Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahn, Autos - alle sind unterwegs am Friedberger Tor und auf der Friedberger Landstraße. Wie der Verkehr in Frankfurt weiter entwickelt werden soll, wird nun im Masterplan Mobilität festgeschrieben.
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Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahn, Autos - alle sind unterwegs am Friedberger Tor und auf der Friedberger Landstraße. Wie der Verkehr in Frankfurt weiter entwickelt werden soll, wird nun im Masterplan Mobilität festgeschrieben.

Verkehrspolitik

Sicherheit ist den Frankfurtern noch wichtiger als Klimaschutz

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Auftakt der Bürgerbeteiligung für den neuen Masterplan Mobilität zeigt vor allem eines: Fußgänger müssen mehr geschützt werden

Frankfurt -Vor allem die Sicherheit auf den Straßen wollen viele in Frankfurt verbessert wissen. Das ist das Meinungsbild unter bis zu rund 450 Teilnehmer des ersten Mobilitätsforums der Stadt. Es wurde am frühen Dienstagabend rein digital angeboten und bildete den Auftakt zur Bürgerbeteiligung fürs Erarbeiten des neuen Gesamtverkehrsplans, des Masterplans Mobilität.

Die Verkehrssicherheit als Ziel für die städtische Planung ist den Teilnehmern knapp noch wichtiger als das Erreichen der Klimaziele - und viel wichtiger als die Zufriedenheit mit dem Mobilitätsangebot. Diese Schwerpunktsetzung freut Mobilitätsdezernenten Stefan Majer (Grüne): "Eine Minute später anzukommen ist zumutbar, aber es geht darum, überhaupt lebend anzukommen." Auf den Straßen sei "bestmögliche Sicherheit" nötig, "besonders für die, die kein Blech um sich herum haben, das sie schützt".

Auto- und Radfahrer immer unzufriedener

Daher werde die Stadt künftig erfragen, wie zufrieden Fußgänger sind, kündigt Majer an. Bislang befragt die Stadt nur Auto-, Radfahrer und Fahrgäste im Nahverkehr, was in der Digitalveranstaltung deutlich wird. Zuletzt wurde die Unzufriedenheit besonders unter Auto- und Radfahrern deutlich größer, sagt Andreas Clouth vom Beratungsunternehmen PTV. Ursache seien Konflikte, auch weil die Stadt Flächen vom Autoverkehr an Radfahrer umverteile.

Wie konfliktträchtig es auf der Gass' zugeht, wird während der zweieinhalbstündigen Veranstaltung deutlich. Die hat eine Bestandsaufnahme als Ziel. Teilnehmer - drei Viertel aus Frankfurt - sprechen die Konflikte an: Kritik wird an zunehmender Aggressivität auf der Straße laut, an Falschparkern, Rasern, rüpelhaften Rad- und E-Scooter-Fahrern, an von E-Rollern zugestellten Gehwegen, dass die Stadt den ÖPNV-Ausbau verschlafen habe. Lob gibt es, da die Situation für Radler besser geworden sei. Welche Verkehrsart "die gute" sei, könne man nicht sagen, so Christoph Schulz von PTV. Es sei Aufgabe der Politik, "für jede Verkehrsart die richtige Infrastruktur zu schaffen". Da auf vielen Straßen Platz fehle, seien "intelligente Lösungen nötig".

In einer Abstimmung setzen die Teilnehmer klare Prioritäten für ihre Mobilität: Wichtig ist mit Abstand eine kurze Reisezeit (153 Stimmen), deutlich vor Zuverlässigkeit (92) und Umweltverträglichkeit (80). Komfort ist nur 42 der Befragten am Wichtigsten, der Preis gar nur 17 Teilnehmern.

Gespräche am Rande fehlen im Digitalen

Das Forum bildete den Auftakt einer dreiteiligen Reihe direkter Bürgerbeteiligung. Sie ist in einen breiten Prozess eingebettet. Ebenso arbeiten repräsentativ ausgewählte Bürger mit, auch Lobbygruppen können sich zu Wort melden. Bis Jahresende will das Dezernat den Masterplan Mobilität fertig haben, danach können ihn Ortsbeiräte und Stadtverordnete beraten, das Parlament dann beschließen. Das Werk soll "die globale und strategische Ausrichtung" der städtischen Verkehrspolitik bis über 2030 hinaus regeln, erklärt Referent Heiko Nickel aus dem Mobilitätsdezernat.

"Die Bürgerbeteiligung kann nicht warten, bis Corona vorbei ist", verteidigt Dezernent Majer die rein digitale Veranstaltung. Er räumt ein: "Aber es fehlt etwas", etwa Gespräche am Rande. Anderseits wären vielleicht nicht so viele "zum Mitdiskutieren in ein Bürgerhaus gekommen", ahnt Majer. "Das ist wie beim Shopping", schreibt Helge Parplies im Chat. "Vom Sofa aus ist es einfacher."

Informieren und mitmachen

Ergebnisse des Forums will die Stadt unter frankfurt.de/masterplan-mobilitaet bereitstellen. Das nächste Mobilitätsforum ist fürs Frühjahr geplant.

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