Die Kinderbeauftragte Kira Schuler hat den Bau des neuen Spielplatzes in der Heinrich-Wilhelm-Römer-Anlage in die Wege geleitet.
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Die Kinderbeauftragte Kira Schuler hat den Bau des neuen Spielplatzes in der Heinrich-Wilhelm-Römer-Anlage in die Wege geleitet.

Frankfurter Grünflächen

Sie bringt Abenteuer in die Tristesse

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Kinder bauen sich einen Dino-Spielplatz

Als die Spielplatzbauer den Zollstock auspackten und den Kindern zeigten, wie groß der Dinosaurier auf dem Dino-Spieplatz werden soll, hat selbst Kira Schuler gestaunt. Und die Kinder erst recht. Während die Eckenheimer Kinderbeauftragte davon erzählt, streckt sie langsam den Kopf in den Nacken und richtet den Blick nach oben, als würde sie etwas sehr großes begutachten. Der Dinosaurier soll das Herzstück des neuen Spielplatzes werden - aber er ist dort nicht die einzige Besonderheit.

In der Heinrich-Wilhelm-Römer-Anlage soll der Dino-Spielplatz entstehen. Dort, in der Nähe des Eingangs von der Sigmund-Freud-Straße auf dem Rondell, auf dem bis vor zwei Jahren noch eine Kletterspinne stand. Die sei nicht mehr verkehrssicher gewesen, erzählt Schuler, und wurde abgebaut. Seither klafft nur ein Loch auf dem kleinen, kargen Platz. Daraufhin hatte sich Schuler an das Grünflächenamt gewandt und um Ersatz gebeten.

Neben dem Ami-Spielplatz auf der anderen Seite Eckenheims gibt es sonst nur den Spielplatz in der Elisabeth-Schwarzhaupt-Anlage jenseits der Jean-Monnet-Straße. "Wegen der vierspurigen Straße können dort Kinder nicht allein hin." Im Norden Eckenheims wohnen aber viele Kinder, viele auch in sehr beengten Wohnverhältnissen, erzählt die Kinderbeauftragte. Für diese Kinder gibt es derzeit kein Ort zum Spielen in der Nähe, kein Ort, der für sie gemacht ist, ist erreichbar, erklärt Schuler.

100 Mädchen und Jungen

Letztlich hatte sich das Kinderbüro bereit erklärt, den neuen Spielplatz im Rahmen eines Spatzprojekts zu finanzieren. Das Besondere daran: Rund 100 Kinder aus dem Stadtteil haben den Spielplatz mit entworfen und werden ihn auch mit aufbauen.

Mit dem Projektbüro Alea aus Marburg haben die Kinder in den Osterferien erst Modelle gebaut und so ihre Ideen entwickelt, was für einen Spielplatz sie sich wünschen. Es sei ein Kopf-an-Kopf-Rennen gewesen zwischen einem Dino-Spielplatz und einem Spielplatz wie eine Weltraumstation, mit einer Rakete und einer "Rutsche bis zum Mond".

Im nächsten Schritt wurden die Modelle ausgestellt. Die Kinder konnten Punkte an die Vorschläge verteilen und so zeigen, was ihnen besonders wichtig ist. Alea hat aus den gesammelten Stimmen so einen ersten Entwurf entwickelt und zur der Vorstellung auch einen Zollstock mitgebracht.

Eine Rutsche, eine Kletterwand, ein Liegenetz, hatten sich so viele Kinder gewünscht, dass es in den Alea-Entwurf aufgenommen wurde. Ebenso Geräte, wo sie hangeln, balancieren oder sich einfach verkriechen können. Eine "Schmetterlingswiese" und eine "Ostallee" wurden gewünscht, so soll nun ein Teil der Wiese rundherum ungemäht bleiben, auf einem anderen Teil werden Beerensträucher gepflanzt, die derzeit bereits angezüchtet werden. Und das Grünflächenamt stellt eine Sitzbank - "weil die Eltern brauchen ja auch etwas zum Sitzen", hatten die Kinder gesagt. Auch der Ortsbeirat gibt 6000 Euro dazu, damit ein Zaun als Sichtschutz um den Spielplatz gebaut werden kann.

Schuler blickt auf den kleinen Platz, auf die Skizze von Alea und sagt: "Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie das hier alles drauf passen soll". Ganz genau lässt sich allerdings auch noch nicht sagen, wie der Dino-Spielplatz aussehen wird. Das entscheiden letztlich wieder die Kinder, während der Spielplatz gebaut wird.

So geht Demokratie-Bildung

"In der Bauwoche vom 27. September bis 1. Oktober sind wir dann von 8 bis 18 Uhr vor Ort. Alle können mitmachen", sagt die Kinderbeauftragte. Kinder, Eltern, vielleicht eine Schulklasse, auch die älteren Jugendliche, die selbst nicht mehr auf Spielplätze gehen, sind eingeladen. "Das ist auch gut wegen des Schutzes vor Vandalismus", sagt Schuler. Man zerstört nicht, was man selbst mit aufgebaut hat. Dass Kinder in den Entstehungsprozess von Spielplätzen eingebunden werden, ist für Spatzprojekte zwar nicht neu, aber auch nicht selbstverständlich. Schließlich braucht es dafür ein Projektbüro, dass einerseits die Bauerfahrung hat, andererseits die pädagogische Spezialisierung, erklärt Schuler.

Für die Kinderbeauftragte ist die Beteiligung mit das Wertvollste an dem Projekt. Kinder lernen, dass sie ihre Umgebung mit gestalten können, dass sie nicht unveränderlich vorgegeben wird. Auch wenn es keine "Rutsche bis zum Mond" geben wird, so hätten Kinder doch im Entwurf von Alea ihren Vorschlag für eine Rutsche wiedererkannt. Und: "Die Kinder sehen einfach, es passiert etwas für Kinder, bei dem sie mitgewirkt haben." Friedrich Reinhardt

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