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Mehr Straftaten im Frankfurter Bahnhofsviertel – Doch es gibt wohl eine Erklärung

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Von: Thomas J. Schmidt

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Bleibt ein Brennpunkt: das Bahnhofsviertel.
Bleibt ein Brennpunkt: das Bahnhofsviertel. © Rainer Rüffer

Die Frankfurter Polizei verzeichnet 2021 deutlich weniger Delikte als im Jahr zuvor. Hauptursache ist die Corona-Pandemie.

Frankfurt – „Frankfurt ist so sicher wie noch nie“, sagt Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Freitag (18.02.2022) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2021. Erstmals seit 20 Jahren lag die Zahl der Straftaten unter 100.000: Von 102.897 im Jahr 2020 sank sie auf zuletzt 96.449 Fälle. Zugleich sank auch die Aufklärungsquote um 2,5 Prozent auf 65,5 Prozent. Aber, so Bereswill: „Die vergangenen vier Jahre mit Aufklärungsquoten von 65 bis 68 Prozent sind die besten in den vergangenen 20 Jahren.“ Auch die Häufigkeit - die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner - sei mit 12.622 Fällen niedrig - die niedrigste gar in den vergangenen 40 Jahren.

In große Gruppen einsortiert waren 39,4 Prozent der Straftaten, die im vergangenen Jahr verübt wurden, sogenannte Kontrolldelikte. Das heißt, sie werden überhaupt nur entdeckt, weil danach gesucht wird. Etwa jedes fünfte Delikt in Frankfurt wird von der Bundespolizei am Flughafen aufgedeckt, meist Pass- oder Visavergehen, die gleichwohl in die Frankfurter Statistik einfließen. Was die Frankfurter hingegen direkt betreffen kann, sind Diebstähle. 29,9 Prozent aller Fälle des vergangenen Jahres waren Diebstahlsdelikte. 9,7 Prozent aller Delikte zählten zu dem, was die Polizei "Rohheitsdelikte" nennt, also Körperverletzung, Raub, Straftaten gegen die persönliche Freiheit.

Frankfurt: Weniger Mord und Totschlag im vergangenen Jahr

Hanspeter Mener, Leiter der Kriminaldirektion, berichtet, dass auch die Zahl der Tötungsdelikte - dazu zählen Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung sowie versuchter Mord - abgenommen hat. Es gab 45 Fälle in Frankfurt, von denen acht vollendet worden sind - es gab also acht Getötete. 44 Fälle wurden aufgeklärt. Im Vorjahr waren es 55 Tötungsdelikte.

Die Zahl der Straftaten im Frankfurter Bahnhofsviertel hat sich um 306 auf 7925 erhöht, ein Plus von vier Prozent. Zum Teil ist dies auf die Ermittlungsarbeit der Polizei zurückzuführen: Drogendelikte sind Kontrolldelikte. Sie fliegen überhaupt erst auf, wenn die Polizei fahndet. Entsprechend hoch ist die Aufklärungsquote, sie liegt bei 99 Prozent. Umgekehrt werden durch mehr Kontrolle auch mehr Fälle aufgedeckt. So stieg die Zahl der "Betäubungsmitteldelikte" auf 293, ein Plus von 17,2 Prozent. "Davon waren 28 Fälle gewerbsmäßigen Handels", schildert Mener. 226 Dealer wurden ermittelt. Im Vorjahr waren es 190. Von den Gefassten waren 34 deutsche Staatsbürger. Die zweitstärkste Gruppe, 25, kam aus Marokko, die drittstärkste, 24, aus Guinea. Coronabedingt habe sich, so Mener, die Zahl der Diebstähle, Körperverletzungen, Ladendiebstähle und Straßenraubdelikte im Bahnhofsviertel Frankfurt reduziert, weil weniger Menschen unterwegs waren.

Im gesamten Stadtgebiet verzeichnete die Polizei deutlich mehr Einbrüche in Keller, außerdem mehr Fahrraddiebstähle und Autoaufbrüche. So wurden 2487 Kellereinbrüche ermittelt, 506 mehr (25,5 Prozent) als im Vorjahr. In jedem vierten Fall wurde ein Fahrrad aus dem Keller gestohlen. Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist um 844 (19,2 Prozent) auf 5251 angestiegen. "Häufig sind es hochwertige Elektro-Räder, die oft von internationalen Diebesbanden gestohlen werden", erklärt Bereswill. Um 515 Fälle (32,6 Prozent) ist die Zahl der Autoaufbrüche gestiegen auf zuletzt 2095. Die Zahl der Täter, die drogenabhängig waren, hat sich im Vergleich zu 2020 von 8 auf 37 fast verfünffacht.

Weniger Einbrüche auch in Büros in Frankfurt

Hingegen sank die Zahl der Taschendiebstähle um zwölf Prozent auf 2199. Die Aufklärungsquote liegt hier nur bei 15,7 Prozent. Ähnlich ist diese Quote bei den Wohnungseinbrüchen. Deren Zahl sank im vergangenen Jahr erstmals unter die Marke von 1000: 723 Einbrüche gab es 2021, 30,5 Prozent weniger. Bereswill glaubt jedoch nicht, dass dies mit Corona zusammenhängt, weil jetzt mehr Menschen im Home-Office arbeiten. „Dann müssten ja die Einbrüche in Büros und Gewerbebetriebe zunehmen.“ Stattdessen wurde auch hier ein Rückgang von 34,2 Prozent verzeichnet, von 1367 auf 900.

Umgekehrt ist die Zahl der Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung auf 994 angewachsen, ein Plus von 236 Fällen, 31,1 Prozent. Vier von fünf Fällen konnten aufgeklärt werden. Etwa 90 Fälle verbotener Prostitution sind im Vergleich zum Vorjahr hinzugekommen. 150 Fälle von Vergewaltigungen wurden ermittelt, 52 mehr als im Vorjahr. Beträchtlich gestiegen ist auch die Zahl der Ermittlungen wegen Kinderpornografie. Dies hängt mit der im Oktober 2020 gegründeten besonderen Einsatzgruppe zusammen.

Die Zahl der Körperverletzungen in Frankfurt hat 2021 Jahr eine bemerkenswerte Entwicklung genommen: Während die Zahl der Bedrohungen um 227 Fälle auf 1365 gestiegen ist, ist die Zahl der tatsächlich erfolgten Körperverletzungen um 505 auf 6457 gesunken, was der niedrigste Stand seit 2016 ist. (Thomas J. Schmidt)

Kommentar: Es ist klar, wer vor wem geschützt werden muss!

Frankfurt ist also noch sicherer geworden. Dass die Pandemie dabei eine Rolle spielt, ist zu vermuten. Wo sonst im Herbst Einbrecher in den frühen dunklen Abendstunden leichtes Spiel hatten, sitzen seit Corona viele Leute zu Hause im Homeoffice. Aber immerhin: Bereits vor zwei Jahren rief der Polizeipräsident mit Blick auf die Zahlen für 2019 die sichersten aller Zeiten in Frankfurt aus, was freilich übertrieben war. Eine erfreuliche Tendenz zeigte sich jedoch schon damals: Auch in den Jahren vor Corona nahmen Straßendelikte und Einbrüche eher ab denn zu. Ob man aus einem Zehn-Jahres-Vergleich schon belastbare Schlüsse zu einer verbesserten gesellschaftlichen Entwicklung ziehen kann, ist zu bezweifeln. Auch die Kriminalität zeigt Schwankungen, die oft, aber nicht immer zu erklären sind. Klar ist: Die Polizei leistet gute Arbeit. Klar ist mit Blick auf die Zahlen der letzten Dekade auch: Die düsteren Prophezeiungen, mit denen Populisten vor allem gegen Flüchtlinge Stimmung machen, haben keinen wahren Kern. Im Gegenteil: Auf unseren Straßen waren wir seit 2015 sicherer als vorher. Ein Trend, der mit dieser üblen Angstmache zu tun hat, muss uns alarmieren: Politisch motivierte Straftaten nehmen zu, vor allem rechtsextreme. Es ist längst klar, wer in unserer Gesellschaft vor wem geschützt werden muss! (Mark Obert)

Die Bundespolizei hat am Flughafen Frankfurt fünf Reisende geschnappt, die sich mit gefälschten Impfpässen durch die Kontrollen schummeln wollten. In diesem Jahr registrierte die Bundespolizei am Airport bereits 162 solcher Fälle.

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