Marcus Sauer, Geschäftsführer der GSP, Helferin Teresa Virag und Bea Graf organisieren die Sammelaktion.
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Marcus Sauer, Geschäftsführer der GSP, Helferin Teresa Virag und Bea Graf organisieren die Sammelaktion.

Spendenaktion in Fechenheim

Sie sammeln für die Opfer des Hochwassers

  • VonFriedrich Reinhardt
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In der Ferdinand-Porsche-Straße wird gepackt, kontrolliert und priorisiert.

Teresa Virag kommt kaum zum Verschnaufen. Sie steht auf dem Podest vor der Lagerhalle und dirigiert die Helferinnen. "Die Kiste kannst du mir rauf geben", sagt sie und greift nach dem Karton. Der nächsten Helferin ruft sie zu: "Das kommt dort rüber." Dann öffnet sie eine der Kisten, die um sie herum aufgestapelt sind.

In der Ferdinand-Porsche-Straße, wo sonst Lkws Küchenbauteile für die "Gastro Service Profis Gesellschaft" (GSP) anliefern, steht der ganze Hof voll mit Umzugskartons. "Damenkleidung", "Spielzeug" oder auch "Gummistiefel" haben die Spender drauf geschrieben. Es sind Spenden für Hochwasseropfer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Die Helfer, die hier Kisten öffnen, den Inhalt kontrollieren, ob die Kleider, Spielsachen oder Hygieneartikel in gutem Zustand sind, sind spontan gekommen. Sie kennen sich oft nicht, auch Virag kannte bis Montagmorgen niemanden in Frankfurt. Sie ist eben erst aus Österreich her gezogen. Über die Social-Media-Plattform Instagram hat sie von der Sammelaktion erfahren. Auch die Aktion selbst ist quasi auf Instagram entstanden, erklärt Bea Graf.

Organisiert über Instagram

Graf arbeitet für die Agentur Envy im Ostend und hat mit Marcus Sauer, dem Geschäftsführer von GSP, die Spendenaktion auf die Beine gestellt. Über Instagram habe sie Kontakt zu Kevin Haupt, einem Floristen aus der Stadt Düren zwischen Köln und Aachen, aufgenommen. Sein Geschäft sei selbst überschwemmt worden, nun kann man auf Instagram seine Hilfsaktion nahezu in Echtzeit verfolgen. Über Haupt fanden Graf und Sauer Kontakt zu den Organisatoren vor Ort und erfahren von ihnen, was gebraucht wird und was nicht.

Meist sind die Sachen, die in der Ferdinand-Porsche-Straße abgegeben werden, in gutem Zustand, vieles ist neu oder kaum gebraucht. "Die Menschen bringen zum Teil Marken-Klamotten, die noch originalverpackt sind", erzählt Virag. Graf bestätigt das. "Die Leute gehen zum Drogeriemarkt, kaufen den leer und bringen es hier her." Dass jemand die Spendenaktion missbraucht, um alten Mist aus seinen Schränken zu entsorgen, das gebe es kaum.

Kleidung wird nicht mehr angenommen

"Wo soll ich das hinstellen?", fragt eine Spenderin, die gerade auf den Hof gefahren kam. "Was haben Sie denn?", fragt Graf. Es sind Kleidungsstücke und Gummistiefel. "Gummistiefel sind gut", erklärt Graf. "Aber Kleidung können wir nicht mehr annehmen." Den ganzen Nachmittag müssen Graf und Sauer Spender abweisen. Zu viel Kleidung und Bettwäsche und zu wenig von dem, was es braucht. Oder besser: Was jetzt gebraucht wird.

Mit den Sachspenden ist es so eine Sache. Betroffene benötigen sie zwar, aber nicht alles zur gleichen Zeit. "Die Menschen, die ihre Häuser und alles verloren haben, sind jetzt in Hotels untergebracht", erklärt Sauer. "Was wollen die jetzt mit Bettwäsche?" Und die Spendenbereitschaft ist deutschlandweit riesig.

Darum nimmt etwa der vom Hochwasser stark betroffene Landkreis Ahrweiler zunächst keine Sachspenden mehr an. Auf Twitter schreibt der Landkreis: "Wir weisen nochmals darauf hin, dass die Kapazitäten in den Anlaufstellen für Sachspenden im Augenblick erschöpft sind. Die vorhandenen Spenden müssen zuerst verteilt werden." Auch das Technische Hilfswerk in Frankfurt berichtet: "Die meisten Sammelstellen sind bereits am Limit. Bitte ruft dort an, bevor ihr Spenden vorbeibringt und habt etwas Geduld. Die Logistik ist kompliziert und braucht Zeit. Auch in ein oder zwei Wochen werden noch Spenden gebraucht."

Eines der wichtigsten Güter, mit denen GSP in Fechenheim helfen kann, ist deshalb: Lagerraum. "Wir haben Platz für rund 100 Paletten", sagt Geschäftsführer Sauer. Dort wird etwa die Kleidung - verpackt und bereit für den Transport - eingelagert. Wann und wohin genau die Spenden gebracht werden, steht noch nicht fest. "Wenn sie abgerufen werden, bringen wir sie zum Nürburgring oder vielleicht nach Köln", sagt Sauer. Der Transport mit dem Nötigsten soll am Freitag starten.

In vielen Hochwasserregionen gibt es kein fließend Wasser, oft auch keinen Strom. Darum brauchen Betroffene und Helfer neben Gummistiefeln und Arbeitshandschuhen vor allem Hygieneartikel, sagt Bea Graf. Also Tampons, Binden, Windeln, Zahnbürsten, Zahnpasta, Deo, Feuchttücher. Ebenso Taschenlampen, Gaskocher, Feuerzeuge, Kerzen und Batterien. Ohne Strom lassen sich Handys nicht laden. Darum "werden Powerbanks noch wochenlang gebraucht werden", sagt GSP-Chef Marcus Sauer. Powerbanks sind Akkus, mit denen sich Handys aufladen lassen. Sie sollten vollgeladen gespendet werden. Friedrich Reinhardt

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