Vater Walter und Sohn Michael Barth können es kaum erwarten, ihre Restaurants Edelweiss und Salzkammer zu eröffnen. Schnitzel und Kaiserschmarrn zum Mitnehmen ist ihre Sache nicht.
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Vater Walter und Sohn Michael Barth können es kaum erwarten, ihre Restaurants Edelweiss und Salzkammer zu eröffnen. Schnitzel und Kaiserschmarrn zum Mitnehmen ist ihre Sache nicht.

Shutdown

Corona-Lockdown in Frankfurt: Restaurantbetreiber warten auf das Ende

  • vonStefanie Wehr
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Der Lockdown schadet den Restaurants in Frankfurt immens. Vom „To-Go“-Geschäft profitieren fast nur Fastfoodläden.

Frankfurt – Sissi-Schmarrn, Wiener Schnitzel oder Kas'nocken mit Bergkäse - auf all das müssen Sachsenhäuser und Freunde der österreichischen Küche schon seit Monaten verzichten. Das Restaurant Edelweiss an der Schweizer Straße 96 hat wegen Corona die Türen zu und bietet auch keinen Lieferservice. "Schnitzel aus dem Pappkarton, das schmeckt nicht, und deshalb machen wir das nicht", sagt Walter Barth. Sein Sohn Michael hat seinerseits das Restaurant "Salzkammer" in der Weißadlergasse in der Innenstadt bis auf weiteres geschlossen.

Lockdown im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen: Anwohner vermissen ihre Lieblingsrestaurants

"Mit tut es leid, dass die vielen Senioren hier in der Nachbarschaft nirgendwo mehr hingehen können. Ich sehe, wie sie unter der Situation leiden. Viele alleinstehende Damen aus der Kaulbachstraße kamen noch vergangenen Sommer jeden Tag zum Mittagstisch zu uns", bedauert Barth. Wie lange das schon her ist, sei erschreckend: Mindestens eine sei inzwischen verstorben.

Wie auf Kommando kommt gerade ein älterer Herr an der Restaurantterrasse, wo der Wirt sich einen Kaffee gönnt, vorbei und fragt: "Wann geht es wieder los?" Barth antwortet: "Wir wissen es nicht, aber wir hoffen bald." "Das hoffen wir auch", sagt der Nachbar und lächelt.

Barth hat sich an den Ämtern die Zähne ausgebissen. Im Sommer begann er, auf der Terrasse eine Alpenhütte aufzubauen, damit im Winter mehr Gäste in einem warmen Innenraum Platz haben. Die Fünf-Meter-Regel steckte ihm noch in den Knochen: Ganze acht Gäste habe er in der Zeit ab Mai im Innenraum der holzverkleideten Stube bewirten dürfen. Mit der Hütte sei er allerdings etwas voreilig gewesen, erzählt er. Der Zauber war vorbei, bevor er überhaupt losgegangen war. Die Stadt gab keine Genehmigung, und jemand habe ihn offenbar verpfiffen.

Im Corona-Lockdown: Einzelkämpfer an der Schweizer Straße

Wegen der vielen Vorschriften sei es kaum möglich gewesen, eine sinnvolle wintertaugliche Außenbestuhlung einzurichten. Ein Zelt war nicht erlaubt. Wände hätten nur 1,50 Meter hoch sein dürfen, Heizstrahler hätten für Wärme sorgen sollen. "Aber die Dinger mag ich nicht, der Gasverbrauch ist immens, und für die Umwelt ist es schlecht", so Barth.

Widersprüche wie dieser - erst sind Heizpilze verpönt wegen der Umwelt, dann darf man sie wegen Corona wieder aufstellen - begegnen dem Geschäftsmann in der Pandemie ständig. Dann kam noch die Vorgartensatzung von 1978 ins Spiel. Er gab auf und baute die fast fertige Hütte wieder ab. Es sei ein teurer Spaß gewesen.

Die Gastronomiebetreiber in Frankfurt halten durch

Dennoch hat ihm Corona nicht die Laune verdorben. Seit 32 Jahren ist der Salzburger mit seinem Restaurant an der Schweizer Straße. Barth sieht sich als Einzelkämpfer. Was er gut findet, ist dass die November- und Dezemberhilfen angekommen sind, und auch deren Berechnung sei fair. "75 Prozent des Umsatzes sind okay, alles andere wäre übertrieben. Man muss eben auch in guten Zeiten etwas Geld zurücklegen, dann klappt es", sagt Barth. "Jetzt werden die Fixkosten übernommen, das ist gut. Es wird auf hohem Niveau gejammert", findet er. Zwei Köche beschäftigt der Sachsenhäuser im Edelweiss. Auch die sind in Kurzarbeit. "Alle scharren daheim mit den Hufen, wir auch. Man kann nicht drei Mal die Wohnung streichen." Gleichwohl gelte es durchzuhalten, um das Virus in den Griff zu bekommen. Zu schnell wieder zu öffnen, davon hält Walter Barth nichts. "Frühestens nach den Osterferien".

Die meisten Restaurants an der Schweizer haben seit Beginn des Lockdowns im November ihre Küche geschlossen. Darunter das Gemalte Haus und das Steakhaus Fleischeslust. Nur Apfelwein Wagner hält durch und bietet täglich mittags und abends Essen zum Mitnehmen. Mario Lohninger vom gleichnamigen Restaurant kocht sonntags zum Mitnehmen.

"Es muss bald wieder losgehen", findet Torsten Schiller vom der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße (AGS). Zu viele Existenzen hingen an den geschlossenen Geschäften und Restaurants. Ein nennenswertes To-go-Geschäft betrieben nur Anbieter von Döner, Pizza, Kaffee oder Feinkost zum Mitnehmen. Der Rest hat das Nachsehen.

Während die Gastronomie geschlossen bleiben muss, können die Friseure ab dem ersten März wieder Kunden empfangen. Der Ansturm auf Frankfurter Salons ist gewaltig. (Stefanie Wehr)

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