Stadt soll reagieren

Für die Skater ist im Hafenpark kein Platz

Skaten wird olympische Disziplin. Frankfurts Skater hoffen, dass die Popularität ihrer Sportart steigt und neue Skateparks in der Mainmetropole entstehen. Denn am „Concrete Jungle“ im Hafenpark, der eigentlich ihre neue Spielwiese sein sollte, ist vielen von ihnen der Spaß vergangen.

Fast wäre Claudio seinen Skatetrick perfekt gefahren, hätte ein BMX-Fahrer nicht das gleiche Manöver auf seinem Rad geplant – synchron zu Claudio. Die beiden stoßen in der Luft zusammen, können aber das Gleichgewicht halten und kommen sicher und unversehrt auf. Claudio pustet durch und schüttelt mit dem Kopf: „Genau das meine ich.“

Bald darauf setzt sich der langjährige Frankfurter Skatboarder zu anderen Frustrierten auf eine der Betonmauern am Rand der Skateanlage im Hafenpark im Ostend. Unzählige Kinder mit Rollern wuseln am Samstagnachmittag durch den so genannten „Concrete Jungle“, eine der modernsten Anlagen ihrer Art in Deutschland. Für Claudio und gerade mal ein halbes Dutzend anderer Skatboarder bleibt wieder mal kaum Platz. Sie sind zur Minderheit im Hafenpark geworden, fünf Jahre nach dessen Eröffnung.

Sollte sich dies nicht ändern, sagt Claudio, brauche sich Frankfurt keine Hoffnung zu machen, in zwei Jahren einen Skate-Olympiasieger zu stellen. Die Sportart wird im Jahr 2020 eine Disziplin bei den Olympischen Spielen in Japan sein. „Wir haben auch in Frankfurt einige, die dafür trainieren oder bei der deutschen Meisterschaft mitfahren. Um richtig gut zu werden, müssten sie in Anlagen wie hier an ihre Grenzen gehen können“, macht der Alt-Skater deutlich, der mit fast 42 Jahren selbst keine Olympia-Ambitionen mehr hat.

Doch im Hafenpark sind Frankfurts beste Skatboarder nur noch selten anzutreffen. Claudio blickt über das Areal: „Heute ist gar keiner von denen hier, warum auch? Die skaten auf der Hauptwache oder in irgendwelchen Ghettoparks wie hinten im Gutleut, auch wenn’s dort immer wieder Ärger mit der Stadt gibt.“ Ein anderer Skater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zeigt den Main herauf in Richtung Friedensbrücke: „Dort gibt’s auch noch eine Anlage. Aber der Boden ist schlecht zum Fahren. Abends hängen dort Junkies und Alkis rum.“

Claudio hofft, dass mehr reine Skateboard-Parks entstehen, nun da die Sportart olympische Disziplin ist. Die Zahl derjenigen, die aufs Brett steigen wollen, werde steigen, daran hat er keinen Zweifel. „Und all die Leute wollen irgendwo trainieren. Dafür brauchen sie aber eigene Parks und wollen sich diese nicht mit Roller-Kids oder BMXern teilen“, sagt er.

Einige der Skater erheben sich von der Mauer und hoffen auf ein paar ungestörte Minuten im „Concrete Jungle“. Sie beschränken ihre Tricks auf einen flachen Betonstreifen, der die Bereiche „Bowl“ und „Street“ trennt und kaum Manöver-Möglichkeiten bietet. Ein älteres Ehepaar trottet ihnen durch die Bahn und scheint die Anlage gar nicht als solche wahrzunehmen.

Claudio hat es aufgegeben, jene Menschen zurechtzuweisen. „Die sind alle lebensmüde“, seufzt er, „die Schilder hier werden ignoriert. Eltern schicken Kinder mit Rädern auf die Anlage, die gerade erst gelernt haben zu fahren.“ Andere Skater kämen sich mit den renitenten Eltern regelmäßig ins Gehege: „Mehrmals im Jahr geht man sich hier an die Gurgel.“

Bei der Stadt war man eigentlich zuversichtlich, die Hierarchien im „Concrete Jungle“ geklärt zu haben. Geplant wurde die Skateanlage im Hafenpark gemeinsam mit Frankfurter Skateboardern. Die schauten sich Bereiche, Dimension und Verlauf der Anlagen von anderen berüchtigten Skateparks ab, um auch in Frankfurt auf höchstem Niveau trainieren zu können. Die Stadt und genervte Passanten profitierten, indem die Zahl der Skater an der Hauptwache und anderen stark frequentierten Orten in Frankfurt abnahm.

Doch schon kurz nach der Eröffnung im Jahr 2012 wimmelte es in dem anspruchsvollen Skatepark vor allem an Wochenenden von Kindern auf Rollern und normalen Rädern. Es kam zu Dutzenden Zusammenstößen, bei denen sich Skater und Kinder schwer verletzten, sogar ein Rettungshubschrauber kam zum Einsatz.

Seit dem Frühjahr 2016 weist freitags bis sonntags ein Sicherheitsdienst rollerfahrende Kinder und ihre Eltern darauf hin, dass die Anlage kein Spielplatz, sondern ein Sportplatz für Fortgeschrittene ab frühestens acht Jahren ist – auf dem normale Fahrräder, Laufräder und Roller wegen Verkehrsgefährdung verboten sind. Die Stadt ließ zudem Info-Flyer mit Verhaltensregeln verteilen, Schilder aufstellen und montierte Drängelgitter vor die Anlagenzugänge, um zu verhindern, dass Fußgänger durch den Skatepark laufen. Aus Sicht von Claudio erweisen sich all jene Maßnahmen meist als wirkungslos: An Tagen wie heute achte keiner auf die Regeln. Oft sei auch der Sicherheitsdienst nicht da. Das Ordnungsamt habe er im Hafenpark noch nie gesehen.

Trotz unbelehrbaren Eltern und ignoranten Fußgängern gibt er der Stadt die Schuld am schlechten Miteinander im Hafenpark: „Für eine Stadt dieser Größe ist der gesamte Park einfach viel zu klein und schlecht geplant. Es braucht weitere Skateanlagen, am besten eine zweite im Hafenpark für Anfänger.“ Seit 30 Jahren skate er bereits, erzählt Claudio. Zehn Jahre davon hat er mit Gleichgesinnten für eine Frankfurter Skateanlage wie die im Hafenpark gekämpft. Doch wenn er dort bald gar keinen Spaß mehr hat, kehrt er dem „Concrete Jungle“ wie viele andere Frankfurter Skater den Rücken: „Denn wir ziehen hier den Kürzeren. Wie immer.“

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