Hat erstmals das Direktmandat in Frankfurt errungen und der CDU abgejagt: Grünen-Spitzenpolitiker Omid Nouripour.
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Hat erstmals das Direktmandat in Frankfurt errungen und der CDU abgejagt: Grünen-Spitzenpolitiker Omid Nouripour.

Analyse

Bundestagswahl 2021: Gewinner und Verlierer – So hat Frankfurt gewählt

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Wohin sind die Wähler gewandert, welche Partei war wo besonders erfolgreich: die große Analyse zur Bundestagswahl in Frankfurt.

Frankfurt - Die städtischen Statistiker hatten am Montag (27.09.2021) eine lange Nacht hinter sich. Sie hatten durchgearbeitet, um bereits am Morgen eine Analyse der Frankfurter Ergebnisse der Bundestagswahl vorzulegen. Und so bestätigten sie: Die Grünen sind mit 24,6 Prozent der Wählerstimmen in Frankfurt stärkste Kraft geworden - gefolgt von SPD (22,5 Prozent), CDU (18,1 Prozent), FDP (14,8 Prozent), Linke (7,0 Prozent) und AfD (5,1 Prozent).

"Für mich war das eine ganz besondere Wahl", sagte die für Wahlen zuständige Stadträtin Eileen O'Sullivan (Volt), die erst vor knapp drei Wochen zur Dezernentin gekürt wurde. Und so konnte sie nicht ohne Stolz verkünden: "Die Bundestagswahl wurde in Frankfurt erfolgreich durchgeführt - ohne Probleme und Verzögerungen."

Bundestagswahl 2021 in Frankfurt: „Eine ganz besondere Wahl“

Doch wie hat Frankfurt konkret gewählt? Wer hat bei welcher Partei sein Kreuzchen gemacht? Wer konnte seine Anhänger am stärksten mobilisieren? Und wie haben die Parteien in den Stadtteilen abgeschnitten? Wir haben es kurz und knapp zusammengefasst.

Die Vorbildlichen: 428 423 Frankfurter waren am Sonntag wahlberechtigt, davon haben 320 015 Bürger ihre Stimme abgegeben. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 74,7 Prozent, womit fast drei Viertel der Frankfurter Wahlberechtigten zur Urne gegangen waren. Die Wahlbeteiligung variierte jedoch im Stadtgebiet. In Fechenheim war die Beteiligung am geringsten. Dort gaben nur 58,8 Prozent ihre Stimme ab. Auch in den westlichen Stadtteilen wie Sossenheim und Griesheim konnten nur wenige Wähler zum Urnengang motiviert werden. Im Westend-Süd hingegen war die Wahlbeteiligung mit 85,9 Prozent am höchsten.

Die Briefwähler: 163 097 der Wahlberechtigten haben per Brief gewählt. Das waren mit einem Anteil von 51 Prozent erstmals mehr als die Hälfte der Wähler, die von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben. Davon profitieren konnten vor allem Grüne, FDP und CDU. Über die Hälfte ihrer Zweitstimmen konnten sie per Brief generieren. Spitzenreiter ist mit 60,4 Prozent aber die paneuropäische Partei Volt. Die meisten Briefwähler gab es in Sachsenhausen-Süd (62,0 Prozent), im Westend-Süd (61,9 Prozent) und in der Innenstadt (59,3 Prozent). In Unterliederbach (40,9 Prozent) und Sindlingen (41,3 Prozent) hingegen haben die wenigsten Frankfurter die Möglichkeit per Post genutzt.

Bundestagswahl 2021 in Frankfurt: Gewinner und Verlierer

Gewinner und Verlierer: Die größten Gewinner in Frankfurt waren die Grünen. Sie konnten nicht nur ihre Position als stärkste Kraft ausbauen, sondern gewannen erstmals auch ein Direktmandat. In 15 Stadtteilen bekamen sie mehr Wählerstimmen als die anderen Parteien, 2017 waren sie nur in einem Stadtteil stärkste Kraft. Noch mehr Stadtteile, nämlich 24, gewann die SPD - die zweite Gewinnerin des Abends. 2017 war sie nur in vier Stadtteilen stärkste Kraft. Auch die Sozialdemokraten gewannen ein Direktmandat. Die CDU hingegen musste sich in beiden Wahlkreisen geschlagen geben und war die große Wahlverliererin. War sie vor vier Jahren noch in 39 Stadtteilen stärkste Kraft, schaffte sie das jetzt nur noch in vier. Von der Schwäche der Union profitierte aber die FDP. Sie konnte in den meisten Stadtteilen zulegen und gewannen sogar einen Stadtteil, nämlich das Westend-Süd.

Jung und alt, Frauen und Männer: Ein Fünftel der Wähler war 70 Jahre oder älter. Gerade in dieser Altersgruppe konnte die CDU die meisten Stimmen holen. Auch die SPD wurde überdurchschnittlich oft von den älteren Bürgern gewählt. Die Christdemokraten und Sozialdemokraten haben mehr Stimmen von Frauen als von Männern bekommen. Das gilt auch für die Grünen. Ihre Anhänger sind aber eher zwischen 25 und 34 Jahre alt, wobei die Partei in allen Altersgruppen bis 59 Jahre gut abgeschnitten hat. Die AfD hingegen erhielt den größten Zuspruch von den 45- bis 59-Jährigen. Sie wurden von mehr Männern als Frauen gewählt, ebenso wie die FDP. Die Liberalen konnten die 25- bis 34-Jährigen für sich gewinnen. Die Linken bezogen gut ein Drittel ihrer Stimmen von den 18- bis 34-Jährigen.

Die Wählerwanderung: Den Grünen gelang es mit Abstand am besten, die Wähler, die ihnen 2017 ihre Stimme gegeben haben, auch jetzt wieder für sich an die Urne zu bringen. 91,3 Prozent der Grünen-Wähler wählten wieder grün. Auch die SPD und die FDP konnten wieder viele ihrer Stammwähler mobilisieren. Deutlich schlechter gelang es der CDU, ihre Anhängerschaft an die Urne zu bringen: Nur 60,1 Prozent der CDU-Wähler von 2017 wählten 2021 wieder die Union. Die Wähler der CDU wanderten vor allem zu den Grünen (14,1 Prozent) und der SPD (8,2 Prozent) - oder sie gingen gar nicht mehr wählen (10,6 Prozent). Auch die Wähler der Linken zeigten sich wenig loyal: Allein 24,0 Prozent ihrer früheren Anhänger wählten die Grünen, 9,9 Prozent die SPD. Während die FDP ebenfalls einige Wähler an die Grünen verlor, profitierte sie am stärksten von Wählern, die 2017 der Urne ganz fern geblieben waren. Auch die Grünen profitierten von damaligen Nichtwählern. Bei der AfD sah das anders aus: Die Mehrheit ihrer einstigen Anhänger ging diesmal nicht wählen.

Frankfurt: Verluste bei CDU – Grüne legen in Stadtteilen zu

CDU: Die Christdemokraten heimste gegenüber der Bundestagswahl vor vier Jahren in allen Stadtteilen zum Teil massive Verluste ein. Die meisten Federn musste die Union in Kalbach-Riedberg lassen. Ihr bestes Ergebnis mit 28,3 Prozent erzielte die CDU in Nieder-Erlenbach. Am schlechtesten schnitt die Partei im Nordend-Ost (11,5 Prozent) und im Riederwald (11,9 Prozent) ab.

SPD: Die Sozialdemokraten legten in allen Stadtteilen zu, schnitten aber besonders gut im Westen, Nordwesten und Osten ab. Das beste Ergebnis erzielte die SPD im Riederwald (33,6 Prozent). Am schlechtesten schnitt die Partei mit 13,7 Prozent im Westend-Süd ab. Ihren einzigen Verlust bei den Stimmenanteilen verzeichnete die Partei in Heddernheim (minus 0,8 Prozentpunkte).

Grüne: Die Ökopartei legte in allen Stadtteilen deutlich zu. Ihr bestes Ergebnis erreichten die Grünen im Nordend-Ost (35,9 Prozent). Am schlechtesten schnitten sie in Sindlingen (12,6 Prozent) ab, dort verbuchten sie auch ihre geringsten Zugewinne.

FDP: Die Freidemokraten konnten in 31 Stadtteilen zulegen. Ihr bestes Ergebnis erreichten die Liberalen im Westend-Süd (26,6 Prozent). Am schlechtesten schnitten sie im Riederwald (7,2 Prozent) ab. Den größten Zuwachs verbuchten sie in der Altstadt (plus 4,1 Prozentpunkte).

Linke: Die Linkspartei ist traditionell im Riederwald stark. Das zeigte sich auch am Sonntag. Dort verbuchte die Linke mit 11,9 Prozent ihr bestes Ergebnis, verbuchte dort aber auch ihre stärksten Verluste. Den geringsten Zuspruch bekam sie in Kalbach-Riedberg (3,2 Prozent).

AfD: Die AfD war im Westen der Stadt erfolgreich, konnte allerdings nur noch in zwei Stadtteilen zweistellige Ergebnisse erzielen - in Sindlingen (10,3 Prozent) und Sossenheim (10,0 Prozent). Am schlechtesten schnitt die Partei in den Stadtteilen ab, in denen die Grünen stark waren wie im Nordend-West (2,7 Prozent). (Julia Lorenz)

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