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So modern liefert die Post Briefe und Päckchen in Frankfurt aus

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Von: Michelle Spillner

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90 Kilogramm passen auf das E-Trike. Hat Clint Ulrich alles verteilt, holt er Nachschub aus einem Postkasten an der Stresemannallee und lässt die leeren Kisten dort.
90 Kilogramm passen auf das E-Trike. Hat Clint Ulrich alles verteilt, holt er Nachschub aus einem Postkasten an der Stresemannallee und lässt die leeren Kisten dort. © Michelle Spillner

Lastenräder sind immer öfter auf Frankfurts Straßen zu sehen. Auch professionell für die Post - so wie bei Zusteller Clint Ulrich.

Frankfurt – Etwa drei Kilogramm wiegt jeder der beiden Akkus, die Clint Ulrich auf sein E-Trike lädt. "Eigentlich reicht einer dicke", sagt er. Aber wenn doch mal etwas sein sollte, er einen zweiten Akku bräuchte und nicht dabei hätte, dann wäre das ungünstig. "Einmal war das so. Da musste ich auf dem Rückweg tatsächlich komplett in die Pedale treten", erinnert er sich.

Das geht, aber das ist anstrengend - mit 90 Kilogramm Ladung. Die beiden Akkus fallen da nicht ins Gewicht, und sicher ist sicher. Noch die Thermoskanne mit dem warmen Tee darin dazu gepackt, und auf geht's zu den Postempfängern der insgesamt 70 000 Haushalte im Zustellbezirk 60598-27.

Die Vorarbeit im Frankfurter DHL-Logistikzentrum ist die halbe Miete

Startpunkt ist gegen 9.30 Uhr das Logistikzentrum von Deutsche Post DHL in der Gutleutstraße, von dem aus 43 Bezirke in Frankfurt bedient werden. Im Innenhof des Altbaus ist ganz schön was los. Alles voller Fahrräder, E-Trikes und gelber Kisten. Und in den Kisten Briefe, Postkarten und kleine Päckchen. Ulrich und seine Kollegen haben am Morgen im Sortierraum schon drei, vier Stunden die Kisten gepackt. Die Vorarbeit ist die halbe Miete.

"Wir packen nach Gangfolge", erklärt Sven Heß, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group. Das heißt, die "Zustellware" liegt in der Reihenfolge in den gelben Kisten, in der die Zusteller ihren Bezirk anfahren und abgehen werden, Adresse hinter Adresse, so wie sie an den Briefkästen stehen. Je akkurater das sortiert ist, desto weniger Umwege muss der Zusteller machen, "dann vergisst man auch niemanden und muss auch nicht nochmal irgendwohin zurück", ergänzt Ulrich.

Frankfurter Postzusteller: Ein paar Schritte kann er sparen - aber ist doch weiter viel zu Fuß unterwegs

Etwa sechs Stunden wird er unterwegs sein, bis er alle Post zu ihren Zielbriefkästen gebracht hat, und gut 10 000 Schritte wird er gegangen sein. "Das hält fit", lacht der 27-Jährige, und ist doch froh um jeden Weg, den er nicht extra gehen muss. Dabei hilft auch das E-Trike - beim Schrittesparen, beim Energiesparen und beim CO2-Sparen. Das E-Trike vereint Vorzüge von Fahrrad und Transportern mit Verbrennungsmotor in sich. Es ist wesentlich kleiner als ein Transporter, so dass Ulrich quasi bis vor jeden Briefkasten fahren kann. Und es fasst wesentlich mehr Ladung als ein Fahrrad, so dass man ordentlich was mitnehmen kann. Der Rahmen ist für das hohe Gewicht verstärkt. Auf der Ladefläche am Lenker finden zwei Kisten mit bis zu 30 Kilogramm Post Platz, jene Briefe, die Ulrich als nächstes in die Kästen werfen wird, aus denen er sich direkt bedient. In der großen rollbaren Kiste im Heck werden 60 Kilogramm Post transportiert, bis sie nach vorne nachgeladen wird. Und der größte Vorteil: Das E-Trike wird zur Hälfte mit Muskelkraft und zur Hälfte mit Strom betrieben - abgasfrei und geräuscharm.

Nahezu lautlos rollt Clint Ulrich los. Etwa zehn Minuten braucht er bis zu seinen ersten Briefkästen und hat damit - abgesehen von der Rückfahrt - das längste zusammenhängende Stück Wegstrecke hinter sich. Von jetzt an sind es nur noch kleine Abschnitte: ein Stückchen fahren, absteigen, Bremsknopf drücken, die nächsten Briefe schnappen, in die Kästen werfen, wieder aufsteigen und weiterfahren. Während er sich aus der Kiste bedient, schaut er schon nach, wo er als nächstes halten muss. Die aufgereihte Post in der Box gibt ihm das Stop and Go vor.

Das Trike wenden? In Frankfurt platztechnisch meist kein Problem

Ulrich hat nicht nur Briefe und Karten dabei. Seitdem das Aufkommen an Paketen und Päckchen massiv gestiegen ist und weil unter anderem auch das E-Trike ein größeres Fassungsvermögen hat, bringen Briefzusteller auch kleinformatige Sendungen mit bis zu 30 Kilogramm Gewicht, für die früher extra der Paketzusteller kommen musste. Die Päckchen befinden sich hinten im Laderaum. Damit er während der Zustellung kein Päckchen vergisst, hat er in die Box für jedes ein Platzhalterkärtchen an die richtige Stelle gesteckt, das ihm sagt: Achtung, hier muss ein Päckchen zugestellt werden. Im Jahr 2021 sind bundesweit 63 Millionen Päckchen vom "Postboten" gebracht worden. 8000 neue Mitarbeiter wurden seit der Pandemie von der Deutsche Post DHL eingestellt.

Es gibt zwei gegenläufige Trends: Während der Versand an Päckchen und Paketen stetig zunimmt - in der schlimmsten Zeit der Coronavirus-Pandemie im zweistelligen Prozent-Bereich, jetzt, so schätzt Heß, jährlich um fünf bis sieben Prozent - nimmt die Zahl der "normalen" flachen Post, der Briefe und der Karten ab, um etwa 3 Prozent im Jahr. Die Briefzusteller arbeiten also in einem schrumpfenden Markt, was durch die verstärkte Zustellung von kleinformatigen Sendungen aufgefangen wird. Gerade in der Weihnachtszeit sei diese Verlagerung wichtig, in der so viele Pakete und Päckchen verschickt würden, dass der Paketdienst allein es gar nicht mehr schaffen würde: Mit dem Transporter an der Straße parken - überhaupt erstmal einen Halteplatz finden - Motor aus, in den Laderaum klettern und die Zustellware holen, den Weg zum Kunden zu Fuß zurücklegen, wieder zurück ... das ist aufwendig. Nicht für Ulrich. Mit seinem E-Trike passt er bequem auf alle Wege und rollt in der Breslauer Straße bequem bis vor jede Haustür. Seine Wege plant er möglichst so, dass er nicht wenden muss - wobei auch das platztechnisch meistens kein Problem wäre.

Nachschub holen an der Ecke Karlsbader Straße/Stresemannallee in Frankfurt

Kaum hat Ulrich ein Päckchen aus seinem Behältnis geholt, wirft er auf dem Weg zur Tür schon einen prüfenden Blick auf die Briefkastenschlitze: Könnte das passen? Die schmalen flachen Dinger sind meist kein Problem für große Briefkästen. Aber es kommt nicht nur auf die Schlitzbreite an. Die Frage ist: Wie viel Platz ist hinter dem Schlitz? Je weniger steil der Winkel ist, in dem das Päckchen eingeworfen werfen muss, desto größer die Chance, dass es passt. "Viele Briefkästen sind leider sehr flach", bedauert er. Dann klingelt er: "Die Post! Ein Päckchen!" Jetzt beginnt das Treppenlotto: erster, zweiter oder gar dritter Stock? Ulrich bringt es bis an die Wohnungstür, auch wenn er das nicht müsste: "Da freuen sich die Leute", sagt er. Manche könnten ja schlecht laufen, gerade die Älteren.

Das nächste Teil, das dicke knubbelige Ding im Plastikbeutel, passt auf keinen Fall durch den Schlitz. Achter Stock! Und der Aufzug ist gerade weggefahren. Das dauert.

Nach gut drei Stunden ist das E-Trike leer, aber Ulrichs Job noch nicht getan. Er steuert die Ecke Karlsbader Straße / Stresemannallee an. Dort gibt es einen Postkasten, die grauen Dinger am Straßenrand, die manche für Elektrokästen halten. Da lagert die Nachladeware. Leere Kisten raus aus dem Trike, volle rein, und weiter geht's.

Mit dem knallgelben E-Trike durch Frankfurt: Kaum jemand wundert sich darüber

Mittlerweile ist an diesem kalten Tag auch die Sonne herausgekommen. Eigentlich war es ein "Handschuhmorgen", will heißen: Im Fahrtwind werden die Hände kalt. Aber mit Handschuhen lässt sich Post schlecht sortieren und einwerfen. Auf dem E-Trike hat man im Gegensatz zum Transporter kein Dach über sich, das vor Regen schützt.

Die Zustelltätigkeit ist eine verhältnismäßig stille. Die meisten Menschen sind bei der Arbeit. Auf seiner Tour warten nur eine alte Dame auf dem Balkon im ersten Stock und ein Herr im Küchenfenster im Parterre und fragen, ob es etwas zu holen gibt: "Nein, heute nicht." Ein Bewohner, der gerade vom Brötchenholen kommt, witzelt: "Wenn es Rechnungen sind, werfen Sie sie bitte beim Nachbarn ein!" Bis auf ein paar beeindruckte Kinder wundert sich niemand über das knallgelbe E-Trike. Nur eine ältere Dame staunt: "Die Post, und sie bringt die Sonne mit." Wobei nicht klar ist, ob sie das Wetter meint oder die strahlende Farbe des Gefährts. Gegen 15.30 Uhr wirft Ulrich im Bereich der Mörfelder Landstraße den letzten Brief ein. Auf seiner Ladefläche hat er nun nur noch die Päckchen und Mini-Pakete, deren Adressaten er nicht angetroffen hat. Sprichwörtlich erleichtert radelt er zurück in die Gutleutstraße. Etwa eine Stunde Nachbereitung wartet noch auf ihn: unzustellbare Sendungen, Empfänger verzogen, Päckchen auf den Weg zum Abholpunkt bringen. Und nicht vergessen, die Akkus an die Ladestation zu hängen, damit es morgen früh wieder losgehen kann. (Michelle Spillner)

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