Das Team vom MSC Frankfurt, hier noch an alter Wirkungsstätte, hat einen neuen Übungsplatz auf der Bezirkssportanlage am Sindlinger Kreisel bezogen. Der Verein hat sie begrüßt, und dank Sponsoren gibt es nun einen Cricket-Fangkäfig am Kicker-Domizil. Foto: privat
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Das Team vom MSC Frankfurt, hier noch an alter Wirkungsstätte, hat einen neuen Übungsplatz auf der Bezirkssportanlage am Sindlinger Kreisel bezogen. Der Verein hat sie begrüßt, und dank Sponsoren gibt es nun einen Cricket-Fangkäfig am Kicker-Domizil. Foto: privat

Kult-Sportart

Sindlingen: Cricket findet seinen Weg in den Westen

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Die zweitbeliebteste Sportart der Welt ist selbst in Frankfurt noch fast unbekannt

Hierzulande kaum bekannt, ist Cricket vor allem in den Ländern des ehemaligen britischen Commonwealth populär. In 120 Ländern wird es gespielt, soll nach Fußball die weltweit beliebteste Sportart überhaupt sein. Afghanen, Inder, Pakistani, Australier und andere Zugezogene, die in Deutschland leben und arbeiten, vermissen hierzulande oft die Möglichkeit, Cricket zu spielen. Das gilt insbesondere für Akteure mit Anspruch. Einige haben 2018 den "Main Sport Club Frankfurt" (MSC) gegründet. Die Männer zwischen 18 und 37 Jahren trainierten einige Zeit am Riedberg, dann im Ostpark oder trafen sich auf irgendwelchen Wiesen. Jetzt haben sie über die Vermittlung von Zafar Khan einen Platz auf der Bezirkssportanlage am Sindlinger Kreisel gefunden.

Viktoria Sindlingen hat gern geholfen

Der Jugendleiter der Viktoria Sindlingen stammt selbst aus Pakistan und ist deshalb mit Cricket aufgewachsen wie deutsche Kinder und Jugendliche mit Fußball. Er ist Ehrenvorsitzender des MSC und Mitglied im hessischen Cricketverband. Khan stellte den Kontakt zum Vorstand des Sindlinger Fußballclubs her, der gerne behilflich war. Ein Sponsor stellte Material zur Verfügung, und die Cricketspieler bauten damit im hintersten Eckchen der Sportanlage einen Fangkäfig auf. Darin stehen der Schläger, gut geschützt durch hohe, harte Beinschienen, Helm mit Gittermaske und Handschuhe, und drei Holzstäbe. Entlang der Kopfseite des Fußballplatzes nehmen die Werfer Anlauf und versuchen, am Schläger vorbei zu werfen und einen der Holzstäbe zu treffen. Gelingt das, scheidet der Schläger aus und die Werfer bekommen den Punkt. Meistens kann der Schläger den Ball abwehren und ihn mit seinem Schlagstock aufs große Spielfeld befördern - oder besser noch darüber hinaus, denn dann bekommt er die maximale Punktzahl. Zehn Mitspieler des Werfers stehen auf dem Spielfeld verteilt und versuchen, den Ball zu fangen. Gleichzeitig tauschen der Schläger und einer seiner Mitspieler, der einige Meter entfernt steht, die Plätze, für jeden Tausch gibt es ebenfalls Punkte.

Mit Anspruch und Tee-Pausen

Das hört sich dynamischer an, als es auf dem Platz aussieht. Cricket erfordert eine sehr gute Motorik, ein gutes Auge für die Flugbahn des Balls und eine ausgeprägte Oberkörpermuskulatur, um den harten Lederball auf 100 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Sprinterqualitäten sind allerdings nicht gefragt, Körperkontakt ist verpönt. "Zum Austoben ist das nichts. Cricket ist eine anspruchsvolle Sportart", weiß Zafar Khan. Er vergleicht es eher mit Tennis oder Golf, auch vom Ambiente her. Üblicherweise ziehen sich Cricket-Spiele über Stunden hin: Am Anfang beschäftigen sich die Zuschauer eher mit ihrem Picknick oder einem Plausch, während die schwächeren Mitglieder der Kontrahenten versuchen, einander auszustechen. Je näher das Ende der Partie rückt, desto spannender wird es, weil dann die besseren und besten Schläger und Werfer eingesetzt werden. Dann wird der Tee auch mal kalt.

Der MSC Frankfurt hat exzellente Cricketspieler in seinen Reihen, darunter ein Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. In den Gruppenspielen zur hessischen Meisterschaft gewann er alle Begegnungen, setzte sich auch im Viertel- und Halbfinale durch und trifft an diesem Sonntag, 13. September, um 10 Uhr in Darmstadt-Arheilgen auf dem Sportplatz Gehmerweg auf das Cricket-Team des SG Hainhausen. Der Sieger tritt danach bei den Deutschen Meisterschaften an.

Dem Cricket-Fan und Fußballer Zafar Khan schwebt vor, auch in Sindlingen Jugendliche für den Sport zu gewinnen. "U 15, U 17 und U 20 wären schön als Ergänzung zur ersten Mannschaft", sagt er. Dafür will er werben, auch bei den Fußballkindern. Bis die Sportart Cricket allerdings in Deutschland Fuß fasst, "wird es Zeit brauchen", das weiß er. Immerhin steht jetzt eine Übungsanlage zur Verfügung. Interessierte, die es einmal versuchen möchten, können sich unter E-Mail-Adresse zafar@zafar.de an ihn wenden. Wenn eine nennenswerte Anzahl an Interessenten zustande kommt, will ihnen der MSC Frankfurt einen Schnupperkurs anbieten. Heide Noll

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