Johnny (11), Alejandro (11) und Adin (10) wissen seit ihrem Besuch im Bärengarten, wie gut frische Grie Soß schmecken kann.
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Johnny (11), Alejandro (11) und Adin (10) wissen seit ihrem Besuch im Bärengarten, wie gut frische Grie Soß schmecken kann.

Bio-Betrieb Bärengarten

Sieben Kräuter für ein gutes Gefühl

  • vonThorben Pehlemann
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Um städtischen Bio-Anbau zu entdecken und von den sieben magischen Kräutern Oberrads zu kosten, besuchten Fünftklässler der Bettinaschule die Gemüse-Gärtnerei Bärengarten.

Zwischen den gläsernen Gewächshäusern der Gemüse-Gärtnerei Bärengarten ist ganz schön was los: Fünftklässler der Bettinaschule staunen über das frische Grün, das aus dem Boden sprießt, genießen die Frühlingssonne, fotografieren sich mit dem Handy – und stellen zum ersten Mal in ihrem Leben das Frankfurter Nationalgericht mit den eigenen Händen her: Grie Soß. Der Spaß am gemeinsamen Zerkleinern der sieben magischen Kräuter ist auch von Weitem nicht zu überhören.

Fragt man die Kinder, was in die Grie Soß denn reingehört, kommt die Antwort gleichzeitig aus mehreren Kehlen: „Kerbel, Schnittlauch, Borretsch, Pimpernelle, Kresse, Sauerampfer, Petersilie!“ Kaan (11) betont zudem, dass hier im Bärengarten alles biologisch angebaut werde und dass man die Kräuter ganz fein zerschneiden müsse. Und Sahel (11) weist darauf hin, dass es auch Eier, Senf, Schmand, Salz und Pfeffer für die Grie Soß brauche. Von Alejandro (11) erfährt man danach, dass „gute Ernährung wichtig für Gesundheit und Wachstum“ sei. Und Adin (10) erklärt, dass man Grie Soß nur im Frühling und Sommer bekommt, wenn die Kräuter in Deutschland wachsen. „Wenn man im Winter Grüne Soße kauft, kommen die Zutaten aus anderen Ländern. Das ist schlecht für die Umwelt, weil durch den Transport viel Kohlendioxid freigesetzt wird.“ Die Kinder haben offensichtlich genau zugehört, was ihre Lehrerinnen und Barbara Clemenz vom Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ erzählten.

„Über gesunde Ernährung können die Kinder noch viel lernen“, meint entsprechend Susanne Wismans, Deutsch- und Sportlehrerin der Bettinaschule. Bei vielen Kindern bemerke man nämlich, dass sie in der Stadt aufwachsen, Landwirtschaft und Wiesenpflanzen nicht kennen: „Für manche ist das hier Neuland“, sagt sie. Insofern sei sie froh, dass es Programme wie das städtische „Entdecken, Forschen und Lernen 2015“ gibt, welches Kindern und Familien die Vielfalt des Grüngürtels näherbringt.

„Wir haben die Ernährung als Schlüsselbegriff für eine nachhaltige Entwicklung von Heranwachsenden aufgegriffen“, erläutert Barbara Clemenz den Hintergrund des Projekts „Sieben Tage, sieben Kräuter“. Schließlich biete das Thema „einen großen Handlungsspielraum, um selbst zukunftsorientiert denken zu üben“. Mit den Begriffen „saisonal, regional und Bio“ könne ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz hergestellt werden. „Grie Soß gibt es zwischen März und Juni, fertig, aus. Man muss sich im Winter überlegen, ob es die Kohlendioxid-Ausstöße wert sind, Zutaten aus Nordafrika oder Spanien einfliegen zu lassen“, sagt Clemenz – und hat das saisonübergreifende Angebot an Gemüse und Obst ganz generell im Blick. „Müssen Kirschen zu Weihnachten sein? Oder Tomaten im Salat? Es können doch auch Karottenscheiben sein.“ Die Kinder würden durch derartige Informationen dafür sensibilisiert, „wie viel man als Verbraucher am Angebot im Supermarkt drehen kann“. Momentan sei die Gesellschaft noch in der Situation, dass das Verbraucherverhalten gewandelt werden könne, hin zu einem saisonalen und regionalen Fokus.

Was ein fehlendes Ernährungsbewusstsein bewirkt, weiß Clemenz nämlich ebenfalls: Laut wissenschaftlichen Studien, teilt der Verein Umweltlernen mit, leidet ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren an Essstörungen. Clemenz macht dafür vor allem Fast-Food aus der Mikrowelle und die Schnelllebigkeit unserer Zeit verantwortlich. „Mit der Familie zu kochen und zu essen ist nicht mehr überall verankert, Traditionen sind schwer aufrecht zu erhalten“, bemerkt sie und fragt: „Welche Familie bewirtschaftet denn noch einen Schrebergarten?“ Umso wichtiger, betont Clemenz, seien daher heute Schulgärten, wo Heranwachsende selbst Gemüse anpflanzen und mit der Natur in Kontakt kommen – und natürlich Orte wie der Bärengarten in Oberrad: „Ein Kleinod im Grüngürtel.“

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