Konzentration und Ehrgeiz: Lena Djeriou ist ihrem Gegener fast immer einen Schritt voraus - manchmal sogar ihrem Landestrainer Frank Hölperl, den sie für das Foto auf die Matte gelegt hat. FOTO: hamerski
+
Konzentration und Ehrgeiz: Lena Djeriou ist ihrem Gegener fast immer einen Schritt voraus - manchmal sogar ihrem Landestrainer Frank Hölperl, den sie für das Foto auf die Matte gelegt hat.

Frankfurter Gesichter

Sie legt (fast) jeden auf die Matte

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
    schließen

Zweifache deutsche Meisterin ist ein Vorbild für den Judo-Nachwuchs der TSG Nordwest- Traum von Olympia

Sehr gut kann sich Sven Wagner noch an den Moment erinnern, als er Lena Djeriou zum ersten Mal getroffen hat. Vier Jahre alt war das Mädchen damals, mit ihren großen dunkelbraunen Augen, die Arme auf dem Rücken verschränkt, habe sie ihn erwartungsvoll angeschaut, sagt der Judo-Trainer der TSG Nordwest. Über zehn Jahre ist diese Begegnung, die beim Krabbeljudo des Sportvereins stattfand nun her. Aus dem kleinen Mädchen von damals ist eine junge, selbstbewusste, erfolgreiche Sportlerin geworden. Die 17-Jährige ist seit Mitte Oktober zweifache deutsche Meisterin, in der U18- und U21-Klasse bis jeweils 52 Kilogramm ist. "Viele unsere Nachwuchs-Judoka wollen so sein wie Lena. Sie ist ein echtes Vorbild", sagt Wagner.

Mehr als nur ein Sport

Komplimente, die Lena zwar freuen, ihr zugleich aber auch ein wenig unangenehm sind. Sie lehnt an der Wand der Turnhalle in der Otto-Fleck-Schneise, immer dienstags trainiert sie dort im Landeskader des Hessischen Judo-Verbandes. Bei Frank Hölperl, der schon das ein oder andere Talent groß machte. "Ich sehe mich eigentlich weniger als Vorbild, freue mich aber natürlich auch, wenn wegen mir Kinder mit Judo anfangen. Denn es ist mehr als nur Sport, es hilft für das ganze Leben", sagt die 17-Jährige, die vor einigen Jahren sogar mit ihrem Vater Djelloul Djeriou die Jüngsten bei der TSG im Krabbeljudo trainierte. Der Kurs, in dem auch sie anfing.

Ihr Vater habe sie damals einfach dorthin mitgenommen, beide blieben. Er als Trainer, sie als Sportlerin, seit einigen Jahren das größte Talent der TSG. "Lena war eben schon immer etwas besonderes", sagt ihr Heim-Trainer Sven Wagner.

Training schlägt Talent

Und er muss es wissen, bereits sei 2005 ist er im Verein, hat schon viele Kinder kommen und gehen sehen. Dabei gebe es sicher Judoka, die von Natur aus mehr Talent mitbrächten als Lena. Darauf komme es aber letztlich nicht an. Denn, Training und Konzentration schlagen Talent, sagt Wagner. Plus einen gesunden Ehrgeiz. All das habe Lena.

Ja, sagt die junge Frau, ich bin schon sehr ehrgeizig. Aber in einem gesunden Maße. "Ich will alles wissen. Ich möchte lernen, wie die Techniken funktionieren, statt sie einfach nachzumachen. Nur so kann ich sie auch wirklich anwenden", sagt Lena. Das sei schon immer so gewesen. Und sicher einer der Gründe, warum sie ihre Ziele stets erreicht habe. Mit 13 Jahren hatte sie schon den braunen Gürtel, mit 16 sollte der schwarze, der erste Gürtel der Meistergrade (Dan) folgen. Auch das hat funktioniert. "Es ist ihr starker Wille, der sie dorthin gebracht hat", sagt Trainer Wagner.

Neben den Wettkämpfen - vor Corona waren es an die 15 im Jahr, oft im Ausland - die Lena absolviert, sei es die Philosophie des Judos, die sie so sehr fasziniere. Respekt, Höflichkeit und Freundschaft, alles Dinge, die auch sonst im Leben wichtig seien. Und: Das Team stehe im Mittelpunkt, obwohl es sich ja um einen Einzelsport handele. "Man kämpft mit dem Gegener und nicht gegen ihn", erklärt Lena.

Fünfmal die Woche trainiert sie in der Halle, plus zweimal Kraft- und einmal Lauftraining. Ein hartes Programm. "Von nichts kommt nichts, und wenn man mal hinfällt, muss man wieder aufstehen", sagt die junge Frau, die neben dem Sport kaum Freizeit hat. Denn sie besucht die elfte Klasse der Ziehenschule, in zwei Jahren macht sie dort ihr Abi und strebt einen Einser-Durchschnitt an. Mit den Leistungskursen Mathematik und Physik. "Beim Judo kann ich von der Schule abschalten und umgekehrt. Das ist jeweils ein guter Ausgleich", sagt sie. Erst vor wenigen Tagen habe sie eine Liste gefunden, die sie als kleines Mädchen geschrieben habe. Mit ihren Zielen. Ganz unten steht dort: Olympia. "Das verfolge ich noch immer, 2028 sind die Spiele in Los Angeles. Das wäre ein echter Traum", sagt sie. Ein Traum, bei dem ihr Vater, Trainer Sven Wagner und die gesamte TSG Nordwest sie gerne begleiten würden. "Der Zusammenhalt ist schon immer das, was unseren Verein ausgemacht hat", wirbt Wagner zugleich für die Judo-Abteilung. Deren Zulauf durch die Pandemie "arg gelitten" habe. Welchen Weg man dort gehen könne, zeige der von Lena. Die übrigens schnell mal ihren Landestrainer auf die Matte legt. judith dietermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare