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Neuer Ekelrekord in Frankfurt: So viele Hygienemängel in Lokalen wie noch nie

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Von: Thomas J. Schmidt

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Schauen ganz genau hin: Lebensmittelkontrolleure finden bei ihren Überprüfungen von Gastronomiebetrieben teilweise eklatante Mängel. Die schlimmsten veröffentlicht das Land Hessen im Internet.
Schauen ganz genau hin: Lebensmittelkontrolleure finden bei ihren Überprüfungen von Gastronomiebetrieben teilweise eklatante Mängel. Die schlimmsten veröffentlicht das Land Hessen im Internet. © picture alliance/dpa

Kontrolleure machten in diesem Jahr bereits 134 Gastrobetriebe in Frankfurt vorübergehend dicht. Wegen Corona hat sich vielerorts die Hygiene verschlechtert.

Frankfurt – Die Stadt steuert auf einen neuen Ekelrekord hin: Noch nie haben Kontrolleure wegen Hygienemängeln so viele Gastronomiebetriebe in der Stadt geschlossen wie in diesem Jahr. 134 waren es, Stand Mittwoch (08.12.2021). Bis Jahresende dürfte noch das ein oder andere Lokal hinzukommen und der bisherige Höchstwert von 135 dichtgemachten Gastro-Betrieben im vergangenen Jahr übertroffen werden.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamts und der Lebensmittelüberwachung fanden bei ihren Kontrollen Ekelerregendes. So lag bei einem Fast-Food-Imbiss im Nordend Mäusekot neben offenen Pizza-Kartonagen, und nicht nur dort. Der Kühlschrank war "schmierig-rostig". Gröbere Verstöße wie diesen gibt die Stadt an das Land Hessen weiter. Die schlimmsten Verstöße veröffentlicht das Land dann online.

Ekel-Alarm in Frankfurt: Mäusekot überall im Restaurant

Im November war das drei Mal der Fall. Neben dem Imbiss im Nordend meldeten die Kontrolleure auch Verstöße in einem Restaurant in Sachsenhausen ans Land. Dort hatten sie Mäusekot in Lebensmittelbehältern, auf den Arbeitsflächen und gar auf dem Geschirr festgestellt.

Bei einem Metzger im Frankfurter Westen - der dritte Fall - waren Würste in einer verunreinigten Vitrine angeschimmelt. Tote Fliegen, schimmelähnliche Beläge an vorverpackten Lebensmitteln, Fraßschäden durch Mäuse an Süßigkeiten - kurz, kein appetitliches Bild. Bei Nachkontrollen einige Tage später war dann alles sauber. Am 1. Dezember hat die Stadt zwei weitere Betriebe an das Land Hessen gemeldet.

Frankfurt: Mehr Hygienemängel seit Beginn der Corona-Pandemie

Wie es um die Sauberkeit in Frankfurts Gastronomiebetrieben steht und wie sich die Zahl der Beanstandungen in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wollte zuletzt auch die AfD vom Magistrat wissen. Demnach ist die Zahl der Restaurant-Schließungen in den vergangenen zehn Jahren enorm gestiegen, was aber auch mit veränderten gesetzlichen Auflagen zu tun habe. 2011 etwa wurden nur elf Betriebe geschlossen, zudem gab es zwölf Teilschließungen. Die Kontrolleure machten beispielsweise die Küche dicht, während der Thekenverkauf weiterlaufen konnte.

2020 waren es laut Magistrat 135 Schließungen und 23 Teilschließungen. 2019 machten die Behörden 107 Gastrobetriebe dicht, zudem gab es 17 Teilschließungen. 2018 waren es 104 Schließungen und 48 Teilschließungen. Dabei wurden zwischen 4560 und 5171 Betriebe kontrolliert. Die meisten Kontrollen gab es 2018 mit 6228 - zwei von fünf Gastro-Betriebe bekamen in diesem Jahr Besuch von den Kontrolleuren. 2011 war es nur gut jedes vierte Lokal (27,4 Prozent).

Frankfurt: Zahl der Restaurant-Schließungen steigt auch wegen Corona stark

Dass die Zahl der Schließungen stark gestiegen ist, erklärt der Magistrat auch mit Corona: "Generell ist eine Verschlechterung der Hygiene in den Betrieben zu beobachten. Mangelnde Kenntnisse und auch die Folgen der Corona-Pandemie haben insbesondere in den letzten 18 Monaten dazu geführt, dass der Anteil an Kontrollen mit einer Schließung des Betriebes bis zur Behebung der hygienischen Mängel deutlich gestiegen ist."

Das Team der Lebensmittelüberwachung besteht zurzeit aus 20 Mitarbeitern, davon vier Amtstierärzte. Teilzeit abgezogen, kommt man auf 18,27 Vollzeitstellen. Dies ist nach Auffassung des Magistrats zu wenig. Allerdings reichten die vom Land zugewiesenen Gelder "für das jetzt vorhandene Personal schon nicht aus. Eine weitere notwendige Aufstockung des Personals ist vor dem Hintergrund der haushaltsmäßigen Rahmenbedingungen schwierig, wäre aber erforderlich", urteilt der Magistrat. Fünf Mal wurden die Mitarbeiter zwischen 2017 und 2019 körperlich angegriffen, zehn Mal verbal.

Grundsätzlich ist es so, dass Betriebe, die zu viele Mängel aufweisen, schließen müssen und nach einer erneuten Kontrolle wieder öffnen können, wenn die Mängel beseitigt sind. Nur die drastischsten Fälle meldet die Stadt an das Land Hessen. Zwischen den Kontrollen und der Meldung ans Land vergehen in der Regel Wochen, denn die Betriebe nutzen die Möglichkeit, Einspruch einzulegen. (Thomas J. Schmidt)

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