Ein Auslaufmodell: Sibel Sevin und Alessandro Moretta vom Freiwilligen Polizeidienst kommen bei ihrem Rundgang durch Frankfurt in Bornheim mit Toni ins Gespräch. Die beiden unterstützen in ihrer Freizeit die Beamten des 6. Reviers, erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 7 Euro pro Stunde. Nun hat die neue Römerkoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt entschieden, den Freiwilligen Polizeidienst abzuschaffen.
+
Ein Auslaufmodell: Sibel Sevin und Alessandro Moretta vom Freiwilligen Polizeidienst kommen bei ihrem Rundgang durch Frankfurt in Bornheim mit Toni ins Gespräch. Die beiden unterstützen in ihrer Freizeit die Beamten des 6. Reviers, erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 7 Euro pro Stunde. Nun hat die neue Römerkoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt entschieden, den Freiwilligen Polizeidienst abzuschaffen.

Stadtregierung schafft ab

Freiwilliger Polizeidienst: Ihre Hilfe ist nicht mehr erwünscht

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
    schließen

Ehrenamtliche Mitarbeiter vom freiwilligen Polizeidienst sollen die Sicherheit in Frankfurt erhöhen. Die neue Stadtregierung will sie dennoch abschaffen.

Frankfurt – Sie helfen älteren Menschen über die Straße, sehen beim Weihnachts- oder auf dem Wochenmarkt nach dem Rechten, begleiten den Martinsumzug, laufen Streife. Seit dreizehn Jahren ist Sibel Sevin schon beim Freiwilligen Polizeidienst, ihr Kollege Alessandro Moretta ist seit sieben Jahren dabei. Nun sollen sie abgeschafft werden. Besser gesagt: Der Freiwillige Polizeidienst soll abgeschafft werden. Das hat die neue Römerkoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt beschlossen.

Seit 2007 gibt es den Dienst in Frankfurt. Sibel Sevin ist von der Entscheidung der Stadtverordneten enttäuscht: "Wir machen hier das, wofür die Kollegen vom 6. Revier nicht immer Zeit haben", sagt die 46-Jährige, die gerade zusammen mit Alessandro Moretta auf Streife in Bornheim unterwegs ist. "Wir sind Ansprechpartner für die Bürger", erzählt Moretta (44). Drei bis vier Stunden dauert eine Tour. Pro Stunde bekommen die Helfer eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 7 Euro.

Frankfurt: Bedauern über Abschaffung der freiwilligen Helfer der Polizei

Nicht nur die freiwilligen Helfer bedauern die Entscheidung der Stadtverordneten, auch Polizeipräsident Gerhard Bereswill findet es schade, ebenso wie Klaus-Dieter Strittmatter, Vorsitzender des Präventionsrates. Er berichtet von einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern und nennt ein Beispiel: "Als wir eine Aktion gemacht haben zur Sicherheit in den Kleingärten Oberrads, haben sie uns unterstützt und sind dort Streife gegangen."

Es sind viele kleine Dinge, die die freiwilligen Helfer leisten. "Wir fordern Helfer an, wenn freitags der Wochenmarkt am Friedberger Platz stattfindet. Oder wenn Weihnachtsmarkt ist. Oder auch mal beim Martinsumzug, wenn Autos kurzfristig anhalten müssen. Sie ergänzen unsere Einsatzkräfte", erklärt Polizeihauptkommissarin Ramona Börger, die die aktuell 37 Freiwilligen zwischen 24 und 66 Jahren koordiniert. Viele seien schon lange dabei, so wie Sevin und Moretta. "24 Männer, 13 Frauen, 20 mit und 17 ohne Migrationshintergrund", sagt Börger. Rambo-Typen, die am liebsten eine Bürgerwehr gründen wollen, seien nicht dabei: "Als Polizei achten wir bei der Auswahl sehr genau auf die Motivation. Wichtig ist für uns die Kommunikationsfähigkeit, denn die freiwilligen Polizeihelfer sind diejenigen, die auf der Straße den direkten Kontakt zum Bürger haben."

Bloße Anwesenheit der freiwilligen Polizisten erhöht die Sicherheit

Moretta und Sevin sind dem 6. Revier zugewiesen. "Wir sagen Bescheid, wenn wir da sind und ziehen uns um", schildert Sevin. Ihre dunkelblaue Uniformjacke erinnert ein wenig an Polizei und ein wenig an einen Sicherheitsdienst. "Freiwilliger Polizeidienst" steht darauf, an den Armen ist das Hoheitszeichen des Landes aufgenäht.

Beim Streifegehen achten die Freiwilligen auf alles, was auffällig ist: Sie verteilen auch mal ein Knöllchen, wenn ein Auto verkehrsgefährdend abgestellt wurde, bewirken durch ihre bloße Anwesenheit, dass Autofahrer vom Gas gehen, sprechen aber auch Fußgänger und Radfahrer an, wenn diese bei Rot über die Ampel gehen oder fahren. Sibel Sevin geht bei ihren Streifgängen gerne an Grundschulen oder Kindergärten vorbei. Die Kleinen sprechen sie an, und Sevin hat das Gefühl, dass die Kinder ein bisschen sicherer auf der Straße unterwegs sind, wenn sie aufpasst.

FNP-Newsletter zu Frankfurt

Sie wollen mehr News aus Frankfurt erhalten? Dann ist unser Newsletter genau das Richtige für Sie!

Frankfurt: Nur positive Erfahrungen mit den Helfern der Polizei

Heute - die Herbstsonne schenkt den Passanten auf der Berger Straße noch ein paar Strahlen, und einige Bornheimer sitzen an den Tischen der Cafes - ist nicht viel zu tun. Sevin sieht eben einen Mann mit Kopfhörern über die Straße gehen. "Das ist so ein Thema", sagt sie und spricht ihn an. Dass er doch gar nichts vom Verkehr hören kann mit seinen Kopfhörern. Der Mann verspricht, sein Headset künftig nicht aufzusetzen, wenn er auf den Verkehr achten soll. "Das beobachten wir oft, auch bei Teenagern. Wenn man 13 oder 14 ist und von uns angesprochen wird, macht das schon Eindruck", ist Sevin überzeugt.

Dass sie nicht ausreichend ausgebildet seien, um in Gefahrensituationen angemessen zu reagieren, wie manche Stadtverordnete kritisiert hatten, sieht die 46-Jährige ganz anders. "Ich habe in 13 Jahren ein einziges Mal mein Pfefferspray eingesetzt." Damals habe sie - wie immer, wenn die Situation die Kompetenz eines freiwilligen Polizeihelfers übersteige - per Funk die Kollegen vom Revier hinzugerufen.

Sevin und Moretta haben Spaß an ihrer Tätigkeit. Es ist für sie eine Beschäftigung, die ihnen viel Freude bereitet und den Bürgern, den Nachbarn in Bornheim ebenso. Sie wollen sich nicht wichtig machen, sondern einen Dienst für die Allgemeinheit leisten. Dass sie dies bald nicht mehr dürfen, verstehen sie nicht. "Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren waren ausschließlich positiv", sagt Moretta. (Thomas J. Schmidt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare