Ließen sich auch vom schlechten Wetter nicht schrecken:Katja Becker, Levi (6) und Ava (5). foto: Enrico sauda
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Ließen sich auch vom schlechten Wetter nicht schrecken:Katja Becker, Levi (6) und Ava (5).

Dornbusch: Müllaktion

Sie räumen den Dreck der anderen weg

  • vonKatja Sturm
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Weniger Abfall auf dem Sinai-Gelände als früher gefunden

Der Regen hat die Wege schlüpfrig gemacht. Die 20 bis 30 Helferinnen und Helfer, die an diesem Samstagmorgen an den Rand der Sinai-Wildnis gekommen sind, um diese trotz Sturmwarnung von Müll zu befreien, kann das jedoch nicht abhalten. Ausgerüstet mit Zangen, Handschuhen und Müllbeuteln, die das Grünflächenamt auf die Bitte der hier zuständigen Vogelbeauftragten Manuela Melchior hin angeliefert hat, schlagen sich Erwachsene und Kinder in die Büsche der Anlage, die Urwaldcharakter hat. Der überwiegend der Natur und damit auch den Insekten und Vögeln überlassen ist und noch nicht von Menschen in einen gestutzten Park verwandelt wurde.

Die Vögel nicht stören

Der Zeitpunkt kurz vor Ostern ist mit Bedacht gewählt. Die Vogelstimmen, die von den Bäumen herab klingen und unter denen Melchior unter anderem die Singdrossel identifiziert, zeugen von der bevorstehenden Brutzeit. Ist die erst mal richtig in Gang gekommen, sollten die Tiere ihre Ruhe haben und nicht mehr von den Abfallsuchern aufgeschreckt werden.

Keine halbe Stunde ist vergangen, da wird der Fund des Tages vermeldet. In negativer Hinsicht wohlgemerkt. Melchior hat eine Geschichte dazu parat. Vor zwei, drei Jahren, erzählt sie, habe auf dem Streetballplatz, der als Treffpunkt für die Aktion ausgewählt wurde, ein Einkaufswagen gebrannt. Der Boden musste teilweise erneuert werden. Jetzt fand jemand, gut verborgen, Kunststoffreste im Gehölz, die mit dem ehemaligen Belag identisch sein könnten. Beweise dafür gebe es nicht, betont Melchior vorsichtig. Aber seltsam mutet der Vorgang sie und ihre Mitstreiter an.

Abgesehen von solchen Einzelfällen hat sich die Lage im Dickicht in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Wurden hier früher sogar Waschmaschinen oder andere größere Geräte entsorgt, sind es jetzt vor allem Plastikteile, Papierschnipsel oder Flaschen, die man hier findet. Statt zweier Container wie einst sind nur noch ein paar Schubkarren zum Abtransport nötig. Schulkinder, erzählt Melchior, nehmen auf ihrem Weg gerne die Abkürzung durch den Wald. Während der Einschränkungen durch die Pandemie zog es in den vergangenen Monaten aber auch viele hierher, die sonst vielleicht weniger durch die Natur flanieren.

Ariane, die in der Nähe wohnt, schätzt die Alternative zu den gepflegten Anlagen schon lange. "Sie liegt uns am Herzen", und wenn sie oder jemand anderes aus der Familie hier Freizeit verbringen, heben sie auch an jedem anderen Tag das auf, was Leute haben fallen lassen.

Buben helfen freiwillig mit

Sohn Lukas und dessen achtjähriger Freund Felix sind freiwillig mitgekommen. "Es macht Spaß, hier aufzuräumen", betont der Elfjährige. Zum ersten Mal sei er "bewusst" dabei; dass er so ordentlich erscheint, sagt seine Mutter lächelnd, sei "eine Momentaufnahme".

Spannende Beute tritt zutage: Ein bemooster Fußball, der sich nach einigen Versuchen aber doch als nicht mehr spielbar herausstellen wird. Und ein Boomerang, den der Werfer offenbar nicht mehr gefunden hat. Und eine Vase, die mit ein bisschen Mühe wieder glänzen könnte.

Eine ältere Frau, die mit ihrem Hund spazieren geht, schaut gespannt herüber. Sie sei nur zufällig gerade hier, erklärt sie. Aber beim nächsten Mal komme sie vielleicht dazu. "Wo meldet man sich an?" Nötig sind solche Formalien nicht. An Bänken und Pfählen waren die Einladungen ausgehängt. So wie in den vergangenen mehr als 25 Jahren, in denen eine Bürgerinitiative die Putzaktion organisierte. Diesmal herrschten Unklarheiten wegen der Pandemie. Melchior wollte die Tradition trotzdem durchziehen. Auf Snacks und Getränke, wie üblich, verzichtete sie.

Ein Biotop hinter Hecken

Erst kürzlich hat es auf dem Gelände eine Veränderung gegeben. Ein kleiner Teil der Wildnis wurde abgetrennt, indem man die beiden Zugänge durch Heckenpflanzen verschloss. Ein Biotop entstand.

Ein weiterer Fortschritt zum Wohl der Natur. "Vernünftig sind wir aber noch lange nicht", betont Ariane. "Sonst sähe die Welt nicht so aus." Katja Sturm

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