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Sie kämpfen für schönere Spielplätze

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Von: Sabine Schramek

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Jette Ewerhardy und Lorenz Gempper mit einem Plan der Spielplätze im Nordend, wo es immerhin 29 gibt. Nach Meinung der beiden Kinderbeauftragten sind die meisten aber in keinem guten Zustand. FOTO: enrico sauda,
Jette Ewerhardy und Lorenz Gempper mit einem Plan der Spielplätze im Nordend, wo es immerhin 29 gibt. Nach Meinung der beiden Kinderbeauftragten sind die meisten aber in keinem guten Zustand. © sauda

Kinderbeauftragte aus dem Nordend wünschen sich bessere Instandhaltung und offene Schulhöfe

Kinder lieben es, hoch zu schaukeln, im Sand zu buddeln, zu klettern und dabei auf Abenteuerreise zu gehen. In der Natur und auf Spielplätzen erkunden sie die Welt. Wenn es nach den Kinderbeauftragten im Norden geht, wären Spielplätze bunter und viel besser in Schuss.

Schmirgeln, pflegen und neu bemalen

Wie Pinguine watscheln Kinder hintereinander her. "Aber nur auf den roten Steinen laufen", ruft Lucas (4). Immer schneller gehen sie, laufen, rennen, lachen. An den beiden Schaukeln an einem Metall-Holz-Pfosten warten andere, weil sie besetzt sind. Der andere Pfosten ist leer. Ebenso, wie hinter und im Sandkasten nur Metallstangen rausgucken. Die Wasserpumpe ist abmontiert. "Wenn wenigstens Schilder da wären, auf denen steht, warum nichts geht und wann es wieder da ist, wäre ja schon geholfen", sagt Lorenz Gempper, der Kinderbeauftrage für das Nordend West. "Und wenn die eigentlich bunt bemalten Holzpfosten instand gehalten würden, sähen sie auch nicht so schäbig aus und würden den Kindern Spaß machen", fügt Jette Ewerhardy, die Kinderbeauftragte für Nordend Ost hinzu. "Schmirgeln, pflegen und neu von Kindern bemalen lassen, das wäre was", sind sich die beiden auf dem Spielplatz am Merianplatz einig.

Auch wenn Ewerhardy und Gempper eigentlich für je ein halbes Nordend zuständig sind, arbeiten sie eng zusammen. "Seit Jahren soll hier der Spielplatz gemacht werden, dem Grünflächenamt fehlen Geld, Stellen und Personal", stöhnt Gempper. Der Spielplatz mitten im Wohnviertel sieht trostlos aus. Pflastersteine wechseln sich mit Gummiplatten ab, zwei Bäumchen werfen kaum Schatten, Geräte fehlen oder sind völlig abgenutzt. Ein Klettergerüst hat einen Hahnenkopf, der auf einer Seite leuchtet und auf der anderen Seite abblättert. "In der unteren Günthersburgallee ist auch ewig nichts gemacht worden", sagen die beiden. Insgesamt 29 Spielplätze gibt es im Nordend für 53 460 Einwohner. Das Nordend ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil Frankfurts und einer der kinderreichsten. Sechs Bolzplätze, zwei Wasserspielplätze, acht Streetball-Plätze und je eine Skateboard- und Inlineskatebahn gibt es. Und das große Areal vom Verein Abenteuerspielplatz Riederwald, bei dem Phantasie und Spielmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt sind.

Das Hauptproblem sehen die Kinderbeauftragten darin, dass wenig für den Erhalt der städtischen Spielflächen getan wird. "Sie halten nur 10 bis 15 Jahre. Das ist schade und nicht nötig", sagt Gummper. "Es würde ja schon helfen, wenn regelmäßig bei den alten Geräten nur ein wirklich Schönes neu installiert wird, dann hätten die Kinder Spaß und könnten sich austoben.", so Ewerhardy. Beide plädieren dafür, Kinder direkt mit einzubeziehen, ihre Wünsche ernst zu nehmen und ihnen Alternativen vorzuschlagen.

Kreativität anregen

Insgesamt seien die Spielmöglichkeiten ohnehin zu wenig und zum Teil auch nicht für die so wichtige Entwicklung der Kinder geeignet. Freies Spielen und Toben an der frischen Luft regt Kreativität an, verbessert Motorik und Gleichgewichtssinn, fördert mit unterschiedlichem Material Haptik und Kennenlernen von Flächen, reduziert Stress und verbessert die Sehfähigkeit, wenn Schatten und Sonne bei Bewegung durch Bäume abwechseln. Beleuchtung am Abend würde vor allem in den Wintermonaten für unbeschwertes Spielen sorgen, sind sich die Kinderbeauftragten einig. Ewerhardy und Gempper sind Ansprechpartner für alle Kinderbelange. "Wir können zwar nicht alle Probleme direkt lösen, wissen aber, wer wofür der richtige Ansprechpartner ist und setzen uns für die Belange für Kinder ein."

Wenn es nach Ewerhardy geht, würde es mehr Spielplätze geben, schönere Ausstattung und Veranstaltungen für die Kleinen. Gempper wünscht sich sichtbare Zebrastreifen vor Spielplätzen und dass Schulspielplätze nachmittags und an Wochenenden für die Kinder aus der Nachbarschaft geöffnet werden.

Noch viel Luft nach oben

Beide sehen den Kindern zu, wie sie über die tristen dunklen Steine "nur auf Rot" laufen und rennen und Schlange an den beiden einzigen Schaukeln stehen. "Das alles könnte besser und kindegerechter sein. Schön wär's, wenn Spielplätze viel schöner wären." SABINE SCHRAMEK

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