An der provisorischen Rettungsleiter, die zu einem Fenster führt, halten die August-Gräser-Schüler ihre selbstbemalten Protestplakate hoch, unterstützt von ihrer Schulleiterin Saskia Ghribi und Lehrerin Soo-Young Hirsch-Yun (v.l.) FOTO: maik reuss
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An der provisorischen Rettungsleiter, die zu einem Fenster führt, halten die August-Gräser-Schüler ihre selbstbemalten Protestplakate hoch, unterstützt von ihrer Schulleiterin Saskia Ghribi und Lehrerin Soo-Young Hirsch-Yun (v.l.)

Schwanheim: Frankfurter Schüler protestieren

Sie wollen nicht länger auf einer Dauerbaustelle lernen

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Seit sechs Jahren schon ist die August-Gräser-Schule ein lernfeindliches Provisorium.

Manchmal hilft gegen Frust nur Kreativität: Mit einer Petition an den Ortsbeirat, einem mit Musiklehrerin Soo-Young Hirsch-Yun eingeübten Protestsong und bunten Tafeln mit Hilferufen machen die Kinder der August-Gräser-Schule dieser Tage auf ihre Notsituation aufmerksam. Denn ihre Schule ist seit sechs Jahren eine einzige Baustelle. Damals, berichtet Schulleiterin Saskia Ghribi, begannen die Arbeiten, um die inklusiv arbeitende Schule barrierefrei zu machen - bis heute sind sie nicht abgeschlossen.

Mit dem Rolli nicht in den Aufzug

Was sie beschreibt, erinnert an einen Schildbürgerstreich: So wurde der Aufzug für das vierstöckige Schulgebäude zwar in diesem Jahr fertiggestellt. Dummerweise aber nicht der Eingang. Die Folge: Ein Kind im Rollstuhl käme vom Schulhof her nicht in den Aufzug. "Und auf der Toilette", ergänzt Ghrabi, "haben wir zwar eine Schnur, an der in Notfällen gezogen werden kann - allerdings ist die mit keinem Alarm oder Signal verbunden".

Doch die Liste der Mängel und Absurditäten endet hier keinesfalls: So warten Lehrer, Schüler und Eltern immer noch auf ein Treppenhaus - der zweite vorgeschriebene Fluchtweg im Brandfall. Bislang steht dort nur im Freien ein Gerüst als provisorische Treppe. Die ist mit ihrem niedrigen Treppengeländer aber nicht ungefährlich.

Grund zur Sorge geben aber auch offene Elektrokabel und Fenster im Hauptgebäude, durch die nach Schilderungen der Lehrer im Winter der Wind pfeift und der Regen fällt. "Da schwimmen Bäche und es ist kalt", sagt Saskia Ghrabi.

Ein weiteres Provisorium ist der Container im Modulbau. "Wir haben wegen unserer Raumnot um ihn gekämpft und sind froh, dass wir ihn haben", erklärt Ghrabi. Leider aber nehme der Container auch zusätzlichen Platz auf Kosten des Schulhofs in Anspruch. Eine Machbarkeitsstudie für einen permanenten Erweiterungsbau an günstigerer Stelle, etwas weiter drüben bei den Toiletten, sei schon erstellt - aber auch hier scheint sich in der Wahrnehmung der Betroffenen nichts zu tun.

"Die Pläne gibt's, das Geld ist bewilligt, aber es passiert nichts", ist Ghrabi überzeugt. Sie glaubt, dass das Problem darin begründet liege, dass die Bauleitung in den vergangenen Jahren mehrfach gewechselt habe, der jeweilige Nachfolger aber nie den Stand der Dinge übermittelt bekam und gleichsam wieder von Null an beginnen musste. Auch kritisiert die Schulleiterin, "dass mit uns die Maßnahmen und Pläne oft gar nicht kommuniziert werden".

Ausbaden müssen das vor allem die Kinder: Denn die Provisorien engen den Schulhof ein, es fehlt an Spielgeräten und an Bäumen.

Das kritisiert auch fraktionsübergreifend der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen), der sich das Anliegen der Schule nun zu eigen gemacht hat und den Magistrat zu einer verbindlichen Aussage drängt, wann es mit den Baumaßnahmen weitergeht und wie die Perspektive zum Erweiterungsbau ist.

Wachgerüttelt hatte die Stadtteilpolitiker ein berührender Auftritt der Schülervertreter Paulina und Alexander auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates.

In der Bürgerfragestunde schilderten die beiden ihre Notlage sehr anschaulich und überreichten Ortsvorsteherin Susanne Serke eine Petition - inklusive bunter Zeichnungen.

Zu laut, zu viele Kabel

Und für den Ortstermin mit dieser Zeitung haben die Klassensprecher fleißig Plakate gemalt, auf denen ihre Forderungen zusammengefasst sind. "Die Baustelle nervt uns!" steht auf dem von Lukas, während Jana und Matteo beklagen: "Wir können nicht lernen. Es ist zu laut!"

In die gleiche Kerbe hauen Alexander und Ellen: "Zu viel Kabel! Kein Ort zum Lernen! Es ist zu laut", haben sie auf ihr Plakat geschrieben. Pauline und Mikail bringen es so auf den Punkt: "Der Schulhof ist viel zu klein. Die Baustelle ist viel zu groß. Gefahr für Schüler!"

Der Hilferuf von Jonas und Marie schließlich lautet: "Wir können uns nicht konzentrieren!"

Michael Forst

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