Auswechselspieler der Arche 439 aus Niederursel verfolgen gebannt das Geschehen auf dem Spielplatz.
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Auswechselspieler der Arche 439 aus Niederursel verfolgen gebannt das Geschehen auf dem Spielplatz.

Streetworker

Sie kicken gegen den Corona-Frust

Die Frankfurter Bolzplatz-Liga ermittelt ihre Sieger - und hofft auf bessere Zeiten.

Frankfurt. In Pandemiezeiten selten gewordene Geräusche erfüllten gestern die Luft auf der im Juni neu eröffneten Grün- und Sportfläche an der Griesheimer Ahornstraße: Kinderlachen und ausgelassene Anfeuerungsrufe. Kinder und Jugendliche der Frankfurter Bolzplatzliga spielten hier auf dem Kunstrasenfeld den Gewinner der Altersklassen U13 und U18 aus.

Auch wenn die Teilnehmer zur Freude der Zuschauer immer mal wieder Zuckerpässe, Dribblings und Flankenläufe zelebrierten, stand doch der Spaß im Vordergrund, wie Projektleiter Denis Bambusek und Simon Treuherz, Koordinator der Sportkreis-Gallusprojekte klar machten. 2013 hoben sie die Bolzplatzliga aus der Taufe.

21 Teams aus 10 Stadtteilen sind dabei

Sie ging aus der sozialpädagogischen Betreuung des Galluspark-Bolzplatzes hervor, vor zehn Jahren eingerichtet für den Nachwuchs der vielen zugezogenen Familien, die einen festen Ort zum Kicken brauchten. "Denen war es aber irgendwann zu langweilig, immer gegen dieselben Gegner zu spielen", erinnert sich Bambusek. Mit 16 Mannschaften, meist zusammengesetzt aus verschiedenen sozialen Einrichtungen wie der Arche aus Niederursel und dem Jugendhaus Nied, ging es damals los,

Im Jahr 2018 gab es dann eine Rekordbeteiligung mit 48 Teams aus ganz Frankfurt. Über die Jahre durften die jungen Kicker sogar die Trainingsplätze der großen Eintracht im Riederwald benutzen.

Zu Corona-Zeiten können die Organisatoren von solchen Zahlen indes nur träumen. An der aktuellen, im Juni gestarteten Spielzeit, haben nach Bambuseks Worten 21 Teams aus zehn Stadtteilen teilgenommen - das sind rund 20 weniger als noch vor der Pandemie. "Da wirken immer noch die Maßnahmen und Einschränkungen nach", erklärt Bambusek. Denn noch weit in die erste Jahreshälfte hinein hätten viele Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe geschlossen, die sich sonst mit Teams an der Liga beteiligten. Der persönliche Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen wie auch zu den Einrichtungsleitern, Grundlage jeder Jugendarbeit, habe nach langer Pause in der Pandemie erst wieder aufgebaut werden müssen.

Für das kommende Jahr hoffe der Sportkreis für den Spielbetrieb auf mehr Planungssicherheit, um die Liga zu alter Stärke mit über 40 Teams führen zu können.

Gekickt wird auch im Winter

"Gerade nach der langen Corona-Zeit," ergänzt Mohamed Kaddouri, Nieder Sozialarbeiter aus dem Jugendhaus in der Birminghamstraße, "sind Sport und Bewegung sehr wichtig für die Jugendlichen."

Deshalb sei man froh, auf dem Jugendhaus-Gelände zwei Mal pro Woche Fußball anbieten zu können. Und dank einer Kooperation mit der Fridtjof-Nansen-Schule könnten die jungen Fußballer im Winter auch in der dortigen Halle spielen. Für manche von ihnen sei der regelmäßige Bolzplatz-Kick auch das Sprungbrett zum Eintritt in einen Fußballverein.

Das bestätigt auch Denis Bambusek: "Hier lernen auch Jugendliche, die erstmal nicht in Vereinen funktionieren, Fairness und eine gewisse Disziplin". Immer hin gelte es, "die Termine einzuhalten und auf dem Platz kein Käse zu machen." So könne sich mancher auf dem Bolzplatz beweisen, seine zweite Chance nutzen und dann vielleicht auch wieder bei einem Verein einsteigen. Auch habe man mit der Liga die feindlichen Fronten zwischen manchen Stadtteilen aufbrechen wollen. "Das ist uns auch gut gelungen", findet Bambusek. "Diese Rivalitäten waren nur ganz am Anfang ein Thema". Als Mann der ersten Stunde freue ihn besonders, "hier 18-jährige Spieler zu sehen, die als Zehnjährige bei uns angefangen haben". mfo

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