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Sie blasen zum ersten Lohrberg-Festival

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Von: Friedrich Reinhardt

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Jahrelang sind sich Wolfgang Vinson (links) und Gerhard Weinrich in der Musikerszene immer wieder begegnet. Vinson spielt bei der Stadtkapelle, Weinrich im Posaunenchor. Aber erst bei der Organisation des Lohrberg-Festivals lernen sich die beiden näher kennen. FOTO: reinhardt
Jahrelang sind sich Wolfgang Vinson (links) und Gerhard Weinrich in der Musikerszene immer wieder begegnet. Vinson spielt bei der Stadtkapelle, Weinrich im Posaunenchor. Aber erst bei der Organisation des Lohrberg-Festivals lernen sich die beiden näher kennen. FOTO: reinhardt © reinhardt

Multi-Musiker hatte die Idee und spielt am Sonntag gleich in zwei Formationen

Wolfgang Vinson hat die Liebe zur Musik von seinem Vater geerbt. Der Vater spielte beim Musikzug der Feuerwehr in Nieder-Wöllstadt, der Sohn blies beim Fanfarenzug des TV Bergen-Enkheim seine ersten Töne. Mit der alten Trompete seines Vaters ging der kleine Wolfgang zum Musiklehrer Ernst Dragesser in den Unterricht. Und eines Tages sagte der Lehrer zu seinem Schüler: "Bub, ich glaub, die Trompete ist nichts für dich."

Weil bei Wolfgang die Töne nicht so klangen, wie sie sollten, riet Dragesser zum Tenorhorn. Wolfgang hatte Angst vor der Reaktion seines Vaters. "Die Trompete hatten wir ja schon und Instrumente sind teuer und das Geld knapp", sagt Vinson heute. Der Vater aber war begeistert. "Bub, das ist ja wunderbar." Auch er stieg aufs Tenorhorn um.

Man muss nur Initiative zeigen

Rund 50 Jahre später sitzt der 64 Jahre alte Wolfgang Vinson im Main-Äppel-Haus (MÄH) auf dem Lohrberg. Mit am Tisch Gerhard Weinrich, der Vorsitzende des Streuobstwiesenzentrums. Vinson trägt Jeans und Glatze und eine Brille, die sich bei Sonnenlicht selbst verdunkelt. Auf seinem schwarzen T-Shirt steht Stadtkapelle Bergen-Enkheim. Sein Berufsleben ist inzwischen vorbei. Das Musikerleben geht weiter. Bei der Stadtkapelle ist er Erster Kassierer. Dazu spielt er in der Schirn Big Band der Frankfurter Musikschule, benannt nach deren Sitz in der Innenstadt. Dort allerdings Posaune. Vinson der Multi-Musiker. Die Big Band ist eine der besten ihrer Art in Frankfurt. Zu hören ist sie beim 1. Lohrberg-Festival, das auf Vinsons Initiative zustande kam und am Sonntag, 17. Juli, im Main-Äppel-Haus über die Bühne geht. Und das gleich mit drei Formationen. Von 11 Uhr bis 13 Uhr spielt die Stadtkapelle zum "Musikalischen Frühschoppen". 14 Uhr bis 15 Uhr übernimmt der Posaunenchor Bergen-Enkheim und um 16 Uhr bis 18 Uhr spielt die Schirn Big Band - und das alles für den guten Zweck. Mit den Spenden, die während des Festivals gesammelt werden, soll Rettungsausrüstung in die Ukraine gebracht werden. Der Partner dabei ist die Berufsfeuerwehr Frankfurt.

Die Stadtkapelle gab jedes Jahr ein Benefizkonzert, dessen Einnahmen gespendet wurden. Wegen der Pandemie mussten die in den vergangenen beiden Jahren ausfallen. So kam Vinson die Idee für den Auftritt mit dem Posaunenchor und der Big Band. Als Vinson bei Ralf Schuh anrief, meinte der Leiter des Posaunenchors: "Das ist ja ein richtiges Lohrberg-Festival, das du da auf die Beine stellst." Ein Name und ein Mitstreiter waren gefunden.

Auf die Partner kommt es an

Wenn Vinson darüber spricht, klingt es so, als sei es ein Leichtes, ein Festival zu organisieren. "Naja, wenn man die richtigen Partner hat", sagt er. Beim Posaunenchor genügten wenige Anrufe. So auch bei der Big Band. Und da sich das MÄH um Essen und Getränke kümmert, hat Vinson auch damit keine Arbeit.

"Man muss einfach machen", sagt auch Weinrich. Klar, es wäre besser, man wüsste, wie viele Besucher ungefähr kämen. Die Bratwürste und der Handkäs müssen vorbereitet werden.

Für die Stadtkapelle ist der Auftritt beim Lohrberg-Festival ein besonderer. Es ist ihr letzter Auftritt mit dem Dirigenten Sebastian Muhl. Vier Jahre hat er die Kapelle geleitet. Auch durch die Corona-Zeit. Mit riesigem Abstand mussten die Blasmusiker proben, erzählt Vinson. Tiefe und hohe Töne, unterschiedlich schnell ausgebreitet und überlagert vom Hall im Volkshaus, darum setzten die einen Musiker zu spät ein und die anderen zu früh. Nun geht der Dirigent, der das mit dem Verein durchgemacht hat. "Die Stadtkapelle hat Muhl viel zu verdanken", sagt Vinson.

50 Jahre ist es her, dass Vinson begann, Tenorhorn zu spielen. Inzwischen ist er Großvater. Jüngst stellte sich der Enkel während eines Auftritts neben ihn. "Gefällt dir das?", habe Vinson gefragt. Der Enkel sagte: "Ja. Das ist schön, Opa." Noch später strahlt der Blasmusiker, wenn er davon erzählt. Friedrich Reinhardt

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