Weiße Kisten voller Worte (von links): Künstlerin Phyllis Kiehl, Jennifer Minam und Cora Stein mit den Saba-Stipendiatinnen.
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Weiße Kisten voller Worte (von links): Künstlerin Phyllis Kiehl, Jennifer Minam und Cora Stein mit den Saba-Stipendiatinnen.

Sie sind eingetaucht in die deutsche Sprache

  • vonAlexandra Flieth
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Die Saba-Stipendiatinnen der Crespo Foundation präsentierten gestern im Weltkulturen Museum selbst geschriebene Texte, die in einem Kreativprojekt entstanden sind. Die Autorinnen, allesamt Migrantinnen, ließen viel Persönliches einfließen.

Fatoumata Traore (38) fährt unter der Woche täglich aus der Nähe von Fulda nach Frankfurt, um hier auf dem zweiten Bildungsweg ihren Realschulabschluss zu machen. Als Mutter von vier Kindern ist es nicht immer leicht, Schule und Familie miteinander zu verbinden. Die Frau, die gebürtig aus Mali stammt und seit 18 Jahren in Deutschland lebt, geht diesen Weg jedoch gerne und wird dabei von ihrer Familie unterstützt. „Auch wenn es manchmal anstrengend ist, habe ich ein Ziel vor Augen, das ich erreichen möchte“, sagt sie selbstbewusst. „Nach dem Realschulabschluss möchte ich entweder eine Ausbildung zur Erzieherin machen oder einen Beruf lernen, mit dem ich in einer Apotheke arbeiten kann.“

Fatoumata Traore ist eine Saba-Stipendiatin. Das 2006 von der Crespo Foundation mit Sitz in Frankfurt initiierte Programm unterstützt Migrantinnen, ihren Schulabschluss nachzuholen. Das Stipendium umfasst neben der Beratung auch die Übernahme der Schul- und Fahrtkosten, Bildungsgeld für Bücher und ein Seminarprogramm zu Themen wie Kommunikation, interkulturelles Training oder Zeitmanagement. Zudem wird jährlich ein Kreativprojekt angeboten – dieses Mal „Kreative Schreiben“.

Unter dem Titel „Eule kommt!“ präsentierten 23 Saba-Stipendiatinnen gestern ihre selbst geschriebenen Texte im Weltkulturen Museum. Der Workshop selbst wurde von der Künstlerin und Schreibtrainerin Phyllis Kiehl geleitet. Über neun Monate hinweg traf sie sich mit den Frauen einmal monatlich für fünf Stunden in Räumen des Weltkulturen Museums, um mit ihnen in die deutsche Schriftsprache einzutauchen.

„Wenn man spricht, sucht man nur ganz wenig nach neuen Worten. Beim Schreiben jedoch hat man Zeit, überlegt, sucht nach der richtigen Vokabel, um sich auszudrücken“, sagt Kiehl. Der Wortschatz erweitere sich stetig, man fühle sich immer sicherer und erlange ein größeres Selbstverständnis im Umgang mit der Schriftsprache.

Eine kleine Ausstellung anlässlich der Präsentation macht dies deutlich. Da läuft ein Film, in dem die Stipendiatinnen über ihr Lieblingswort in der deutschen Sprache reden. Für eine ist es das Wort „Verzeihung“, „weil es von Herzen kommt“, für eine andere „ermutigen“, „weil es Hoffnung bringt“.

Selbst geschriebene Textfragmente der Frauen wurden zudem auf Kartons gedruckt und in Form einer Installation in einem weiteren Raum präsentiert. „Das sind teilweise Ausschnitte aus längeren Texten und Ergebnisse von Kreativübungen“, erklärt Kiehl. Schließlich gaben die Autorinnen in einer Lesung über ihre beeindruckenden Texte, die unter anderem von Kriegserfahrungen, von Gewalt gegen Frauen und von den Chancen, die Bildung bietet, den Zuhörern weitere ganz persönliche Einblicke in ihre Gedanken. „Das ,Kreative Schreiben‘ hat viel Spaß gemacht. Es hat mein Deutsch sehr verbessert, und ich habe Selbstvertrauen gewonnen, um mehr zu schreiben“, freut sich Fatoumata Traore.

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