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Elisa und Jule halten den neuen Radwegeplan. Zusammen mit ihren Schulkameraden sind sie die Strecken abgefahren.

Sicher mit dem Rad zur Schule

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Schüler haben einen Rad-Schulwegeplan für Schwanheim, Goldstein, Griesheim und Nied entwickelt. Der Rest des Frankfurter Westens soll nachziehen.

Wo sind die Straßen zugeparkt und unübersichtlich, und wo lässt es sich gut und sicher radeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Schulklasse der Carl-von-Weinberg-Schule in einer Projektwoche. Herausgekommen ist ein Schulwegeplan für Radfahrer im Frankfurter Südwesten. Auf ihm lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Straßen sich für Zweiradfahrer eigenen. Das soll Vertrauen schaffen – bei den Schülern und ihren Eltern. „Ziel ist es, die Nutzung des Fahrrads zu fördern“, erklärt Jürgen Blum vom Verein „Umweltlernen in Frankfurt“. Er hat gemeinsam mit den Schülern der 8 d und ihrer Klassenlehrerin Ingrid Fester verschiedene Wege in Nied, Griesheim, Schwanheim und Goldstein erkundet. Dabei lag das Augenmerk immer darauf, wo es sicher ist und wo die Situation noch verbessert werden kann. Notiert wurden überdies Besonderheiten wie gute Querungsmöglichkeiten und Schleichwege. In einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Straßenverkehrsamt, Straßenbauamt, Stadtschulamt, Grünflächenamt und Polizei, wurden Verbesserungsvorschläge der Schüler geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt.

Den Schülern hat das Spaß gemacht, wie sie berichten, zumal neben der Kartierungsarbeit der sportliche Aspekt nicht zu kurz kam: Sie übten ihre Fahrsicherheit in einem selbstgebauten Parcours und gönnten sich einen Ausflug zum Goetheturm. Allerdings: In der 8 d der Carl-von-Weinberg-Schule sind die regelmäßigen Radnutzer noch in der Unterzahl. Viele nutzen Bus und Bahn oder werden von ihren Eltern gefahren. Der Grund ist häufig, dass Eltern um die Sicherheit ihrer Sprösslinge im Straßenverkehr fürchten. „Mein Papa kauft mir halt immer eine Fahrkarte“, berichtet etwa die 13-jährige Gina. Er sähe es nicht gerne, wenn sie mit dem Rad führe. Ähnlich geht es Jule, deren Eltern der Weg von Sachsenhausen zu weit und gerade im Winter zu dunkel fürs Radfahren ist, wie sie sagt.

Doch es gibt auch andere Beispiele: „Ich wohne in der Nähe, und Fahrradfahren macht mir einfach Spaß“, sagt Ali (14). Es sind wohl vor allem Goldsteiner, die sich auf den Drahtesel schwingen. „Es kommen auch etliche Lehrer mit dem Fahrrad“, weiß die Schulleiterin Inge Gembach-Röntgen.

Das Kartierungs-Projekt ist Teil des Programms „Bike im Trend“, das vom Stadtschulamt gefördert und mit dem Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ durchgeführt wird. Neben der Carl-von-Weinbergschule und der für den Südwesten ebenfalls involvierten Georg-August-Zinn-Schule in Griesheim haben sich daran bereits viele weitere Schulen im Stadtgebiet beteiligt, so dass nahezu für ganz Frankfurt ein Schulwegplan existiert. Laut Jürgen Blum fehlt nun nur noch der Frankfurter Westen, der jedoch auch bald verzeichnet werden soll.

Damit, dass Schüler an dem Projekt beteiligt sind, möchten die Macher sicherstellen, dass die erarbeiteten Wege auch wirklich genutzt werden. So ist im Plan etwa nicht nur die Lyoner Straße als gute Verbindung zwischen Niederrad und Goldstein ausgewiesen, sondern auch die Golfstraße durchs Grüne und der Uferweg an der Kläranlage. Das Interesse der Stadt bei dem Ganzen ist klar: „Wir brauchen in Zukunft viele Radfahrer“, erklärt Petra Zender, Projektkoordinatorin des Stadtschulamtes. Sie ist zur Präsentation des Projektes am Dienstag selbst mit dem Drahtesel gekommen und überzeugt, dass das Radfahren aus ökologischer Sicht sinnvoll ist und auch dem Einzelnen gut tut.

Inge Gembach-Röntgen, Schulleitern der Carl-von-Weinberg-Schule, begrüßt das Projekt ebenfalls. Sie lobt die Nachhaltigkeit und findet es gut, dass sich Schüler für ihr Umfeld und die Umwelt engagieren. Die Tatsache, dass viele ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, ist aus ihrer Sicht ein Problem: „Viele glauben, ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren zu müssen“, sagt sie. Das verursache jedoch regelmäßig Verkehrsbehinderungen vor der Schule.

Dass die Schüler in der Projektwoche auch ihr Fahrverhalten trainiert haben, ist nach Einschätzung von Sylvia Weller-Sturm, Polizistin der Direktion Verkehrssicherheit, sinnvoll. Ihrer Einschätzung nach wäre es gut, wenn alle Jugendlichen ihr Wissen zum Thema Verkehrssicherheit in der Schule auffrischen könnten. Auch dies, so die Polizistin, würde ihre Sicherheit erhöhen. Und dass es nun einen Rad-Schulwegeplan für Nied, Griesheim, Schwanheim und Goldstein gibt, freut auch Bildungsdezernentin Sarah Sorge und Verkehrsdezernent Stefan Majer (beide Grüne). „Der Radwegeplan unterstützt Eltern bei der Förderung der selbstständigen Alltagsmobilität ihrer Kinder“, sagt Majer.

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