+
Zwei uniformierte Beamte auf Streife zwischen adventlichen Buden ? die Polizei setzt auch in diesem Jahr wieder auf eine starke Präsenz.

Terrorgefahr

So sieht das Sicherheitskonzept für den Frankfurter Weihnachtsmarkt aus

  • schließen

Betonsperren, Schranken und mehr Sicherheitspersonal – nach dem Lastwagenanschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 werden die Sicherheitsvorkehrungen für den Frankfurter Budenzauber deutlich verstärkt. Bei der städtischen Tourismus + Congress GmbH rechnet man mit immensen Mehrkosten.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte wird der Frankfurter Weihnachtsmarkt in diesem Jahr umfassend mit Betonsperren gesichert. Wie Veranstaltungsleiter Kurt Stroscher von der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt (TCF) gestern auf Nachfrage sagte, werden die 150 massiven Sperren, die die Stadt nach dem Lkw-Anschlag in Nizza erwarb, voraussichtlich allesamt aufgestellt. Der Markt wird von der Hauptwache und Zeil über den Paulsplatz und Römerberg bis hinunter zum Mainufer reichen. Auch auf dem Friedrich-Stoltze-Platz sollen wieder Buden stehen. Die Betonsperren werden nach Stroschers Worten überall platziert, wo Fahrzeuge von der Straße auf das Veranstaltungsgelände fahren könnten – so zum Beispiel an der Berliner Straße und am Mainkai.

Zusätzlich werden nach Stroschers Auskunft Schranken an zwei Stellen auf der Braubachstraße errichtet. Zufahrtssperren auf der Verkehrsachse, die zwischen dem Paulsplatz und Römerberg verläuft, gab es zwar auch schon im vergangenen Jahr, nach den Worten des Veranstaltungsleiters wurden aber immer wieder Ausnahmen gemacht. Das soll beim diesjährigen Weihnachtsmarkt nicht mehr der Fall sein. Die Überlegung, in den Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkts den Straßenbahnverkehr in der Braubachstraße einzustellen, sei schnell verworfen worden, berichtet Stroscher. Um Bahnen durchzulassen, würden die Schranken jeweils geöffnet.  

Stroscher sagt, dass wegen der verschärften Sicherheitsvorkehrungen zusätzliches privates Security-Personal erforderlich sei. Außer den Schranken, die geöffnet und geschlossen werden müssten, seien auch die Durchlässe für Einsatzfahrzeuge in den Betonsperren zu betreuen. Vor den Durchlässen werde je ein angemietetes Schwerfahrzeug postiert, das natürlich permanent besetzt sein müsse, um im Notfall sofort zur Seite fahren zu können.

Wie hoch die Kosten für die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sind, kann Stroscher derzeit noch nicht beziffern. Er rechnet aber mit einer Euro-Summe in fünfstelliger, wenn nicht sogar sechsstelliger Höhe. Im Fall des Frankfurter Weihnachtsmarkt-Ablegers in Birmingham hätten allein die Kosten für die Betonsperren mit 120 000 Pfund (gut 134 000 Euro) zu Buche geschlagen. Allerdings könne man die Kosten in Deutschland und Großbritannien nicht 1:1 vergleichen.

Die TCF hatte die Sicherheitsvorkehrungen für den Frankfurter Weihnachtsmarkt schon in den Vorjahren verschärft. Sie hatte zum Beispiel eine Beschallungsanlage installiert, mit der sich Durchsagen auf dem gesamten Marktgelände oder in ausgewählten Bereichen machen lassen. 2016 hängte die Polizei auf dem Römerberg erstmals eine mobile Videokamera auf. Deren Aufnahmen wurden in der eigens eingerichteten Weihnachtsmarkt-Wache im Erdgeschoss der Kämmerei gesichtet. Beides – die Kamera und die Wache – werde es auch dieses Jahr wieder geben, kündigte Polizeisprecherin Annegret Kaus gestern auf Nachfrage an. Darüber hinaus werde man wie üblich auf eine starke Präsenz von Beamten in Uniform und Zivil setzen.

Veranstaltungschef Stroscher sagt, dass die Mehrkosten bislang nicht auf die Standbetreiber umgelegt würden. Er wagt auch die Prognose, dass das im kommenden Jahr noch nicht geschehen wird. Ganz ausschließen ließen sich zukünftige Umlagen infolge verstärkter Sicherheitsmaßnahmen allerdings nicht. Stroscher sagt, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen: „Einerseits wollen wir gewährleisten, dass die Besucher sicher feiern können; andererseits wissen wir, dass wir Terroranschläge nicht mit 100-prozentiger Sicherheit verhindern können.“

Den Veranstaltern der Stadtteil-Weihnachtsmärkte in Frankfurt werden nach Angaben von Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts, bislang keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen abverlangt. Mit dem Programm „Frankfurter Feste sichern“ ist das Sicherheitsniveau für Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte und Straßenfeste vor einigen Monaten ohnehin erhöht worden. Außer dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt ist Rohr nur ein Budenzauber bekannt, dessen Veranstalter freiwillig zusätzliche Maßnahmen ergriffen: Höchst. Dort gibt es Absperrzäune am Schlossplatz und mitunter auch Taschenkontrollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare