Gruppenbild vor einer gepflegten, alten Schönheit in Schwarz-Rot: Die HEF-Vorsitzende Siegrid Zscherneck, der Zweite Vorsitzende Florian Faust, der Lokführer Dominik Eckardt und Dominique Babuke. Für Tourenfahrten ist viel Geld vonnöten.
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Gruppenbild vor einer gepflegten, alten Schönheit in Schwarz-Rot: Die HEF-Vorsitzende Siegrid Zscherneck, der Zweite Vorsitzende Florian Faust, der Lokführer Dominik Eckardt und Dominique Babuke. Für Tourenfahrten ist viel Geld vonnöten.

Ostend

Sie sorgen sich um ihre eiserne Lady

  • VonBrigitte Degelmann
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Der Verein Historische Eisenbahn aus Frankfurt sammelt Spenden für seine Dampflok 524867, Baujahr 1943. Denn im kommenden Jahr muss die Lok zum TÜV. Das verschlingt viel Geld.

Die alte Dame hat trotz ihrer knapp 80 Lenze immer noch einen gesunden Appetit. Allerdings nicht auf Kalorien, sondern auf Kohle. Schließlich geht es um die Dampflokomotive 524867, Baujahr 1943. Der schwarzglänzende Koloss mit den roten Rädern - fast 23 Meter lang und gut 84 Tonnen schwer - ist das Prunkstück des Vereins Historische Eisenbahn Frankfurt (HEF).

Aber eines, das den Mitgliedern auch Sorgen bereitet. Denn nächstes Jahr steht wieder eine Hauptuntersuchung für die Lok an, der sogenannte Eisenbahn-TÜV, der alle sechs bis acht Jahre fällig ist. Was jedes Mal Kosten in sechsstelliger Höhe verschlingt, sagt der Zweite HEF-Vorsitzender Florian Faust. Wie der Verein das finanzieren kann? Keine Ahnung, sagt Faust. Zumal der HEF schwer unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden hat. Eineinhalb Jahren durfte er so gut wie keine Sonderzugfahrten mehr anbieten, weshalb auch etliche Einnahmen wegbrachen. Schon vor zwei Jahren musste der Verein eine zweite Dampflok abgeben, aus Kostengründen.

"Schlimmstenfalls", befürchtet Faust, dürfe Lokomotive Nummer 524867 ab nächstem Jahr nicht mehr durch die Lande rollen. Um das zu verhindern, hat der HEF jetzt eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Denn eine Stilllegung würde nicht nur die 135 Vereinsmitglieder schmerzen, sondern wohl auch viele andere Menschen. Die Sonderzug-Touren mit dem Dampfross erfreuen sich nämlich großer Beliebtheit. Sie führen etwa nach Straßburg, Rüdesheim und Michelstadt. Oder ins nordhessische Borken, wie kürzlich zum Saisonauftakt. Fahrten, für die viele Anträge und Genehmigungen notwendig sind. Schließlich ist man dabei auf dem öffentlichen Eisenbahnnetz unterwegs. Weil die Bahn immer mehr Strecken digitalisiert, dürfte das in Zukunft noch schwieriger werden. Denn diese Routen bleiben der Dampflok verschlossen. "Wir müssen um Finanzen und gegen die Regulierung kämpfen", seufzt Faust.

Schon am Tag vor einer Tour mit dem schwarzen Koloss haben HEF-Mitglieder auf dem Betriebsgelände im Ostend alle Hände voll zu tun. 24 Stunden vorher beginnen sie mit dem Anheizen, um auf eine Betriebstemperatur von mehr als 1000 Grad zu kommen. Zwar könnte man die Prozedur auch beschleunigen. Aber, gibt der Zweite Vorsitzende zu bedenken, der alte Stahl dehne sich dabei aus, was wiederum Risse verursache: "Je langsamer wir anheizen, desto schonender ist es für das Material."

Zehn bis zwölf Tonnen russische Steinkohle verschlingt die Lok auf der Hin- und Rückfahrt nach Borken, immerhin 330 Eisenbahn-Kilometer. Nicht nur für die Heizer, die die Kohle in den Kessel schaufeln müssen, eine Strapaze, sondern auch für die Lokführer. Denn während der Fahrt herrschen im Führerstand meist Temperaturen um die 60 Grad. Dennoch kommt Lokführer Dominik Eckardt ins Schwärmen, wenn er von der schwarzglänzenden Maschine erzählt, die zunächst für das Dresdner Bahnbetriebwerk Komotau rollte und später durch Österreich schnaufte: "Man hört und sieht die Kraft, die sich hier entfaltet. Bei ihr merkt man auch, wenn sie sich anstrengen muss. Das ist fast wie ein lebendiges Wesen."

Den 16-jährigen Dominique Babuke, der sich seit einiger Zeit bei der HEF engagiert, fasziniert der Koloss ebenfalls: "Bei diesen Maschinen kann man noch alles sehen, anders als bei den modernen Loks. Und diese Dampflok ist so mächtig und gewaltig, das ist schon ein Erlebnis."

Im Fuhrpark des Vereins finden sich aber noch andere Schätze. Etwa ein liebevoll hergerichteter Mitropa-Speisewaggon - "unser feuerroter Ferrari", sagt Faust und schmunzelt. Ebenso gibt es vier Dieselloks, gebaut in den Jahren 1934 bis 1950, dazu fünf große Reisezugwaggons, zwei alte Dreiachser aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und ein alter hölzerner Güterwagen, der sogar noch über eine spartanische Bremserkabine verfügt.

Doch das Herzstück ist die Lok mit der Nummer 524867. Zwar gibt es solche Exemplare auch in Museen. Aber einen solchen Koloss unter Dampf und in voller Fahrt zu erleben - "das ist einfach etwas wirklich Außergewöhnliches", sagt Faust. "Das ist die Grundlage unserer Industriegesellschaft."

Prunkstück: Die Tourenfahrten mit der Dampflokomotive 524867, Baujahr 1943, sind sehr beliebt, machen aber auch viel Arbeit.

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