Arne Hoffmann ist im Stress. Für das Main-Äppelhaus gehört er zu dem Team, dass die neue mobile Kelterei betreibt. Am ersten Tag sitzen die Handgriffe noch nicht ganz und der neue Filter macht Ärger. foto: reinhardt
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Arne Hoffmann ist im Stress. Für das Main-Äppelhaus gehört er zu dem Team, dass die neue mobile Kelterei betreibt. Am ersten Tag sitzen die Handgriffe noch nicht ganz und der neue Filter macht Ärger. foto: reinhardt

Kelterauftakt

In sieben Schritten bis ins Glas

  • vonFriedrich Reinhardt
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Das Main-Äppel-Haus in Frankfurt nimmt seine mobile Presse in Betrieb - 600 Liter in der Stunde möglich

Zur Ruhe kommt Arne Hoffmann an diesem Vormittag nicht. Der 18 Jahre alte Mann läuft hektisch im grünen Main-Äppel-Polo immer wieder von der Filteranlage zur Bandpresse und wieder zurück. Plötzlich spritzt der Apfelsaft aus dem Deckel der schmalen Metallröhre mit dem Beutelfilter.

Es ist das erste Mal, dass das Main-Äppel-Haus das neue Keltermobil in dieser Saison in Betrieb nimmt, die Zeitfenster sind fast alle ausgebucht, doch die Arbeitsabläufe sind noch nicht eingespielt. Dann ist da noch das Problem mit dem Filter. Hektisch zieht Hoffmann die Verschlüsse fest. Apfelsaft zieht in das grüne Polo-Shirt ein. Es ist der Apfelsaft von Norbert Reichhold.

Faszinierende Maschine

Etwa 150 Kilogramm Äpfel habe der 64 Jahre alte Mann mit Brille und dunkelrotem Pullover aus Altenstadt im Wetteraukreis nach Frankfurt gefahren. Er rechnet damit, dass die mobile Kelterei 75 Liter Apfelsaft aus seinen Früchten heraus pressen wird. Soviel seien es durchschnittlich gewesen, als noch Dieter Wissel aus Königshofen das Keltermobil betrieben hat. Von ihm hat das Main-Äppel-Haus den Anhänger mit der faszinierenden Maschine übernommen.

Dass ein paar Liter verloren gehen und aus dem Beutel-Filter-Behälter spritzen, findet Reichhold halb so wild. Er steht geduldig daneben. Er lächelt freundlich, dann verschmitzt und sagt: "Sie müssen noch ein bisschen üben."

Die kleine Anlage auf dem Anhänger sieht aus wie Miniaturversion einer Chemie-Anlage, könnte aber auch Teil eines Raumstation sein. Mehrere Arbeitsschritte laufen in der Edelstahl-Konstruktion gleichzeitig ab.

Die Äpfel werden zunächst auf ein Förderband geschüttet. Das Band trägt sie in die Waschwanne. "Ständig fließt hier frisches Wasser rein", sagt Wilfred Stöcker-Lebzien, der das Team des Keltermobils leitet. In der Wanne werden Dreck, Laub und Insekten abgewaschen.

Links neben der Wanne, im Inneren der dicken Röhre werden die gewaschenen Äpfel mit einer Steigschraube nach oben transportiert und fallen dann links herunter in den Muser. Die Äpfel werden hier klein gehäckselt. Ein grober Brei entsteht.

Direkt unter dem Muser rotiert eine Walze eng neben einem fest gespannten Band. Der Brei wird zwischen Walze und Band durchgedrückt und der Fruchtsaft so ausgepresst. Der Saft fließt hinab, wird in einer Becken aufgefangen. Den Trester, also der ausgequetschte Apfelbrei, transportiert ein Fließband auf einen Auto-Anhänger direkt neben der Maschine. Den Trester gebe das Main-Äppel-Haus kostenlos an Bauern oder bayerische Jäger, die damit ihre Tiere, beziehungsweise Wildtiere füttern, erklärt Stöcker-Lebzien. Der Saft wird dann weiter in die Problemzone an diesem Vormittag gepumpt: die Filteranlage.

Die Sorgen mit dem Beutelfilter

Das Team des Keltermobils muss nicht nur die Arbeitsabläufe an der Anlage einstudieren, sie versuchen auch, sie noch zu verbessern, wie Stöcker-Lebzien sagt. Der frisch gepresste Apfelsaft wird in einem Eckfilter durchsiebt, dann - und das sei neu - noch einmal in einem Beutelfilter. Aber der macht Ärger. "Ich wurde schon vor dem Beutelfilter gewarnt", sagt Stöcker-Lebzien. Er soll mehr Fruchtreste aus dem Saft filtern, aber der feinmaschige Beutel verstopft mehrmals an diesem Vormittag. Das hält Hoffmann auf Trab. Ist der Apfelsaft gefiltert, wird er bei 82 Grad Celsius pasteurisiert und warm abgefüllt. 4,10 Euro kostet ein Drei-Liter-Beutel im Karton. 50 Cent weniger, wenn man einen alten Karton wieder mitbringt. Waschen, häckseln, pressen, zwei mal filtern, pasteurisieren und abfüllen; Sieben Arbeitsschritte, sieben Maschinen drängen sich auf dem Mobil. "600 Kilo Äpfel können wir in einer Stunde keltern", sagt Stöcker-Lebzien. "Wenn nur der Beutelfilter nicht wäre", müsste man wohl ergänzen. Nach etwas mehr als einer Stunde sind die 150 Kilogramm von Norbert Reichhold aus dem Wetteraukreis gekeltert und abgefüllt. 75 Kartons habe er schon zusammen, sagt er. Hinter seinen Erwartungen blieb das neue Team des Keltermobils also nicht zurück. msr

Die nächsten Termine

Am Main-Äppel-Haus hält die Mobile Kelterei das nächste Mal am Sonntag, 27. September. Unter (0179) 340 0 2 51 kann man sich anmelden.

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