Mit Schwert und vollem Einsatz: Frank Mayer schlug die Kinder mit seinem lebendigen Geschichtsunterricht in den Bann. FOTO: hamerski
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Mit Schwert und vollem Einsatz: Frank Mayer schlug die Kinder mit seinem lebendigen Geschichtsunterricht in den Bann.

Frankfurt historisch

So lebendig kann Geschichte sein

  • VonAlexandra Flieth
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Kinder gehen am Höchster Schlossplatz mit Experten auf Spurensuche

Noch sind die Objekte nicht zu erkennen, nur dass sie runde Formen haben - das zeichnet sich unter dem rosafarbenen Tuch schon ab. Doch was genau sich darunter verbirgt, das können sich die Mädchen und Jungen aus dem Kinderzentrum Gerlachstraße nicht vorstellen, die gestern zum historischen Zollgarten am Höchster Schlossplatz gekommen sind. Gespannt lauschen sie den Worten von Frank Mayer, des Vorsitzenden des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, der sie danach fragt, ob sie schon von Piraten gehört haben. Das bejahen sie - doch was bitte haben Piraten mit Höchst und dem Zollgarten zu tun, den die Gruppe gerade erkundet? Mayer klärt auf: "Was benutzten Piraten, wenn sie ein Schiff geentert haben?", fragt der Vereinsvorsitzende die Kinder und gibt kurz darauf selbst die Antwort: "Dafür brauchten sie Kanonen", sagt er und fügt hinzu: "Und die wurden mit Kanonenkugeln bestückt."

Das Geheimnis der Kanonenkugeln

Mayer zieht das Tuch weg und größere und kleinere Kanonenkugeln kommen zum Vorschein - Artefakte vergangener Jahrhunderte aus verschiedenen Materialien geformt wie Eisen. Sie sind heute im Besitz des Höchster Geschichtsvereins. Mayer nimmt zwei der Kugeln in seine Hände und reicht sie den Kindern, um ihnen ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie schwer sie sind. Der Geschichtsverein lud die Kindereinrichtungen aus dem Stadtteil ein, in vergangene Jahrhunderte von Höchst einzutauchen. "Ein Tag auf dem Höchster Schlossplatz" heißt das Konzept - und auf die Mädchen und Jungen warten spannende Geschichten, bei denen es etwa um eine keramische Bodenplatte aus der Römerzeit geht, auf der die Fußabdrücke eines Hundes zu sehen sind.

Alle Teile stammen aus der Sammlung des im Jahr 1894 gegründeten Geschichtsvereins. Sie wurden angekauft und teils sogar in früheren Jahrzehnten von Mitgliedern ausgegraben.

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) "Kinder und Jugend" des Vereins erarbeitete diesen Geschichtsunterricht der besonderen Art, um den Kindern die Historie des Stadtteils näher zu bringen. Die Devise: Raus aus den traditionellen Lernräumen - rein in die Altstadt auf den Schlossplatz und in den Zollgarten. Neben den Artefakten aus der Sammlung des Geschichtsvereins warten auf dem Schlossplatz zwei weitere Stationen auf die Kinder. Eines ist eine Riesen-Memory, auf dem markante Gebäude aus dem Stadtteil heute und früher abgebildet sind. Außerdem bekommen sie Darstellungen des alten Höchsts, die sie mit Buntstiften ausmalen dürfen.

Katharina Drechsel und Susanne Käser engagieren sich ehrenamtlich in der AG "Kinder- und Jugend". "Wir haben noch ein zweites Konzept entwickelt, eine Stadtteil-Rallye", erzählt Käser. Mit historischen Bildern von Höchst, einem Stadtplan und einer digitalen Kamera ausgestattet, müssen die Kinder die dargestellten Orte finden - samt Fahrt auf der Höchster Mainfähre "Walter Kolb" zum Schwanheimer Ufer - und das Bild fotografisch nachstellen.

Der Ritter und sein Schwert

"Viele Kinder aus Höchst sind noch nie mit der Fähre gefahren", weiß sie. "Die meisten, die zu uns kommen, wohnen auf der anderen Seite der Königsteiner Straße", sagt Erzieherin Roswitha Kleibusch, die den Ausflug begleitet. "Wir haben das Projekt angesprochen und die Kinder wussten nicht, dass es in Höchst ein Schloss gibt." Und zu einem Schloss gehören natürlich auch Ritter und vor allem ein großes Ritterschwert. Mayer holt ein Exemplar hervor, das Erstaunen bei den Knirpsen auslöst. "Das ist aber nur eine ungefährliche Nachbildung, sonst dürfte ich euch das gar nicht zeigen", erklärt Mayer den Kindern. Spannend bleibt die Nachbildung trotzdem, die, auf den Boden gestellt, fast genauso hoch ist wie die Mädchen und Jungen selbst.

Beide Angebote des Geschichtsvereins werden aus Mitteln des Förderprogramms "Innenstadt Höchst" der Stadt finanziert. Für die Kinder ist die Teilnahme kostenfrei. Weitere Infos unter www.geschichtsvereinhoechst.de.

Alexandra Flieth

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