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Bergen-Enkheim: Baugeschichte

So hat man's lang nicht mehr gesehen

  • vonFriedrich Reinhardt
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Neuer Anlauf für Rathaus-Sanierung

Vor vier Jahren verschwand die Fachwerkfassade des Alten Rathauses an der Marktstraße hinter Baugerüsten, Planen und Netzen. Ebenso lange werden die Bergen-Enkheimer noch einmal warten müssen, bis das Wahrzeichen der Stadtteils wieder aus seinem Sanierungkleid gepellt wird. Vier Jahre mindestens. So sieht es der aktuelle Zeitplan des Amts für Bau und Immobilien (ABI) vor.

Das Amt hofft noch in diesem Jahr die Finanzierungsvorlage für die Sanierung in die Stadtverordnetenversammlung einbringen zu können, heißt es in einer Stellungnahme des Magistrats. Wird die Vorlage genehmigt kann die Ausführungsplanung beginnen. Danach werden die Bauarbeiten ausgeschrieben. Im Jahr 2022 könnten die Arbeiten beginnen, so die Schätzung des Bauamts.

Dach und Treppe sind marode

Die Liste der notwendigen Arbeiten an dem alten Gebäude ist lang. Schon 2007 wurde festgestellt, dass das Treppenhaus saniert werden muss. 2009 sollte dann der Brandschutz verbessert werden, doch die Untersuchungen dafür zeigten, dass der Dachstuhl marode ist. Im Obergeschoss sind die allermeisten Deckenbalken morsch. Das ganze Dach würde ohne Stützen einstürzen. Metallstangen sind quer durch das Gebäude gespannt und halten das Alte Rathaus, damit es nicht einfällt.

Die Außenwand ist so geschädigt, dass man an einigen Stellen hindurch nach draußen schauen kann. Auch der Erker an der Ostseite drohte herunterzubrechen und musste abgestützt werden. Die alten Nachtspeicheröfen sollen gegen eine moderne Gasheizung ausgetauscht und die Elektrik muss erneuert werden.

Das Alte Rathaus, in dem bis 2011 das Heimatmuseum untergebracht war, solle so wiederhergestellt werden, wie es die Bergen-Enkheimer kennen. So hatte es das ABI angekündigt, als sie vor einem Jahr die Planungen im zuständigen Ortsbeirat 16 angekündigt hatten. Nur soll an der Ostseite ein zusätzlicher Eingang entstehen und vor dem Treppenhaus eine Glaswand eingezogen werden. Das erfordert der Brandschutz.

Eigentlich sollten die Sanierungsarbeiten schon in diesem Jahr beginnen. Dann sprang aber das Architekturbüro ab, das mit den Vorplanungen beauftragt wurde. "Aus wirtschaftlicher Sicht" seien für die Architekten wohl andere Projekte interessanter gewesen, vermutete Christine Hammel vom ABI in einem Telefonat im August mit dieser Zeitung.

Häufig passiere es nicht, dass Architekten abspringen nachdem der Vertrag unterschrieben ist, sagt Günter Murr, Sprecher des Baudezernats. "Aber man kann die Menschen nicht zwingen zu arbeiten."

Ein neues Architekturbüro zu beauftragen war allerdings nicht so einfach. Die Planungsarbeiten mussten öffentlich ausgeschrieben werden, erklärt der Magistrat in der Stellungnahme. Die Ausschreibung konnte aber erst beginnen, nachdem der Vertrag mit dem ersten Architekturbüro durch einen Aufhebungsvertrag beendet wurde. Die Verhandlungen über den Auflösungsvertrag seien "komplex und langwierig" gewesen, heißt es weiter.

Planerwechsel kostete ein Jahr

In mühsamer Arbeit habe man auseinander klauben müssen, welche Leistungen das alte Architektenbüro schon erbracht hatte und wofür gezahlt wurde, erklärte Hammel vom Bauamt. Im April dieses Jahres habe man sich einigen können. Das neue Architekturbüro musste dann allerdings noch eingearbeitet werden. "Insgesamt hat der Planerwechsel und die Einarbeitungszeit ein Jahr in Anspruch genommen", schreibt der Magistrat.

Anwohner sind verständnislos

Mehrere Millionen Euro wird die Sanierung kosten. 1,5 Millionen Euro hatte die Stadt für den Haushalt 2020 bereits eingeplant. Noch einmal eine halbe Million Euro für den Haushalt 2021. Insgesamt wurde mit Kosten von fünf Millionen Euro gerechnet.

In Bergen-Enkheim wartet man derweil ungeduldig. "Es ist schwierig, den Bürgern zu erklären, warum die Arbeiten am Alten Rathaus sich so lange hinziehen", sagt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU). "Man traut sich kaum noch das Thema anzusprechen.

Neun Jahre ist es schließlich schon her, dass das Heimatmuseum Bergen-Enkheim sein Hab und Gut in Kisten packte, Leihgaben an die jeweiligen Museen zurückgab und das Alte Rathaus verlassen musste. Dahin soll das Heimatmuseum zurückkehren, wenn das Schmuckstück an der Marktstraße in neuem Glanz erstrahlt. In vier Jahren - hoffentlich.

Friedrich Reinhardt

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