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Die Polizeibeamten Marcel Müller und Damaris Theophel erklärten Senioren, wie ein verkehrssicheres Rad aussieht.

Unfallzahlen für Senioren senken

Sicher fahren bis ins hohe Alter

Als Fußgänger, Radler oder Fahrgast leben Senioren in Frankfurt gefährlich, die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen ältere Menschen beteiligt sind, ist gestiegen. Damit alle ans Ziel kommen, startete die Polizei die Präventionsaktion „Verkehrssicherheit im Alter“.

Ursula Frank horcht auf, als Polizeioberkommissar Marcel Müller die entscheidenden Feinheiten an den Bussen und Bahnen der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) erklärt: „Ein gelber Balken zeigt den Mehrzweckbereich an, dessen Türen länger geöffnet bleiben, wenn man die mit Rollstuhl oder Kinderwagen gekennzeichneten Symbole betätigt.“ Wer sicher eingestiegen sei, sollte sich niemals auf den eigenen nicht gesicherten Rollator setzen. Müllers Rat: Lieber freundlich, aber bestimmt bei anderen Fahrgästen das Anrecht auf speziell markierte Sitzplätze einfordern. „Wer gegen die Fahrtrichtung sitzt, wird bei einer Vollbremsung nicht aus dem Sitz geschleudert“, macht Müller anschaulich, worum es ihm geht.

Um die 60 Männer und Frauen älterer Semester haben sich im Gewerkschaftshaus eingefunden und lassen sich von dem Polizisten und seinen Kollegen zum Thema Sicherheit im Straßenverkehr beraten. Vor allem Senioren, die zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, sollen dank praktischer Tipps besser gegen Unfälle gewappnet werden.

„Es geht um ganz typische Situationen, vieles habe ich vorher nicht gewusst“, freut sich Ursula Frank. Da geht es ihr wie vielen Altersgenossen, um die Senioren auf Frankfurts Straßen macht sich die Polizei ernstlich Sorgen: In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der über 65-Jährigen, die in der Stadt leben, von 109 500 auf 113 600. Und der Anteil der an einem Verkehrsunfall beteiligten Senioren stieg um 28 Prozent an.

Deshalb übernahm das Polizeipräsidium die ursprünglich in Gießen initiierte Präventionskampagne „Maximal mobil bleiben – Verkehrssicherheit im Alter“, knapp 25 Vorträge in Senioreneinrichtungen sind in diesem Jahr geplant. „Ältere Menschen ziehen aus dem Umland zurück in die Stadt, weil die Infrastruktur hier besser ist, sie wollen länger mobil bleiben, bei maximaler Verkehrssicherheit“, weiß Müller.

Zwar sei es ab einem gewissen Alter sehr wichtig, das Seh-, Hör- und Reaktionsvermögen regelmäßig überprüfen und sich entsprechend ärztlich beraten zu lassen. Doch da die Verletzungsquote im Pkw vergleichsweise gering sei, spricht sich Müller gegen Überlegungen aus, älteren Menschen unter an einer festgelegten Altersgrenze die Fahrerlaubnis zu entziehen: „In Spanien sind nach vergleichbaren Maßnahmen viele Senioren auf das Fahrrad umgestiegen und haben dabei schwere Unfälle erlitten.“ Wichtiger sei es deshalb, das richtige Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten und das geeignete Verkehrsverhalten zu fördern.

Und allzu viele Regeln sind es gar nicht, die es in diesem Sinne zu beachten gibt. Müller fängt beim Einfachsten an: Herrschen in der Stadt Nebel, Eis oder Schnee, verschiebt man seine Erledigungen am besten ganz. Und wer die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, legt seine Termine nach Möglichkeit außerhalb der Zeiten des Berufsverkehrs, um das Gedränge in den Zügen, Stress beim Aussteigen und ähnliche Situationen zu vermeiden.

Auch wer als Fußgänger unterwegs ist, sollte sich auf seine Sinne verlassen können. „Wenn Sie den herankommenden Verkehr nicht mehr hören, bekommen Sie ein Problem“, warnt Müller. Nachgiebig sollten Senioren an Fußgängerüberwegen sein: Autofahrer verschätzten sich gerade auf glatten Straßen mit ihrem Bremsweg und seien manchmal vom Verhalten von Senioren irritiert: „Wenn Sie hier auf Ihr Recht bestehen und überfahren werden, nutzt Ihnen das gar nichts.“ Auch sollte man nachts mit hellen und reflektierenden Kleidern unterwegs sein.

Als Müller auf das Thema Fußgängerampeln zu sprechen kommt, entspinnt sich eine lebhafte Diskussion um zu kurze Grünphasen. „Sprechen Sie uns an, machen Sie in den Ortsbeiräten oder im Straßenverkehrsamt auf Ihre Bedürfnisse aufmerksam. Auch wenn nicht immer schnelle Abhilfe geschaffen werden kann“, fordert Müller seine Zuhörer auf.

Tipps zum verkehrssicheren Fahrrad gibt Kommissarin Damaris Theophel: „Ein Fahrradhelm macht sehr viel aus, gerade weil sich bei ältere Menschen nach Kopfverletzungen noch schwerer erholen als die jüngeren.“ Und wer mit dem E-Bike schneller und mit weniger Kraftaufwand vorankommt, sollte sich trotzdem nicht zu sicher fühlen und mit den Fehlern der anderen rechnen.

Auch Egidius Planz, Vorsitzender der DGB-Senioren in Frankfurt, hat aufmerksam zugehört. „Der Vortrag ist sehr gut angekommen, wir könnten im nächsten Jahr die Polizei zu einem Vortrag gegen Diebstahl einladen.“

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