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Sie schlagen Arbeitgebern eine Brücke

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Von: Holger Vonhof

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Jürgen Schmidt, hier mit Tröte und IG BCE-Teddy, und seine Kollegen auf der (Tarif-)Brücke. FOTO: Maik Reuß
Jürgen Schmidt, hier mit Tröte und IG BCE-Teddy, und seine Kollegen auf der (Tarif-)Brücke. © Maik Reuß

IG BCE macht Druck zur Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen

Bevor es gestern Mittag auf die Leunabrücke ging, riet Ralf Erkens den Industriepark-Mitarbeitern per Megafon, sich warm einzupacken: "Da oben weht ein kräftiges Windchen; das ist nun mal so in Tarifverhandlungen." Rund 600 Beschäftigte, so schätzt Erkens, aus verschiedenen Gesellschaften aus dem Industriepark Höchst haben sich gestern an einer Aktion beteiligt, zu der die Industriegewerkschaft Industrie, Bergbau, Energie (IG BCE) aufgerufen hatte. Erkens ist Bezirksleiter der IG BCE und begründet die Aktion, eine Menschenkette über die Leunabrücke vor der Kulisse des Industrieparks zu schlagen, so: "Weil die Arbeitgeber noch nicht verstanden haben, wie man eine Brücke baut." Während Erkens über Megafon "Ohne Lücke auf die Brücke" skandierte, wurden an die Teilnehmer Abschnitte rot-weißen Flatterbands ausgegeben, auf denen "Wertarbeit" stand - das Flatterband sollte die Abstände zwischen den Teilnehmern etwas flexibler gestalten. Der Protest fand in der Mittagspause statt. Deshalb wurden per Lastenrad belegte Brötchen verteilt. Bei der letzten Aktion im Industriepark Höchst hatten 2019 rund 800 Beschäftigte teilgenommen. Insgesamt arbeiten auf dem etwa vier Quadratkilometer großen Areal mehr als 20 000 Menschen, allerdings längst nicht mehr ausschließlich in klassischen Chemie-Berufen.

Der erste große Flächenabschluss

Bei den Tarifgesprächen geht es um den ersten großen Flächenabschluss des Jahres. Bei den Verhandlungen zwischen der IG BCE und dem Arbeitgeberverband BAVC könnte es wegen der hohen Inflation und des Ukraine-Kriegs zunächst nur einen Teilabschluss geben mit ersten Lohnsteigerungen oder Einmalzahlungen.

Zum Auftakt der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für die deutsche Chemie- und Pharmabranche haben die Arbeitgeber erneut vor Belastungen wegen des Ukraine-Kriegs gewarnt. "Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges für unsere Branche sind dramatisch", sagte Verhandlungsführer Hans Oberschulte. "Die Kosten für Energie und Rohstoffe explodieren, steigende Preise können nicht weitergegeben werden, und über allem schwebt das Damoklesschwert eines Importstopps für russisches Gas." In dieser Situation Tarifverhandlungen für 1900 Betriebe mit rund 580 000 Beschäftigten zu führen, das sei ein Drahtseilakt. hv / dpa

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