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Michael Blanke und Lars Christian grüßen sich zu Beginn der Spendensammel-Tour. Karl Dieter Schön, zum siebten Mal mit von der Partie, freut sich mit ihnen auf die sportliche Anstrengung. Die Tour führte von Frankfurt bis nach Kempen. Über 120 000 Euro an Spenden wurden gesammelt.

Westend: Spendentour

Sie kämpfen für das Wohl der Tiere

Generationswechsel bei den Animals´ Angels.

Lars Christian hatte sich gut auf die Tour vorbereitet. Von Frankfurt ging es Richtung Westen, hunderte Kilometer über Stock und Stein, bis in das Städtchen Kempen an der niederländischen Grenze. Das solide Mountainbike hatte er sich von einem Freund geliehen. Denn die Route führte oft abseits geteerter Straßen entlang. Eine kleine Gruppe zäher Radlern hatte sich zusammengefunden. Außer den Mitarbeitern des Vereins "Animals´Angels" waren Alexej Bilan und Karl Dieter Schön mit dabei. Keines der Fahrräder war ein E-Bike: "Wir schwitzen, sie spenden" ist das Motto der jährlichen sportlichen Anstrengung. Die Idee für die Spendensammeltour stammt von Michael Blanke. Der Pfarrer im Ruhestand, 68 Jahre alt, war zusammen mit Christa Blanke 1998 Gründer des gemeinnützigen Vereins Animals´ Angels.

Abends wurde bei Unterstützern Station gemacht, die Tour sollte die über ganz Deutschland verteilten Tierschutz-Freunde verknüpfen. Vorher wurde die Radfahrt per Internet und Brief bei Spendern angekündigt, eine anonyme Wohltäterin sagte zu, alle eintreffenden Beträge zu verdoppeln: beachtliche 120 000 Euro kamen so zusammen.

Millionen Tiere auf den Straßen

3,8 Millionen Tiere werden täglich auf Europas Autobahnen transportiert. Wie das gemacht werden soll, das regeln Vorschriften. Diese werden aber oft nicht eingehalten. Anliegen des Vereins ist es, die Nutztiere auf den Transporten zu den Schlachthöfen und Fleischmärkten quer durch Europa zu schützen. Zu diesem Zweck beschäftigt die Organisation Teams, meist aus Frauen bestehend, die Tiertransporte begleiten, Missstände aufdecken und dokumentieren.

"Das ist eine gefährliche Arbeit. Die Fahrer der Tiertransporte benehmen sich Frauen gegenüber respektvoller", erklärt Michael Blanke das Vorgehen der Tierschutz-Organisation. Korrektes und freundliches Auftreten, auch in angespannten Situationen, gehört dazu. Die Teams der Animals´ Angels sind dafür bekannt, das sie bei aller Hartnäckigkeit, mit der sie die Bedingungen der Langstrecken-Tiertransporte von mehr als acht Stunden dokumentieren und durchaus auch der Polizei melden, stets höflich bleiben.

Lars Christian steht vor keiner leichten Aufgabe. Mit seinen 24 Jahren soll er in die Fußstapfen des charismatischen Mitgründers der Angels und langjährigen Chef-Spendensammlers Michael Blanke treten. Ein fließender Übergang ist geplant, denn Blanke will sich nun Zug um Zug aus dem Tagesgeschäft zurückziehen.

"Durch die Corona-Situation machen sich die Leute grundsätzlichere Gedanken", stellt Lars Christian fest. Seit zwei Jahren arbeitet er in der Zentrale der Angels, die sich in der Rossertstraße befindet. Er sagt: "Durch die Corona-bedingten Grenzschließungen und Reiseverbote ist es den Animals´ Angels längere Zeit nicht möglich gewesen, Transportbegleitungen durchzuführen." Tiertransporte durften aber dennoch durch Europa fahren, die Bescheinigung der Systemrelevanz macht es möglich.

Beim Fleisch-Unternehmen Tönnies stand der Betrieb zeitweise still, das Schlachthaus war wegen der Corona-Infektion von hunderten von Werkvertragsarbeitern geschlossen. Das bedeutete, das Transporte umgeleitet werden mussten, es gab einen beträchtlichen Stau von Tieren, die nicht in der geplanten Zeit geschlachtet werden konnten.

Ein weiteres Einsatzgebiet der Teams ist Nordafrika. Dort kooperiert der Verein mit örtlichen Helfern und Tierärzten, die sich darum kümmern, dass die Tiere auf den Transporten und Märkten nicht allzu grausam behandelt werden. Denn oft fehlt es an dem Notwendigsten: Wasser, Platz zum Stehen im Transporter, die Futterversorgung ist nachlässig. Das Ziel der Angels ist es, solche Transporte abzuschaffen. "Grundsätzlich wichtig ist auch zu erkennen, dass Tiere Geschöpfe mit einer eigener Würde sind", sagt Christian.

In Deutschland wird inzwischen weniger Fleisch gegessen, so dass mehr und mehr Tiere exportiert werden. Milchkühe werden geschlachtet, wenn sie nicht mehr genügend Milch geben.

Lars Christian ist gebürtiger Frankfurter. Er hat an der Goethe-Universität Human-Geografie studiert und dort auch erste Erfahrungen beim Spendensammeln - neudeutsch Fundraising - gemacht. Diese Aufgabe übernimmt an der Goethe-Uni ein hauptamtliches Team von acht Personen, unterstützt von studentischen Hilfskräften. "Es geht dabei durchaus um größere Summen, beispielsweise wenn Stiftungsprofessuren eingerichtet werden", erklärt Christian.

Jahresetat von 1,5 Millionen

Bei den Animals Angels beträgt der Jahresetat unter 1,5 Millionen Euro, davon werden derzeit zehn hauptamtliche Mitarbeiter bezahlt. Es gibt treue Spender. Sie begleiten die Angels seit zwanzig Jahren. "Wenn sich jemand für die Arbeit des Vereins interessiert, dann kann er auch gerne bei uns in der Rossertstraße vorbeikommen um sich zu informieren", lädt Lars Christian ein. "Einmal standen vier Radfahrer vor dem Büro unten auf der Straße. Es war ein Vereinsmitglied, der seine Freunde von der guten Sache überzeugen wollte. Der persönliche Kontakt ist bedeutend, dann können sich die Leute auch davon überzeugen, das wir verantwortungsvoll mit den Spenden umgehen." Und: "Die Behörden wissen, das es seriöse Tierschutz-Organisationen gibt, mit denen sie gut zusammenarbeiten können." Die Angels genießen dieses Vertrauen, gut, dass diese Engel auf den Straßen Europas unterwegs sind. martin glomm

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