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Ein Radfahrer fährt durch eine Fußgängerzone in Frankfurt am Main Foto: Emily Wabitsch/dpa

Verkehrsdezernent zieht Konsequenzen

Situation in der Frankfurter Innenstadt: Weniger Autos, mehr Fahrräder

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Während am Stadtrand immer mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind, sinkt in der Innenstadt die Zahl der Pkw schon seit Jahrzehnten. Stattdessen werden mehr Radfahrer gezählt. Ihnen will Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) mehr Platz einräumen.

In der Innenstadt ist die Zahl der Radfahrer innerhalb von zwei Jahren um ein Drittel gestiegen. Das haben Zählungen der Stadt in den Straßen, die den Alleenring kreuzen, und an den Mainbrücken ergeben. Wurden an ausgewählten Zählpunkten in acht Stunden der Hauptverkehrszeit im Herbst 2014 noch rund 33 000 Radler gezählt, waren es zwei Jahre später 44 000.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling will diese Zahl nicht überbewerten. „Wir haben wohl fahrradfreundliche Tage erwischt“, sagte er bei der Vorstellung der Zahlen. Aber der Trend seit 1988 – so lange gibt es die zweijährlichen Verkehrszählungen der Stadt – sei eindeutig. Die Zahl der Radfahrer hat sich in diesem Zeitraum mehr als verfünffacht – vor allem seit 2004 ist ein deutlicher Anstieg bemerkbar. In jüngster Zeit wurden vor allem an der Messe und am Hauptbahnhof deutlich mehr Radfahrer registriert, was die Verkehrsplaner auf die Neubaugebiete am Rebstock und im Europaviertel zurückführen. Hingegen sind in der Innenstadt immer weniger Autos unterwegs. Ihre Zahl ist seit 1988 um 30 Prozent gesunken, obwohl Frankfurt heute deutlich mehr Einwohner und Arbeitsplätze hat als vor fast 30 Jahren. Oesterling hat dafür vor allem eine Erklärung: „Die Innenstadt ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen.“

Anders sieht die Situation am Stadtrand aus. Dort zählt die Stadt regelmäßig an den Straßen, die über die Stadtgrenze führen, sowie an den Autobahnabfahrten. Die Zahl der Pkw steigt in den vergangenen Jahren zwar nicht stark, seit 1988 beträgt der Zuwachs aber doch 22 Prozent. Diese Entwicklung geht einher mit einer Zunahme der Zahl der Pendler.

Oesterling hat eine plausible Erklärung dafür, warum es am Stadtrand mehr Autoverkehr gibt als in der City: Viele Stadtteile seien ungenügend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, es gebe zu wenige Tangentialverbindungen. „Deshalb brauchen wir die Regionaltangente West.“ Im Juni werde es eine erste Probefahrt mit einem aus Karlsruhe ausgeliehenen Triebwagen auf Teilstrecken der geplanten Verbindung zwischen Bad Homburg und Bad Soden geben.

Ein anderer Grund für den geringen Stellenwert des öffentlichen Nahverkehrs am Stadtrand sind laut Oesterling die Tarife: Vielen Pendlern seien kurze Fahrten über die Stadtgrenze zu teuer. Eine mögliche Lösung sieht er in überlappenden Zonen. Günstigere Preise für Fahrten über die Stadtgrenze dürften aber nicht dazu führen, dass andere Relationen deutlich teurer werden. Oesterling spielt damit auf den von ihm kritisierten „Smart-Tarif“ an, den der RMV derzeit erprobt.

Auch für die City zieht der Verkehrsdezernent Schlussfolgerungen aus der Zählung: Da der Autoverkehr abnimmt, sei es möglich, den Verkehrsraum vom Pkw auf Fußgänger und Radverkehr umzuverteilen. Er halte es deshalb für wahrscheinlich, dass der im Koalitionsvertrag vereinbarte Probelauf für die Sperrung des nördlichen Mainufers erfolgreich verlaufen wird. Wann der Versuch beginnt, stehe noch nicht fest. Oesterling nannte ein weiteres Beispiel: In der Großen Friedberger Straße gebe es nach der Umgestaltung mehr Platz für Fußgänger, in der Stiftstraße sei das geplant. „Wir prüfen das auch bei anderen Straßen.“

Eine wachsende Nachfrage verzeichnet die Stadt in Bussen und Bahnen. Zahlen dazu will Oesterling erst in den kommenden Wochen veröffentlichen. Aber er deutete schon einmal Konsequenzen an: Auf den Straßenbahnlinien 17 und 18 werden die Züge künftig nicht mehr alle zehn Minuten, sondern alle 7,5 Minuten fahren. Und auf der Buslinie 34 werden wohl Gelenkbusse eingesetzt. Die Doppeldecker, die im vergangenen Jahr getestet wurden, haben sich nicht bewährt.

Oesterling kündigte an, dass die Ergebnisse der Verkehrszählung in Bussen und Bahnen entgegen der bisherigen Praxis erstmals komplett im Internet veröffentlicht werden. „Der Steuerzahler finanziert den öffentlichen Nahverkehr, deshalb hat er auch Anspruch darauf, zu erfahren, wie er genutzt wird“, sagte er.

Die Zählergebnisse zu Pkw und Radfahrern sind von kommender Woche an auf der Internetseite der Stadt Frankfurt verfügbar.

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