai-Massage-Praxen vor dem Schmuddelimage schützen

Thai-Massagen liegen im Trend. Fast in jedem Stadtteil gibt es Angebote. Doch einige männliche Kunden haben Schwierigkeiten, die angebotenen Leistungen unterscheiden zu können.

Auf die wohltuende Auszeit hatte sich Ursula auf der Heide sehr gefreut. Zwei Stunden Thai-Massage, sich von Kopf bis Fuß dehnen, strecken, durchkneten lassen – eine Freundin hatte der Frankfurter Stadtverordneten einen Gutschein geschenkt, einzulösen in einer Praxis nahe dem Lokalbahnhof in Sachsenhausen. „Thai-Massage kannte ich bis dahin noch nicht und freute mich sehr darauf“, berichtet die Beschenkte. Allerdings: „Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich da ankam“, sagt sie. An der Eingangstür fand sie ein Hinweisschild mit einem stilisierten Verbotsschild, der Aufschrift „Erotik, Sex“ unter rotem Querbalken und folgendem Erläuterungstext: „Bitte beachten Sie, dass wir keine Erotikmassagen anbieten! Bei unsittlichem Verhalten während der Massage wird das Programm unter Berechnung des vollen Preises umgehend beendet. Telefonische Anfragen mit sexuell belästigendem Hintergrund werden gemäß §185 StGB zur Anzeige gebracht!“

Ursula auf der Heide, bekennende Frauenrechtlerin, machte davon ein Handyfoto und teilte es mit ihren Freunden auf Facebook, ebenso wie ihre Empörung: „Das ein solches Hinweisschild an der Eingangstür einer Praxis für Thai-Massage in Sachsenhausen angebracht werden muss, beschämt und beweist: Rassismus und Sexismus sind eineiige Zwillinge“, statt einen Punkt am Ende des Statements setzt sie ein Wut-Smiley.

Kompetentes Personal

Von der Behandlung in der Massage-Praxis war sie übrigens äußerst angetan, wie sie auf Nachfrage dieser Zeitung berichtet. Tadellos saubere Behandlungsräume, kompetentes Personal. „Und nicht der leiseste Hauch von Zweideutigkeit, nirgends“, macht Ursula auf der Heide klar. Sie will wieder dort hingehen.

Auf Nachfrage habe sie erfahren, dass es bei der Behandlung von Männern vereinzelt zu Missverständnissen über den Umfang der Dienstleistung gekommen sei. Deshalb habe man sich gezwungen gesehen, gleich an der Eingangstür deutlich zu machen, was der Kunde erwarten darf und was auf keinen Fall.

Nachfragen dieser Zeitung in anderen Frankfurter Thai-Massage-Praxen nach ähnlichen Vorkommnissen oder Erfahrungen stießen auf tatsächliche oder vermeintliche sprachliche Hindernisse, führten nie zu konkreten Hinweisen.

Thai-Massage ist im Trend, schon seit Jahren. Ein geschützter Begriff ist es freilich nicht. Einen Überblick, wie hoch die Zahl der Praxen für Thai-Massage in Frankfurt ist, hat nicht einmal das städtische Ordnungsamt, wie dessen Sprecher Michael Jenisch auf Anfrage mitteilt: „Weil wir bei der Genehmigung nicht unterscheiden zwischen medizinischer Massage und Thai-Massage oder sonstigen Wellness-Anwendungen.“ Tatsächlich finden sich in wohl jedem Stadtteil mehrere Anbieter von Thai-Massage. Wie kommt es dazu, dass diese asiatische Körperanwendung mitunter konnotiert ist mit Sex?

Drei Typen

Die Thai-Spa-Vereinigung Deutschland, Organ der Anbieter traditioneller Thai-Massage, erklärt dies mit der Geschichte: „Derzeit gibt es drei Typen von Thai-Massagen: die älteste Erschei-nungsform ist die Rotlicht-Thai Massage in der Form der Erotik-Massage mit einer sehr freizügigen Auslegung der Massagetechniken. Sie präsentiert sich häufig in einfachster Aufmachung als Matratzenlager mit Lichterkette, gelegentlich aber auch mit Spa-Charakter. Der zweite Typ ist die erotikfreie traditionelle Thai Massage als Ein-Frau-Betrieb, gelegentlich mit Freundinnen oder einer Schwester als Verstärkung. Hier stimmt häufig das Produkt, also die Qualität der Massage, aber die Einrichtung, Betriebsführung und Vermarktung sind manchmal rührend semiprofessionell.“

Schließlich gebe es seit ein paar Jahren einen dritten Typ: Bei dieser „Zweiten Generation der Thai Massage“ handelt sich um professionell konzipierte und geführte Firmen, häufig mit dem Zusatz „Spa“. Sie setzen hohe Maßstäbe in punkto Raumgestaltung, Hygiene, Aus- und Weiterbildung und Qualitätssicherung. Dieser Typ boomt und besetzt eine größer werdende Nische im Grenzfeld zwischen Gesundheitsprävention, Sinn- und Selbstsuche und Wellness-Bedürfnissen. In seinem Fahrwasser entwickele sich auch der zweite Typ, der Ein-Frau-Betrieb, ordentlich und werte sich allmählich auf.

Die Anbieter traditioneller Massage von jenen mit erotischer Dienstleistungen zu unterscheiden, ist laut Thai-Spa-Vereinigung eher kein Problem. Hinweise auf sexbetonte Angebote seien etwa Öffnungszeiten bis Mitternacht, diskrete Lage und der Zusatz „Happy End“.

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