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So crasht Eintracht Frankfurt den Straßenbahn-Geburtstag

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Wegen Fahrzeugmangels noch heute gebraucht: ein O-Wagen von 1969 an der Haltestelle Konstablerwache. Auch er rollt beim Jubiläumskorso der Straßenbahn am Mittwoch.
Wegen Fahrzeugmangels noch heute gebraucht: ein O-Wagen von 1969 an der Haltestelle Konstablerwache. Auch er rollt beim Jubiläumskorso der Straßenbahn am Mittwoch. © Dennis Pfeiffer-Goldmann

150 Jahre Straßenbahn in Frankfurt: Dazu sollen Tram-Oldies rollen. Das Europa-League-Spiel der Eintracht wirft die Pläne jedoch über den Haufen.

Frankfurt – Schon einen Tag vor dem 150. Geburtstag der Straßenbahn werden am Mittwoch (18. Mai) historische Fahrzeuge durch die Innenstadt fahren. Grund ist das Europa-League-Spiel der Eintracht - und erwartete Feiern von Fußballfans am Folgetag.

Der Oldtimer-Korso war bisher für den 19. Mai angekündigt. Allerdings dürfte an diesem Tag wohl Ausnahmezustand in der Innenstadt herrschen, falls die Fußballer in Sevilla ihr Finalspiel gewinnen und die Fans feiern. Die Jubiläumsfahrten seien deshalb einen Tag vorverlegt worden, "da die Stadt am 19. Mai eventuell zum Eintracht-Empfang gesperrt wird", erklärt Dana Vietta von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VFG). Die VGF veranstaltet den Corso zusammen mit dem Verein Historische Straßenbahn Frankfurt (HSF), der das Verkehrsmuseum in Schwanheim trägt.

Oldtimer-Korso durch Frankfurt schon einen Tag vor Eintracht-Spiel

Von dort kommen einige der historischen Bahnen. Diese fahren am 18. Mai von 10 bis 17 Uhr auf der Strecke, die sonst der Ebbelwei-Express befährt: Vom Zoo via Altstadt zur Messe, dann über Sachsenhausen (Schweizer Platz) zurück zum Zoo. Das Erlebnis der Fahrt wie anno dazumal kann jeder erleben, der eine gültige Fahrkarte hat. "Die Bahnen sind allerdings nicht barrierefrei", erinnert Dana Vietta. So war eben früher der mühevolle Standard.

Eintracht Frankfurt braucht die Wirkung dringend - denn Museum ist geschlossen

Auch Fahrräder könnten in den Wagen leider nicht mitgenommen werden, betont HSF-Vorsitzender Frank Nagel. Die Fahrer der alten Schätzchen werden wohl allesamt Mitglieder des Museumsvereins sein. "Feuer und Flamme" seien die knapp 50 Aktiven des 110 Mitglieder zählenden Vereins, den Korso und die kurzfristige Vorverlegung zu stemmen, sagt Nagel. "Durch die nicht absehbare Wiedereröffnung des Museums sind wir auf Veranstaltungen wie diese angewiesen."

Das Museum an der Rheinlandstraße war mit Beginn der Corona-Pandemie geschlossen worden. Bisher wurde es noch nicht wiedereröffnet, da sich inzwischen gezeigt hatte, dass eine brandschutztechnische Nachrüstung notwendig ist. Dass der Ortsbeirat 6 die Bemühungen um die Wiedereröffnung unterstützt, habe der Verein "mit Freude" verfolgt, erklärt Frank Nagel.

Tram-Netz in Frankfurt heute halb so groß wie zur Blütezeit

Beim Korso soll von 10 Uhr an alle 15 Minuten ein anderer, alter Wagen auf die Strecke gehen: Erst die Baureihe L von 1954 samt Beiwagen, dann die Baureihe M von 1962 samt Beiwagen, die Baureihe N von 1964, ein O-Wagen von 1969 und ein orangefarbener Pt-Wagen von 1972. Zustiege sind an allen Haltestellen möglich.

Damit solle gezeigt werden, dass die Straßenbahn lange Zeit das Rückgrat des Verkehrs in der Stadt war, nämlich von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre, erinnert der Vereinschef. "Was wäre die Stadt ohne 150 Jahre Mobilität auf den Gleisen?"

Die erste Straßenbahn, damals von Pferden gezogen, rollte am 19. Mai 1872 vermutlich gegen Mittag vom Schönhof aus über Bockenheimer Warte zur Hauptwache. Schnell wurden weitere Linien um die Hauptstrecke zwischen Schönhof und Zoo - später dem Hanauer Bahnhof nahe der Zobelstraße - ergänzt.

Einst sollte die Innenstadt von Frankfurt schienenfrei werden

1884 fuhr die erste Elektrische: vom Deutschherrnkai an der Alten Brücke über Oberrad nach Offenbach. 1888 und 1889 kamen Dampfbahnstrecken nach Eschersheim - später elektrisch bis Bad Homburg und Oberursel - sowie der Waldbahn nach Schwanheim und Isenburg hinzu. 1904 komplett elektrifiziert, erreichte das Netz in den Dreißigerjahren mit 30 Linien und 125 Kilometern seine größte Ausdehnung.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Tram das wichtigste Verkehrsmittel in der Stadt, wurde aber ab den späten 1960er-Jahren von der U-Bahn abgelöst. Das gänzliche Zurückdrängen der Tram im Sinn der "schienenfreien Innenstadt" und der autogerechten Stadt stoppten SPD und Grüne in den 1980er-Jahren wieder gegen den Widerstand der CDU.

Seither wächst das Netz erneut, inzwischen auch von der CDU unterstützt, auf heute 65 Kilometer und zehn Linien. Nach Verlängerungen am Rebstock und in Preungesheim beschlossen die Stadtverordneten 2004 sowie 2021 mehrere weitere neue Strecken.

Frankfurt: Jubiläumsfest der VGF auf den Sommer verschoben

Von denen wurde jedoch bisher nur eine realisiert: der Lückenschluss in der Stresemannallee. Der Bau der Ringstraßenbahn von Ginnheim nach Bornheim wird zwar geplant, aber immer wieder verschoben, aktuell bis 2028/29. Für die Verlängerung etwa zum Bahnhof Höchst oder zum Industriehof gibt es bisher noch gar keine konkreten Planungen.

Ein für den 21. Mai geplantes Jubiläumsfest in der Braubachstraße hatte die VGF kürzlich abgesagt. Als Grund nannte sie die fehlende Feierlaune aufgrund des Kriegs in der Ukraine sowie "Abstimmungsprobleme". Laut Mobilitätsdezernat soll das Fest jedoch im Sommer nachgeholt werden. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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