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Jörg Brouns

Laufsport

Skyrun: So sehen Menschen aus, die gerade 61 Stockwerke hoch gerannt sind

Für den Erlanger Christian Riedl ist Treppenlaufen der logischste Sport der Welt. „Ich kann nicht einfach Skispringen, aber Treppen gibt es überall.“ Riedl hält den Streckenrekord in Frankfurt. 6:25,5 Minuten hat er im Vorjahr für den Messeturm gebraucht. In diesem Jahr ist Piotr Lobodzinski schneller. „Klar brennen die Beine, aber dann muss man sich am Limit weiter bewegen,“ sagt Riedl

Für den Erlanger Christian Riedl ist Treppenlaufen der logischste Sport der Welt. „Ich kann nicht einfach Skispringen, aber Treppen gibt es überall.“ Riedl hält den Streckenrekord in Frankfurt. 6:25,5 Minuten hat er im Vorjahr für den Messeturm gebraucht. In diesem Jahr ist Piotr Lobodzinski schneller. „Klar brennen die Beine, aber dann muss man sich am Limit weiter bewegen,“ sagt Riedl

Eigentlich, sagt Dominika Wisniewska-Ulfik, sei sie gar nicht in Form. Sie habe vor fünf Monaten eine Tochter zur Welt gebracht, konnte nicht so richtig trainieren. Sie ist seit wenigen Sekunden im Ziel, lächelt, man sieht ihr nicht an, dass sie gerade 61 Stockwerke gerannt ist. Dann sagt sie: „Aber ich hatte einen guten Rhythmus und bin gleichmäßig gelaufen.“

Roland Hahn, Feuerwehrmann aus Aschaffenburg, kennt den Messeturm. Der 51-Jährige macht Feuerwehrsport, ist Triathlet, war schon Vize-Europameister im Treppenlaufen in seiner Altersklasse. Warum er das macht? „Frag mich nicht, vielleicht, weil ich blöd bin.“ Dann lacht er. Sein Geheimrezept für die 61 Stockwerke: „Langsam angehen, beim 30 Stock kommt dann der Mann mit dem Hammer, den muss man vertreiben.“

Jörg Brouns: Als der Feuerwehrmann aus Mettmann nach 16 Minuten und sieben Sekunden oben ankommt, sinkt er auf eine bereitgestellte Bierbank, pumpt Luft in seine Lungen und starrt vor sich hin. Ein paar Minuten geht das so, dann lächelt er. Es war Brouns erster Skyrun. „Wir haben Gas gegeben und sind zusammengeblieben. Wir hätten aber besser sein können“, sagt er. Sein Plan für 2018.

Eigentlich ist Suzanna Krchova Leichtathletin und eher ebenerdig unterwegs. Aber irgendwann hat sie der Trainer mal gefragt, ob sie einen Wettkampf im Treppenlaufen mitmachen möchte. "Warum nicht, habe ich mir gedacht", sagt sie. Der Wettkampf waren die tschechischen Meisterschaften, Suzana hat gewonnen. Sie hebt die Schultern wenn sie die Geschichte erzählt. Am Sonntag hat sie den Skyrun in Frankfurt gewonnen.

Cordula Galster sagt, ihre Strategie für den Skyrun sei ganz einfach: "Ich zähle rückwärts." Sie hat sich die 61 Stockwerke in Päckchen aufgeteilt, jeweils Sechser-Etappen. "Dann ist es kürzer", sagt sie. "Gefühlt kürzer." Cordula Galster erzählt, sie sei mit Handicap gestartet. Wegen einer Verletzung konnte sie nur eine statt zwei Stufen auf einmal nehmen. "Zwischenzeitlich habe ich schon gedacht, hoffentlich ist es bald vorbei." Dann lacht sie.

Oben angekommen, braucht Andreas Geißer ein paar Minuten, um Luft zu holen. Seine Haut glänzt vom Schweiß, er sagt: "Es gibt nichts härteres als hier hoch zu laufen." Geißer kommt vom Laufsport, erst Langstrecke, später Mittelstrecke, irgendwann wollte er für sich einen neuen Reiz setzen und entdeckte die Treppen. Sein Trick: Beim Hochrennen nicht ans Hochrennen denken. "Man muss sich etwas anderes in den Sinn holen. Ich denke an das Training und manchmal an das, was in der kommenden Woche so ansteht."

Was ihn antreibt 61 Stockwerke so schnell wie möglich nach oben zu rennen? "Ehrgeiz", sagt Jens Schlicht. Und die Zahlen: die Höhenmeter pro Minute. Schließlich sei das der höchste Treppenlaufturm Europas. Schlicht trainiert in Sichtweite. Er arbeitet im Trianon-Hochhaus, sein Trainingspensum sind dort vier Mal hoch, dann ins Büro. Am Sonntag beim Skyrun hat er alle zehn Stockwerke Zwischenzeiten genommen, um sich die Strecke aufzuteilen. "Das geht hier alles ziemlich schnell vorbei."

Treppenlaufen ist für Udo Mettler eine einfache Geschichte: "Man kann sich auf keiner Strecke so schnell das Licht ausschießen wie hier." Punkt. Mettler hat für sich eine einfache Strategie, dass die Lichter anbleiben. Verhalten anfangen, dann zulegen. Und dabei die Stockwerke nach unten zählen. "Dann geht das ganz schnell", sagt er.

Philipp Kreß hat gerade seinen ersten Treppenlauf im Frankfurter Messeturm hinter sich gebracht. Er öffnet den Feuerwehrhelm, nimmt die Atemluftflasche vom Rücken und schaut in die verschwitzen Gesichter um ihn herum. Dann nickt er, hat die Antwort auf das Warum. "Es ist für mich die Herausforderung des Wettkampfs", sagt er. Kreß hatte sich eine Strategie zurecht gelegt, um die Stockwerke herunterzuzählen. "Ich wollte die Stufen zählen, aber das hat zu sehr abgelenkt."

Sehen Sie hier weitere Bilderstrecken und Artikel Frankfurter Skyrun:

Text und Fotos: Tobias Köpplinger

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