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Sie haben das beste Rezept gegen trübe Gedanken

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Von: Michael Forst

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Sie belieben zu scherzen: Dr. Pustekuchen und Dr. Lächele (Stefan Vogel (li.) und Axel Schwenk) . FOTO: maik reuss
Sie belieben zu scherzen: Dr. Pustekuchen und Dr. Lächele (Stefan Vogel (li.) und Axel Schwenk) . © Maik Reuß

Lächeln unter der Mundschutzmaske: So trösten die Clown-Doktoren junge Patienten

Erst vor wenigen Sekunden sind Dr. Pustekuchen und Dr. Lächele ins Krankenzimmer der Kinderklinik im Varisano-Klinikum Höchst gestürmt - schon haben sich alle traurigen Gedanken der elfjährigen Patientinnen Hana und Douaa verflüchtigt. Ihre Sorgen sind zerplatzt wie die vergänglichen Kunstwerke aus Dr. Pustekuchens Seifenblasen-Maschine, untergegangen im Lachen der Mädchen, als sie Dr. Lächele warnt, nicht aus den Betten zu fallen, weil das ähnliche Folgen haben könnte wie ein Sturz vom Mount Everest - "das tut dem Bobbes richtig weh!".

Auch die Schwestern freuen sich

Die beiden ungewöhnlichen Mediziner heißen mit bürgerlichen Namen Stefan Vogel und Axel Schwenk und gehören zu den Clown-Doktoren, die regelmäßig in den Kliniken der Stadt unterwegs sind, um die kleinen Patienten aufzuheitern (siehe Infokasten). Wer sie durch das Klinikum begleitet, staunt über die Leichtigkeit, mit der sie sich in den medizinischen Betrieb einfügen. Hier ein Lächeln für einen vorbeikommenden Arzt, dort ein Plausch mit einer Pflegerin. Nach einer kurzen Übergabe durch das medizinische Fachpersonal, das sie aufklärt, was bei den jungen Patienten zu beachten ist, fliegen die beiden förmlich über die Flure und in die Zimmer.

Dort verläuft kein Krankenbesuch wie der andere: Improvisation ist Trumpf. Mal Slapstick, mal Rätselaufgabe, mal ein Lied - und doch zaubern sie in jedem Zimmer ein Lächeln in die Gesichter. Die Fähigkeit, sich auf die niemals gleiche Situation einzulassen und aus dem Moment komische Funken zu schlagen, ist wegen der Pandemieeinschränkungen besonders gefragt, wie Stefan Vogel erklärt. Denn eigentlich lebe der Clown von seinem Lächeln - das aber falle weg, wenn die Maske den Mund und die Hälfte des Gesichts bedecke.

"Wir kommen auch unter den Masken schon mal ordentlich ins Schnaufen", fügt Schwenk hinzu. "Auf viele klassischen Elemente unserer Auftritte müssen wir verzichten", berichtet Schwenk. So verböten sich Berührungen wie das Händeklatschen beim "High Five" mit dem jungen Publikum ebenso wie das Seifenblasen mit dem Mund. Um die so entstehenden gefährlichen Aerosole zu vermeiden, greifen die Clowns auf einen Mini-Ventilator zurück, der die schillernden Blasen produziert. Und meist unterhalten sie die Kinder von der Türschwelle aus, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Gut fürs seelische Gleichgewicht

Doch das alles, betont Stefan Vogel, sei leicht in Kauf zu nehmen - "solange wir die Reaktionen unseres Publikums bekommen". Denn nach langer Corona-Pause sind die Visiten der Clown-Doktoren erst wieder seit Sommer vergangenen Jahres möglich. "Davor war eine schwere Zeit für mich", sagt Vogel. Nicht finanziell, weil er sich auf seine halbe Stelle als Erzieher konzentrieren konnte. Aber psychisch, denn: "Ich habe gemerkt, dass mein Clown-Standbein einfach zu meinem seelischen Gleichgewicht gehört." Ähnlich erging es Schwenk: Er wandte sich in der Corona-Zwangspause wieder mehr seinem Beruf als Landschaftsgärtner zu und produzierte Clown-Videos auf Youtube. Wobei er bald erkannte: "Ohne Live-Publikum ist es einfach nicht dasselbe."

Klischees über den Haufen werfen

Bei ihren Besuchen werfen sie auch immer wieder alte Clown-Klischees über den Haufen. Etwa, dass nur kleine Kinder empfänglich seien für ihre komische Kunst. So erzählt Vogel von Schwestern, die sich bei ihm ausheulten. Clowns, so erklärt er, kommen aus einer anderen, dem Alltag entrückten Welt - "das macht es vielen Menschen leichter, sich uns zu öffnen". Wie jener Arzt, der ihn immer skeptisch-distanziert bei seinen Besuchen beobachtet hatte: "Bis ich ihn mal mit ,Schatzi' ansprach. Da brach das Eis, und seither sind wir beste Freunde", erzählt Vogel. "Ich glaube, er war enttäuscht, dass ich am Valentinstag keine Blumen gebracht habe", fügt er hinzu. Und lacht. Michael Forst

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