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Tagsüber sind so manche Überbleibsel der Party noch zu sehen: Eine Wodkaflasche steht neben der Sitzbank. Mit dem Sitzen und Saufen soll es nun eine Ende haben: Die Bänke sollen entfernt und tagsüber durch mobile Stühle ersetzt werden.

Anwohner genervt

Sitzbänke werden abmontiert: Schluss mit Lärm am Adlhochplatz

Am Adlhochplatz sollen die Sitzbänke abmontiert werden, um künftig das Partyvolk zu verdrängen. Die Feiernden raubten vor allem im Sommer Nacht für Nacht Anwohnern den Schlaf.

Es ist ein bisschen wie in Alt-Sachsenhausen: Die Anwohner rund um den Adlhochplatz sind genervt von Glasscherben, Erbrochenem und Müll, den die nächtlichen Besucher dort hinterlassen. Vor allem der Partylärm stört. In den Abendstunden, vor allem im Sommer, geht der Krach los. Dann treffen sich dort etliche junge Männer und Frauen, mancher bringt einen „Ghettoblaster“ mit und dreht die Musik auf. Auch Obdachlose sind darunter. Sie trinken Bier und harten Alkohol. Der Rewe gegenüber dient als Quelle für Nachschub – bis 24 Uhr hat der Supermarkt geöffnet. Manche ziehen später weiter ins Kneipenviertel, andere bleiben und feiern weiter. Von Schlaf können Anwohner nur träumen.

Beispiel Nordend

Das Problem besteht schon mehrere Jahre – nicht nur im Sommer – und war auf Antrag der FDP-Fraktion am vergangenen Freitag erneut auf der Tagesordnung des Ortsbeirates 5 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad). Es wurde hitzig diskutiert. Am Ende wurde der Antrag verabschiedet: Die Sitzbänke sollen probeweise entfernt werden, um zu sehen, ob das etwas nützt. An ihrer Stelle sollen tagsüber Stühle aufgestellt werden, wie sie im Nordend am Luisenplatz und am Matthias-Beltz-Platz stehen. Nach 22 Uhr sollen die Stühle von umliegenden Gastronomen weggeräumt werden.

Die FDP Sachsenhausen hatte Anwohner sowie Bewohner des direkt am Adlochplatz stehenden Seniorenwohnheims „Schwanthaler Carrée“ befragt. Sie hätten die Idee für gut befunden, die Bänke abzubauen, um wenigstens ausprobiert zu haben, ob die Ruhestörer sich verziehen. Denn „nach Jahren der Diskussion ohne Lösung müssen wir endlich auf die Handlungsebene kommen und es versuchen,“ argumentierte Florian Reineking. „Im Seniorenwohnheim sind auch pflegebedürftige Menschen untergebracht, die unter dem Lärm wirklich leiden“ fügte er hinzu.

Heftiger Gegenwind

Es sei auch keine Lösung für die Anwohner, jede Nacht die Polizei zu rufen. Denn diese komme oft gar nicht erst. „Das Ordnungsamt sagt, es habe keine Kapazitäten, um hier regelmäßig nach dem Rechten zu sehen“, berichtete Uwe Schulz, Fraktionsvorsitzende der FDP. „Die Anwohner wünschen sich deshalb, und das eindeutig, dass die Bänke entfernt werden.“

Heftiger Gegenwind

kam von der SPD und der Linken. Beide Parteien hatten den Vorschlag stets abgelehnt. Am Freitag begründeten sie ihre Haltung nochmals: „Es ist eine Absage an die urbane Kultur, die Bänke abzubauen,“ sagte Knut Dörfel von der Linke-Fraktion. Tagsüber ruhten sich ältere Menschen auf den Sitzbänken aus. „Es bringt nichts, die Bänke zu entfernen. Die Leute werden trotzdem feiern und sich eben auf den Boden setzen,“ sagte Cornelia Zippel von den Grünen. Am Ende stimmte sie aber wie ihr Fraktionskollege Reinhard Klapproth dafür.

Streetworker einsetzen

Die SPD lehnte ab: So lange der Supermarkt dort bis spät in die Nacht Alkohol verkaufe, bleibe das Problem bestehen. Die Bänke dienten tagsüber allen Menschen im Stadtviertel, und auch Obdachlosen sei es vergönnt, dort zu sitzen, so die Sozialdemokraten.

„Wir hatten doch vor, Streetworker dorthin zu schicken, die auf die Leute einwirken,“ erinnerte Petra Korn-Overländer (SPD) an den Vorschlag, der vor einigen Monaten im Gespräch gewesen war. Für diese aufsuchende Jugend- und Sozialarbeit hatte aber die Stadt keine Mittel mehr übrig, wie in einer Stellungnahme von 2014 steht.

Allerdings hatte sich die Situation tatsächlich entspannt, nachdem vor fünf Jahren Streetworker in unregelmäßigen Abständen zum Adlhochplatz, Diesterwegplatz und Brückenspielplatz gingen, wo sich ebenfalls nachts Jugendliche und Feiernde aufhielten. Jedoch, so die Stadt, könnten nach 22 Uhr keine Sozialarbeiter eingesetzt werden.

Wann die Bänke abgebaut werden, entscheidet jetzt der Magistrat.

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